Durch den demografischen Wandel wird sich die Anzahl der betroffenen Patienten innerhalb der nächsten 40 Jahre verdoppeln. Vorerkrankungen wie Bluthochdruck, koronare Herzerkrankung und Zuckerkrankheit begünstigen dabei das Auftreten von Vorhofflimmern. Aber auch starker Alkoholkonsum, Übergewicht oder ein Schlafapnoe-Syndrom erhöhen das Risiko.

Bislang gibt es nur begrenzte Möglichkeiten, Vorhofflimmern, das zumeist als dauerhaft unregelmäßiger, deutlich beschleunigter Herzschlag auftritt, zu heilen. Es ist aber umso wichtiger, die Krankheit bestmöglich zu behandeln, um nicht nur akute Beschwerden zu lindern, sondern vor allem Folgeerkrankungen vorzubeugen: Ohne eine passende Behandlung ist die Gefahr, dass Patienten in der Folge an einer Herzinsuffizienz erkranken, deutlich erhöht.

Insbesondere das Schlaganfallrisiko steigt um das Fünffache an, wenn die Rhythmusstörungen nicht erkannt und behandelt werden: Von den circa 260.000 Schlaganfällen pro Jahr in Deutschland lassen sich rund 20 bis 30 Prozent auf Vorhofflimmern zurückführen. Aber auch bei milderem Verlauf kann die Krankheit durch Symptome wie Herzrasen, Atemnot oder die damit verbundenen Angstgefühle zu großen Einschränkungen der Lebensqualität führen.

Gut geschultes Personal und ein aufgeklärter Patient tragen wesentlich dazu bei, dass die Gefahr weiterer Schlaganfälle wirkungsvoll reduziert wird.

Um die Aufklärung für das Risiko der schwerwiegenden Schlaganfälle durch Vorhofflimmern voranzutreiben und die dadurch erhöhte Mortalitätsrate zu senken, hat der Bundesverband Niedergelassener Kardiologen e. V. (BNK) das sogenannte BNK-Forschungsregister „Spider-AF“ ins Leben gerufen. Mithilfe eines implantierten Ereignisrekorders wird bei Patienten, die einen Schlaganfall mit unbekanntem Auslöser erlitten haben (kryptogener Schlaganfall/TIA), nach Vorhofflimmern gesucht. Ziel dieser Untersuchung ist es, ein bisher nicht diagnostiziertes Vorhofflimmern als mögliche Ursache zu identifizieren, um daraus geeignete Maßnahmen und Therapieansätze für den Kardiologen und die Weiterbehandlung beim Hausarzt zu entwickeln.

Bei Patienten mit Schlaganfällen, die eindeutig durch ein Vorhofflimmern ausgelöst wurden, ist eine Therapie mit gerinnungshemmenden Medikamenten vielversprechend und sorgt für eine Risikoreduktion um mehr als 60 Prozent. Durchgeführt wird die Behandlung laut dem Kompetenznetz Vorhofflimmern (AFNET) am besten in kardiologischen Praxen, denn hier werden die Patienten direkt von Fachärzten betreut und können eine persönliche und vertrauensvolle Beziehung zu ihrem Facharzt aufbauen.

Da die Anwendung von Gerinnungshemmern gewisse Risiken wie ein erhöhtes Blutungsrisiko birgt, hat der BNK zudem ein Schulungsprogramm entwickelt, das auf zwei Säulen setzt: Die Fortbildungsreihe „Kardioteam“ soll Ärzten und Medizinischen Fachangestellten dabei helfen, einen einheitlichen Praxisablauf in der gerinnungshemmenden Therapie zu erstellen. Zum anderen steht die verständliche Aufklärung der Patienten im Vordergrund, denn die richtige Anwendung und Therapietreue sind ausschlaggebend für den optimalen Behandlungserfolg. Gut geschultes Personal und ein aufgeklärter Patient tragen wesentlich dazu bei, dass die Gefahr weiterer Schlaganfälle wirkungsvoll reduziert wird.