Obwohl dieses Verfahren eine größere Flexibilität, eine Berufstätigkeit und mehr Lebensqualität ermöglicht. In anderen europäischen Ländern liegt der Anteil der Heimdialyseverfahren zwischen zehn und 30 Prozent. Im Interview mit Dr. med. Benno Kitsche, KfH Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation e. V., ärztlicher Leiter am KfH-Nierenzentrum Köln-Merheim und Beauftragter des Vorstandes zur Förderung und Entwicklung der Heimdialyseverfahren, haben wir nachgefragt.

Welche Rolle spielt der behandelnde Arzt, wenn es um die Wahl des Dialyseverfahrens geht?

Eine zentrale Rolle, denn er begleitet den Patienten von der Diagnosestellung bis zum Start der Dialyse und natürlich auch danach. Bereits bevor es zur Dialyse kommt, muss der behandelnde Arzt den Patienten über die Möglichkeiten der Dialyseverfahren – also Hämodialyse und Peritonealdialyse – informieren, um mit ihm zusammen zu entscheiden, welches Verfahren für ihn infrage kommt und ob die Heimdialyse oder eine ambulante Dialyse in einem Zentrum für ihn das Beste ist.

Welche Voraussetzungen muss ein Patient mitbringen, damit er für ein Heimdialyseverfahren infrage kommt?

Früher gab es viele Kontraindikationen, wie etwa Zuckerkrankheit oder Zystennieren, zu alt oder zu gebrechlich. Heute gibt es nur noch wenige Kontraindikationen. Gegen eine Heimdialyse als PD würde man sich aber beispielsweise bei chronischen Darmerkrankungen entscheiden. Bei Patienten, die nicht in der Lage sind, die Dialyse zu Hause komplett eigenständig durchzuführen, gibt es die Möglichkeit der assistierten Heimdialyse durch Pflegedienste. Diese ist in Deutschland leider noch nicht in der Regelversorgung verankert, sodass mühsame und langwierige Einzelanträge gestellt werden müssen.

Die Grundvoraussetzungen zur Heimdialyse sind sehr einfach:

  • Es muss die Bereitschaft zur Zusammenarbeit zwischen Arzt und Patienten bestehen.
  • Der Patient muss die Verantwortung für ein Heimdialyseverfahren übernehmen können und wollen.
  • Der Patient muss sich an die Verschreibung, also an Form und Häufigkeit der Verordnung, halten.

Da der Nephrologe (Nierenarzt) den Patienten bei der Heimdialyse nur alle vier bis sechs Wochen sieht, müssen diese Punkte erfüllt werden, damit die Heimdialyse reibungslos funktionieren kann.

Wo sehen Sie die größten Vorteile?

Aus medizinischer Sicht in einem kontinuierlichen Verfahren. Dies gilt vor allem auch bei kombinierten Erkrankungen von Leber und Niere, hier ist die PD die Therapie der Wahl. Doch der für die meisten Patienten größte Vorteil der Heimdialyse ist die enorme Flexibilität und zeitliche Unabhängigkeit, die sie dem Patienten ermöglicht.

Die Dialysebehandlung kann ganz individuell dem Lebensstil und den beruflichen Notwendigkeiten angepasst werden. Hinzu kommt, dass die erhöhte Eigenverantwortung im Rahmen der medizinischen Behandlung für mehr Zufriedenheit beim Patienten und damit für zusätzliches Wohlbefinden und für mehr Lebensqualität sorgt. Prinzipiell eignen sich für eine Behandlung zu Hause beide Dialyseverfahren, sowohl die Hämodialyse als auch die Peritonealdialyse.

Welche Kosten kommen bei der Heimdialyse auf den Patienten zu?

Spielen wir das mal durch. Ein Patient kommt zu mir nach Köln und sagt, dass er gern Heimdialyse machen möchte. Dann bekommt er die Maschine vom KfH gestellt. Der Techniker kommt zum Patienten nach Hause und schaut sich die Möglichkeiten der Installation genau an. Danach wird die Maschine nach Hause geliefert und in Betrieb genommen. Alle Materialien für die Dialyse und auch Verbandsmittel werden natürlich auch gestellt und nach Hause geliefert. Auch für die Frage der erhöhten Müll-, Wasser- und Stromkosten gibt es eine Antwort: Das Kuratorium erstattet dem Patienten eine Pauschale.

Wie funktioniert die Ausbildung?

Bevor ein Patient seine Hämodialyse oder Peritonealdialyse als Heimdialyse selbständig zu Hause durchführt, wird er vom Nephrologen und dem Heimdialyseteam in einem KfH-Zentrum von spezialisierten Pflegekräften geschult. Zusätzlich gibt es überregionale Trainingszentren, in denen Patienten und Angehörige im gewählten Heimdialyseverfahren trainiert werden können.

Was wäre nötig, damit wir einen höheren Anteil bezogen auf die 80.000 Dialysepatienten in Deutschland erreichen?

Aus- und Fortbildung ist das A und O. Das Wissen und die praktische Erfahrung um die Heimdialyse müssen wieder flächendeckend gewährleistet sein.  Es ist durch die gute Versorgung mit Nierenzentren in Deutschland in Vergessenheit geraten.  Zudem muss man natürlich auch die Patienten und darüber hinaus die gesamte Bevölkerung darüber informieren – beispielsweise durch Gespräche wie dieses hier, durch Artikel und Informationen im Internet etc.. Nur der gut informierte Patient kann eine kann mit seinem Nephrologen eine Entscheidung über das zu ihm passende Nierenersatzverfahren treffen.

Das KfH. Für den Patienten.

Das gemeinnützige KfH steht für eine qualitativ hochwertige und integrative nephrologische Versorgung nierenkranker Patienten. Es wurde im Jahr 1969 gegründet und ist damit zugleich der älteste und größte Dialyseanbieter in Deutschland. In über 200 KfH-Nierenzentren und 22 Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) werden rund 18.900 Dialysepatienten sowie aktuell über 62.000 Sprechstundenpatienten umfassend behandelt. Das KfH betreut 16 der 19 Kindernierenzentren in Deutschland.

Weitere Informationen:

www.kfh.de

www.nierenwissen.de

www.kfh-heimdialyse.de

www.kfh.de/infomaterial/patientenmagazin