Chronische Hepatitis B und C betreffen über 300 Millionen Menschen weltweit und auch in Deutschland sind nach Schätzungen der Bundesregierung bis zu 600.000 Menschen erkrankt. Die meisten ahnen nichts von ihrer Infektion, die lange symptomlos bleibt. Wenn es zu Symptomen kommt, sind diese oft eher unspezifisch wie z.B. Müdigkeit, Konzentrationsstörungen oder Gelenkbeschwerden. Unbehandelt können beide Infektionen zu Leberzirrhose, Leberkrebs und Tod führen. Eine rechtzeitige Diagnose kann dies verhindern: Chronische Hepatitis B ist gut kontrollierbar und Hepatitis C ist dank neuer Medikamente heute fast immer heilbar.

Das Motto des Welt-Hepatitis-Tages lautet in diesem Jahr: "Hepatitis: Findet die fehlenden Millionen!" Es weist darauf hin, wie wichtig eine frühe Diagnose ist. Im Fokus des diesjährigen Welt-Hepatitis-Tages steht, die noch unentdeckten Patienten zu finden, um diese frühzeitig zu behandeln, vor Spätfolgen zu bewahren und Neuinfektionen einzudämmen.

Bereits im Jahr 2016 hat die Weltgesundheitsorganisation WHO die globale "nohep"-Kampagne ins Leben gerufen, mit dem Ziel, sowohl die Hepatitis B als auch Hepatitis C bis 2030 einzudämmen. Diesem Ziel hat sich auch die deutsche Bundesregierung verschrieben: Mit ihrer BIS2030-Strategie im gleichen Jahr hat diese das Ziel ausgesprochen und will neben Hepatitis B und C auch HIV und weitere sexuell übertragbare Infektionen bis im Jahr 2030 eindämmen.

Chronische Hepatitis B kann über Jahre oder Jahrzehnte zu Zirrhose oder Leberkrebs führen.

Hepatitis B wird insbesondere über Körperflüssigkeiten wie Blut, Sperma, und Scheiden­sekret übertragen. Ein Ansteckungsrisiko besteht insbesondere bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr, unsterilen Tätowier- oder Injektionsnadeln, aber auch bei der Geburt, falls die Mutter infiziert ist. Wenn sich gesunde Erwachsene mit Hepatitis B infizieren, heilen über 95% die Infektion im ersten halben Jahr von selbst aus. Selbst eine „ausgeheilte“ Hepatitis B hinterlässt jedoch ihre DNA in Leberzellen.

Deswegen kann eine vermeintlich ausgeheilte Hepatitis B bei schwerer Immunschwäche selbst Jahrzehnte später wieder aktiv werden und sehr schwer verlaufen. Besonders gefürchtet ist die Hepatitis B jedoch für ihre chronischen Verläufe, die dann meist lebenslang sind. Insbesondere Säuglinge und immungeschwächte Menschen sind hiervon gefährdet. Chronische Hepatitis B kann über Jahre oder Jahrzehnte zu Zirrhose oder Leberkrebs führen. Heutige Therapien können die Virusvermehrung unterdrücken und senken das Risiko von Leberschäden, ohne aber die Infektion ganz auszuheilen.

Bessere Hepatitis-B-Therapien zu finden ist nun Ziel der Forschung. Am besten ist natürlich, es gar nicht zur Infektion kommen zu lassen. Es gibt eine wirksame Schutzimpfung gegen Hepatitis B. Diese schützt auch vor dem gefürchteten Hepatitis-Delta-Virus, welches nur zusammen mit Hepatitis B existieren kann, aber dann die Leberschädigung erheblich beschleunigt.

Hepatitis C wird hauptsächlich über Blut-zu-Blut-Kontakt übertragen, d.h. wenn infektiöses Blut in die Blutbahn oder durch die Schleimhäute eindringt. Blutprodukte waren bis Anfang der 1990er-Jahre eine häufige Infektionsquelle, durch rigorose Testung kommt es hier aber praktisch nicht mehr zu Neuinfektionen. Hygiene-Mängel bei Tätowierungen und medizinischen Eingriffen können ebenfalls zu Infektionen führen und sind insbesondere in Ländern mit niedrigen Hygienestandards ein häufiges Problem.

Nach wie vor kommt es in der Drogenszene sehr oft zu Hepatitis-C-Infektionen, wenn Spritzbesteck oder andere Utensilien wie z.B. Röhrchen zum Sniefen gemeinsam verwendet werden. Eine heterosexuelle Übertragung ist möglich, aber deutlich seltener als bei Hepatitis B; bei verletzungsträchtigen Sexualpraktiken und häufig wechselnden Partnern ist das Hepatitis-C-Risiko jedoch deutlich erhöht. Deswegen kommt es insbesondere in der schwulen Party- und Drogenszene oft zu sexuellen Hepatitis-C-Infektionen.

Eine Schutzimpfung gegen Hepatitis C konnte bisher noch nicht gefunden werden. Dafür ist die Infektion jedoch heute praktisch immer heilbar. Vor wenigen Jahren waren Heilversuche noch sehr schwierig, langwierig und mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden. Heutige Therapien dauern in der Regel nur noch acht bis zwölf Wochen.

Schon nach der ersten Therapie sind mittlerweile über 95% der Infizierten dauerhaft und endgültig geheilt; selbst wenn die erste Therapie nicht anspricht, sind die Heilungschancen einer erneuten Behandlung wieder ähnlich hoch. Durch Heilung der Hepatitis C können auch Neuinfektionen anderer Menschen wirksam unterbunden werden.

Information

Informationen zum Welt-Hepatitis-Tag: www.welthepatitistag.info.