Zu Beginn einer Herzklappenerkrankung verspüren Betroffene nur selten Beschwerden. Im fortgeschrittenen Stadium treten jedoch typische Symptome wie Luftnot, schnelle Ermüdung und generelle Leistungsminderung auf.

„Bei der Mitralklappeninsuffizienz – dem zweithäufigsten Herzklappenfehler in Deutschland – fließt sauerstoffreiches Blut aufgrund einer defekten Klappe von der linken Kammer wieder zurück in die Lungenvenen“, weiß Professor Rainer Hambrecht, Chefarzt der Klinik für Kardiologie und Angiologie am Herzzentrum Bremen, Klinikum Links der Weser, und erklärt: „Um genügend sauerstoffreiches Blut durch den Körper zu transportieren, muss die linke Herzkammer deutliche Mehrarbeit leisten.“

Neben Medikamenten zur Symptombehandlung sowie einem Klappenersatz oder der Klappenreparatur steht für Patienten mit hohem OP-Risiko heutzutage das katheterbasierte MitraClip-Verfahren bereit, welches ohne Herz-Lungen-Maschine auskommt.

Um genügend sauerstoffreiches Blut durch den Körper zu transportieren, muss die linke Herzkammer deutliche Mehrarbeit leisten.

Krankheitszeichen im Check

Als Symptome einer Mitralklappeninsuffizienz treten oftmals Kurzatmigkeit und Schwächegefühle nach alltäglichen Anstrengungen wie Treppensteigen auf. Auch Appetitlosigkeit oder häufiger Schwindel gelten als Hinweise. Zur ersten Einschätzung, ob Betroffene unter einer Herz- oder Mitralklappeninsuffizienz leiden, steht unter www.herzklappenhilfe.de ein Symptomcheck zur Verfügung. Dieser ersetzt jedoch keine umfassende und professionelle Untersuchung.

Um eine vollständige Diagnose zu erhalten, empfiehlt sich zusätzlich ein Besuch beim Arzt. Dort gibt das Abhören mit einem Stethoskop einen ersten Geräuschbefund. Untersuchungen wie der Sechs-Minuten-Gehtest oder eine Spiroergometrie, also die Messung von Atemgasen während körperlicher Anstrengung, ermitteln die Leistungsfähigkeit von Betroffenen. „Für eine deutliche Diagnose arbeiten wir heutzutage mit einem Herzultraschall, der sogenannten transthorakalen Echokardiografie. Hier lassen sich die Struktur der Herzklappen und deren Bewegungen erkennen sowie die Größe der Kammern und des gesamten Herzens“, erklärt Professor Hambrecht.

Individuelle Behandlung

Leiden Patienten unter einer leichten Form der Mitralklappeninsuffizienz, lassen sich Symptome mithilfe spezieller Medikamente therapieren. Dabei handelt es sich zunächst um entwässernde Arzneimittel, welche dafür sorgen, dass das Herz weniger Flüssigkeit durch den Körper pumpt und Wassereinlagerungen zurückgehen. Blutdrucksenkende Mittel wie ACE-Hemmer entlasten den Herzmuskel, da sie den durch Bluthochdruck entstehenden Widerstand in den Gefäßen verringern und die Zirkulation erleichtern.

Bei Patienten mit schwerer, operabler Mitralklappeninsuffizienz gilt ein chirurgischer Eingriff als gängig. Hierbei lässt sich die defekte Klappe entweder vollständig ersetzen oder reparieren. Für eine Vielzahl der Betroffenen bietet dieses Vorgehen aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters sowie anderer Begleiterkrankungen jedoch keine realistische Option. Hier schließt der sogenannte MitraClip als minimalinvasives Verfahren eine wesentliche Versorgungslücke und sorgt für eine sichere Behandlung. „Über die Leistenvene erlangen wir Zugang zum Herzen und setzen den Clip an der Mitralklappe ein, um dort den Blutrückfluss zu vermindern.

Die Entscheidung für diese Methode fällt gemäß den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie im sogenannten Heart-Team, also gemeinsam mit interventionellem Kardiologen, Herzchirurgen sowie Anästhesisten“, betont Professor Hambrecht.

Bereits direkt nach dem Eingriff verspüren Patienten eine deutliche Zunahme ihrer Leistungsfähigkeit. Auch im Rahmen der Nachsorge spielt ein ganzheitlicher Ansatz eine wichtige Rolle. Hausarzt, niedergelassener Arzt und interventioneller Kardiologe arbeiten hier gemeinsam für das Wohl des Patienten. Um bei diesen Themen eine interdisziplinäre Grundlage zu schaffen, fand in diesem Jahr bereits zum dritten Mal das deutsche Heart Failure Meeting in Frankfurt am Main statt, wo sich Mediziner aller relevanten Fachgruppen zu einem regen Meinungsaustausch trafen.