Etwa 62.000 Menschen erkranken jährlich in Deutschland an Darmkrebs. Besonders diese Krebsart, wird sie rechtzeitig erkannt, ist gut behandelbar und teils sogar heilbar. Welche neuen Maßnahmen wurden getroffen, um die Darmkrebsvorsorge weiter voran zu treiben?

Seit 2002 gibt es bekanntlich ein Angebot der Krankenkassen zur Darmkrebsvorsorge und –Früherkennung, bestehend aus Beratungsgespräch und Test auf nicht sichtbares Blut im Stuhl ab 50 Jahren und eine Darmspiegelung ab 55 Jahren mit Wiederholung nach zehn Jahren, wenn die erste unauffällig war. Dieses opportunistische Angebot ist leider nicht in dem Maße angenommen worden, wie das zu einer sehr deutlichen Reduktion des Darmkrebses erforderlich gewesen wäre.

Der Test wird über ein Zentrallabor auf qualitativ hohem Niveau untersucht.

Der Gesetzgeber hat daher einen Richtungswechsel beschlossen und wird ab Ende dieses Jahres ein bundesweites Einladungsverfahren in die Wege leiten. Es ist bekannt, dass die persönliche Ansprache mit einer gezielten Information zu einer deutlich besseren Akzeptanz der Vorsorge führt. Der Gesetzgeber hat ferner festgelegt, dass die Altersgrenzen zur Vorsorge flexibel gehalten werden können. Das bedeutet im Klartext für Männer, dass unser Bestreben, diese Personengruppe früher, nämlich bereits mit 45 Jahren, der Vorsorge zugänglich zu machen, gesetzlich möglich wird.

Um möglichst schnell eine Diagnose zu erhalten, wird der immunologische Stuhltest empfohlen. Wie sieht dieser Test aus und wer trägt die Kosten?

Der bisherige Guajak-basierte Test auf nicht sichtbares Blut im Stuhl hat zwar einen sehr hohen Evidenzgrad in Bezug auf Rückgang und Sterblichkeit des Darmkrebses, dennoch sind die Langzeitergebnisse nicht zufriedenstellend. Der immunologische Stuhltest, der auf einer Antikörperreaktion auf menschliches Blutes beruht, ist deutlich empfindlicher. Es genügt eine einmalige Stuhlprobe und Diätvorschriften bestehen nicht. Der Test wird über ein Zentrallabor auf qualitativ hohem Niveau untersucht. Ab dem 1. April 2017 ist dieser Test eine Kassenleistung und löst den alten Guajak-basierten Test ab.

Was sind die Vorteile der risikoadaptierten Früherkennung und für welche Patienten ist das sinnvoll?

Auch für den Darmkrebs gibt es Risikogruppen, die einer speziellen Aufmerksamkeit bedürfen. Dazu gehören Menschen mit einer Darmkrebserkrankung ihrer leiblichen Verwandten, und solche, bei denen ein erblicher Krebs in der Familie bekannt ist.

Je älter die Menschen werden, desto wichtiger ist die regelmäßige Bewegung.

Für diese Menschen gibt es besondere Empfehlungen. So sollten Personen mit Darmkrebs in der Familie spätestens mit 45 Jahren einer Darmspiegelung zugeführt werden. Patienten mit erblichem Darmkrebs sind bestens betreut in den Krebszentren, die eine besondere Expertise für diese Konstellation haben.

Ein neuer und wichtiger Risikofaktor ist die Fettleibigkeit. Massiv übergewichtige Menschen haben ein deutlich erhöhtes Krebsrisiko, auch für Darmkrebs. Sie sollten speziell über ihre Hausärzte von der Notwendigkeit einer Gewichtsabnahme, gegebenenfalls durch bariatrische Eingriffe überzeugt werden und parallel dazu auch frühzeitig der Darmkrebsvorsorge zugeführt werden.

Kann dem Darmkrebs durch eine bewusste Lebensweise vorgebeugt werden? Wenn ja, was kann man tun, um sich zu schützen?

Ganz im Vordergrund der Darmkrebsprävention sollte in der Tat die primäre Vorsorge stehen. Ein bewusster Lebensstil mit ausgewogener Ernährung, also wenig rotes Fleisch, Gemüse, Salate, Obst, Verzicht auf gesüßte Getränke wie Limonaden et cetera, sowie die regelmäßige körperliche Aktivität tragen in bis zu 40 Prozent dazu bei, dass ein Darmkrebs gar nicht erst entsteht.

Das ist durch viele Untersuchungen inzwischen belegt. Körperliche Aktivität heißt nicht, dass man sich Kraftanstrengungen wie Fitness-Studios oder Marathon unterzieht. Je älter die Menschen werden, desto wichtiger ist die regelmäßige Bewegung, die zum Beispiel in einem täglichen kräftigen Spaziergang über 30 bis 45 Minuten bestehen kann. Wer sich an diese Empfehlung hält, kann sehr viel für seine gesundheitliche Entwicklung tun.