Neben Vorhofflimmern und Ablagerungen in den Halsschlagadern ist das offene Foramen ovale (PFO) eine mögliche Ursache eines Schlaganfalles. Professor Dr. Jochen Wöhrle, Leitender Oberarzt am Universitätsklinikum Ulm: „Das PFO ist eine Verbindung zwischen dem rechten und linken Vorhof. Jeder Mensch hat vor der Geburt ein PFO. Bei einem von vier Menschen bleibt das PFO im weiteren Leben offen und verschließt sich nicht. In diesem Fall können Blutgerinnsel, welche in den Bein- und Beckenvenen entstehen, durch das PFO hindurch auf die linke Herzseite kommen und von dort in das Gehirn wandern. Dort führt das Gerinnsel dann zu einem Gefäßverschluss (Embolie) und verursacht einen Schlaganfall.“ 

Wie kann ein PFO verschlossen werden?

PFO können verschlossen werden, indem der Arzt ein anpassungsfähiges Verschlusssystem, ein so genanntes Schirmchen, an der Herzscheidewand platziert. Professor Dr. Wöhrle: „Der sichere Verschluss des PFO basiert bei dieser Technologie darauf, dass ein Schirmchen, mit dem das PFO verschlossen wird, im PFO an der Herzscheidewand eingesetzt wird. Der Kardiologe führt das Schirmchen mittels eines Katheters über eine örtliche Betäubung an der Leiste durch das PFO hindurch und setzt dies dort ein.

Das Schirmchen wächst innerhalb weniger Monate ein und verschließt hierdurch das PFO. Die beiden Herzvorhöfe sind dann vollständig voneinander getrennt. Durch diesen Verschluss können keine Blutgerinnsel mehr durch das PFO hindurch und die Gefahr für einen weiteren Schlaganfall kann reduziert werden. Wichtig ist, dass das Risiko eines weiteren Schlaganfalls durch ein PFO vorab sorgfältig evaluiert wird. Nicht jeder Patient mit PFO nach Schlaganfall muss verschlossen werden. Es profitieren vor allem Patienten mit einem großen Defekt und solche mit einem sogenannten Vorhofseptumaneurysma. Für diese Differenzierung ist die Durchführung eines Schluckechos wichtig.“

Welche Vorteile gibt es für die Patienten?

 

Reduzierung des Risikos, einen weiteren Schlaganfall zu bekommen,

 

sehr hohe Rate eines vollständigen und zuverlässigen Verschlusses des PFO

 

keine Operation am offenen Herzen

 

gute Verträglichkeit des Implantats

 

keine dauerhafte Behandlung mit Medikamenten, welche das Blut verdünnen. Hierdurch ergibt sich die Reduktion des Blutungsrisikos für die nächsten Jahrzehnte.

Gibt es schon wichtige Studienergebnisse?

Hier gibt es ganz neue Studienergebnisse vom Transcatheter Cardiovascular Therapeutics (TCT) Kongress im Oktober in den USA. In der RESPECT Studie wurden 980 Patienten per Zufall zum Verschluss mit einem Amplatzer PFO Okkluder oder der medikamentösen Therapie zugeordnet. Zum einen zeigte sich, dass bekannterweise kein Standard in der medikamentösen Therapie existiert und die Patienten mit einem oder zwei Blutplättchenhemmern oder einer Blutverdünnung mit Warfarin (auch eingesetzt nach künstlichen Herzklappen) therapiert wurden.

Die Auswertung nach der tatsächlichen Behandlung (entweder Schirmchen oder medikamentöse Therapie) zeigte einen signifikanten Vorteil für den Schirmchenverschluss im Sinne einer Reduktion von erneuten Schlaganfällen. Je nach Analyse wurde das Risiko für einen weiteren Schlaganfall um 47 bis 73 Prozent reduziert. 

„Da die Vorteile eines Verschlusses eine PFO durch ein Schirmchen über einen längeren Zeitraum evident werden, ist gerade für junge Patienten mit einem hohen Rezidivrisiko (Vorhofseptumaneurysma, deutlicher Kontrastmittelübertritt im Schluckecho), bei welchen ein weiterer Schlaganfall für die Lebensqualität erheblich limitierend wäre, der Verschluss eines PFO durch ein Schirmchen indiziert“, so Professor. Dr. Jochen Wöhrle, Leitender Oberarzt des Universitätsklinikum Ulm.