Doch mit der sich rasant entwickelnden Transkatheterimplantation bietet sich für immer mehr Patienten eine minimal-invasive Alternative. Zehn Jahre ist es her, dass der französische Professor Alain Cribier die erste perkutane Implantation einer ballonexpandierbaren Aortenklappenprothese am Menschen durchführte. Mittlerweile hat die Bioprothese vielen Hochrisikopatienten die Chance auf ein neues oder längeres Leben eröffnet.

Seit die Edwards SAPIEN Klappe im Jahr 2007 die europäische CE-Kennzeichnung erhielt, hat sich der Anteil der transkathetergestützten Aortenklappenimplantationen (kurz TAVI) rasant erhöht. Die Zahl der minimal-invasiven Eingriffe stieg von anfangs 157 auf mehr als 5.000 im vergangenen Jahr an.

Nach der dritten befindet sich nunmehr die vierte Generation der Klappenprothese in der Entwicklung und wird in den USA bei einer erweiterten Patientenpopulation untersucht. „Die außergewöhnliche Entwicklung ist für mich absolut verblüffend“, sagte Prof. Cribier kürzlich in einem Interview. Dabei sei der Übergang vom anfänglichen transseptalen Ansatz zum transfemoralen Zugang, also dem Zugang über die Leiste,  entscheidend für die Weiterentwicklung des Verfahrens gewesen, so der Franzose. 

OP-Goldstandard 

In Deutschland erhalten rund 12.000 Patienten jährlich aufgrund einer Verengung der Aortenklappe im Herzen einen Aortenklappenersatz. Die Stenose entsteht zumeist durch die Ansammlung von Kalkablagerungen an den Klappentaschen und stellt das letzte Stadium des Erkrankungsprozesses dar.

Goldstandard ist nach wie vor die Operation am offenen Herzen, bei der die defekte körpereigene Klappe durch eine Prothese vollständig ersetzt wird. Aber gerade für inoperable Patienten oder Patienten, bei denen der herkömmliche chirurgische Eingriff mit hohen Risiken verbunden wäre, stellt sich mit dem weniger invasiven Verfahren eine innovative Alternative, die ohne Herz-Lungen-Maschine auskommt. Dabei wird die Klappenprothese mittels Katheter durch die Spitze des Herzens oder die Leiste an die Stelle der erkrankten Klappe geführt und dort entfaltet. 

Stetige Entwicklung

Seit Zulassung der ersten Transkatheterklappe hat es weltweit mehr als 40.000 TAVI-Eingriffe gegeben. Durch die stetige Weiterentwicklung der Prothese und des Verfahrens konnten dabei viele Verbesserungen erzielt werden. Das Komplikationsrisiko wurde deutlich verringert, denn die Klappe kann heute genauer platziert werden, was den Erfahrungen der Ärzte und der weiterentwickelten Kathetersysteme zu verdanken ist. 

Eine wissenschaftliche Studie hat einerseits gezeigt, dass TAVI einer medikamentösen Behandlung überlegen ist und andererseits gleichwertig mit dem operativen Standardverfahren ist, im Hinblick auf die Gesamtmortalität nach einem Jahr. Dennoch ist nach wie vor bei jungen Patienten ohne Behandlungsrisiko der klassische chirurgische Aortenklappenersatz ohne Katheter therapeutisch angezeigt. Doch die bereits zu sehende fortschrittliche Expansion lasse optimistisch in die Zukunft dieser Technologie blicken, so Cribier.