Wie herzgesundes Arbeiten trotz Zeitnot und Hektik im Beruf funktionieren kann, erläutert Prof. Dr. med. Thomas Meinertz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung und Kardiologe am Klinikum Stephansplatz in Hamburg.

Dass Sport gesund ist, wenn er richtig ausgeübt wird, ist heute den meisten Menschen bekannt. Dass aber dauerhaftes Sitzen, das heißt Mangel an Bewegung, ein wesentlicher Risikofaktor für die Entstehung und das Fortschreiten der koronaren Herzkrankheit (KHK), der Vorläuferkrankheit des Herzinfarkts, ist, das dürfte vielen noch ein Novum sein. Dauerhaftes Sitzen, mehrere Stunden am Stück, mehrere Tage die Woche, kann unserem Herzen, dem „Motor des Lebens“, schaden. Jeder, der seine Arbeitszeit vorwiegend sitzend verbringen muss, sollte sich dessen bewusst sein. 

Bewegung wird in der Medizin mit gutem Grund als das „Medikament des 21. Jahrhunderts“ bezeichnet. So ist regelmäßige körperliche Aktivität inzwischen sogar ein wichtiges zusätzliches Therapiekonzept zur Behandlung der KHK. Durch regelmäßige Ausdauerbewegung kann zum Beispiel die Lebenserwartung verbessert und die Leistungsfähigkeit gesteigert werden, der Herzmuskel wird besser durchblutet und die Herzinfarkt-Risikofaktoren werden günstig beeinflusst.

Auch bei Patienten mit Herzinsuffizienz haben Untersuchungen gezeigt, dass ein regelmäßiges Ausdauertraining die Leistungsfähigkeit verbessern kann und es zu weniger Krankenhauseinweisungen und Todesfällen aufgrund von Herzschwäche kommt. So viel zur Theorie. 

Nun zur Praxis: Aus eigener Erfahrung weiß ich nur allzu gut, wie schwer es besonders berufstätigen Menschen fällt, im Alltagsstress Zeit für Sport zu finden.

„Ich finde Sport viel zu anstrengend“ oder „Mein Beruf und meine Familie lassen mir für Sport viel zu wenig Zeit“, höre ich manche meiner Herzpatienten sagen. Nur wenige wissen, dass schon eine geringfügige Steigerung der Bewegungsaktivität, zum Beispiel durch tägliches, möglichst flottes Gehen, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken und die Lebensqualität erhöhen kann. Sollten Sie zu den Inaktiven gehören, rate ich Ihnen: Machen Sie Ihrem Herzen Beine!

Vermeiden Sie das Sitzen, werden Sie zum Schrittsammler

Wichtig ist, seine Aktivität konsequent in den Arbeitsalltag zu integrieren, indem man sie bewusst steigert. Die Deutsche Herzstiftung gibt hierzu folgende Tipps:

Tipp 1: Gehen Sie sportlich zur Arbeit: Liegt der Arbeitsplatz nicht allzu weit entfernt, verzichten Sie auf das Auto oder öffentliche Verkehrsmittel und fahren Sie mit dem Fahrrad oder gehen Sie zu Fuß. Oder Sie steigen gezielt mehrere Stationen früher aus und legen den Rest der Strecke in flottem Tempo zu Fuß zurück.

Tipp 2: Wenn Sie häufig im Sitzen arbeiten, stehen Sie öfter auf. Erledigen Sie Telefonate im Stehen oder Gehen, ebenso das Lesen der Post. Besuchen Sie Ihren Kollegen, anstatt ihn anzurufen oder eine Mail zu schicken. 

Tipp 3: Widerstehen Sie der Rolltreppenversuchung: Wenn Sie nicht gerade schwere Koffer, Kisten oder Ähnliches zu tragen haben, dann nutzen Sie die Treppe anstelle des Aufzuges oder der Rolltreppe.

Tipp 4: Schrittzähler helfen, ein tägliches Pensum von mindestens 7.000 Schritten pro Tag zu gehen. Das ist die von der Herzstiftung empfohlene tägliche Mindestschrittmenge mit nachweisbarem Gesundheitseffekt. Optimal sind 10.000 Schritte pro Tag. Jeder
kann ganz leicht Schritte sammeln: zum Beispiel in der Wartezeit das Bahngleis auf und ab laufen oder im Park in flottem Tempo spazieren gehen. Attraktiv können in Betrieben Schrittzählerwettbewerbe sein. Wichtig ist flottes Gehen, als wäre man in Eile.