Warum kann eine Hepatitis C zu Leberversagen und Leberkrebs führen?

Die Hepatitis C befällt die einzelne Leberzelle, was je nach Immunreaktion des Körpers wiederum eine Entzündung bedingt und zum Sterben der Leberzelle führen kann. Beim chronischen Verlauf führt die Zirrhose durch Einengung der Gefäße in der Leber zu einer Druckerhöhung in den Gefäßen, die die Ernährungsbestandteile vom Darm zur Leber transportieren. Dieser Druck führt zu einer vergrößerten Milz, Neuanlagen von Umgehungsgefäßen, Bauchwasser und Aufstau der Gefäße im Magen-Darm-Trakt. Letzteres birgt die Gefahr von blutungsgefährdenden gestauten Venen, zum Beispiel in der unteren Speiseröhre.

Neben der Zirrhose ist aber auch der Leberfunktionsverlust bedeutend. Bis zu 80 Prozent kann der Verlust der Leberzellen durch die Leber kompensiert werden, je nach Alter und weiteren Faktoren. Sollte der Verlust nicht mehr durch Neubildung von Leberzellen ausgeglichen werden, kommt es zum Abfall von Produkten, die die Leber herstellt oder lagern kann. Das entspricht dem Leberversagen, das eine spontane Blutungsbereitschaft bedingen kann. Darüber hinaus entwickelt sich statistisch ein Leberkrebs zu ein bis vier Prozent pro Jahr in einer Hepatitis-C-bedingten Leberzirrhose. Je länger eine Zirrhose vorliegt, desto wahrscheinlicher wird deshalb das Auftreten eines Leberkrebses.

„Wir haben 25 Jahre nach Entdeckung des Hepatitis-C-Virus durch die aktuell zugelassenen, hochwirksamen Medikamente, die kaum nennenswerte Nebenwirkungen aufweisen, die Chance, die Erkrankung bei nahezu jedem Betroffenen zu heilen. “

Wie sehen heute die Behandlungsmöglichkeiten bei Hepatitis C aus?

Seit Januar 2014 wurden bis heute sieben neue Substanzen zugelassen. Weitere Präparate werden in Kürze zur Zulassung erwartet. In der Kombination dieser Präparate ist eine fast nebenwirkungsfreie Therapie mit einer Heilungschance von über 90 Prozent zu erreichen. Je nach Hepatitis-C-Virustyp und anderen Faktoren wählt man die Kombination der Präparate. Selbst Patienten mit fortgeschrittener Leberzirrhose oder erfolglosen Vortherapien wie auch Patienten unter Immunsuppression nach Organtransplantation können wir jetzt heilen.

Wann würden Sie zu einer Lebertransplantation raten?

Wir konnten in bei elf von 23 Patienten mit Hepatitis C auf unserer Warteliste bisher eine Heilung der Hepatitis C erreichen, in acht Fällen läuft die Therapie noch. Bei vier Patienten konnten wir solch eine Verbesserung erzielen, dass die Patienten zurzeit keiner Lebertransplantation mehr bedürfen. Vermutlich können wir jeden zweiten Hepatitis-C-infizierten Patienten auf unserer Warteliste jetzt noch durch diese Therapien klinisch so sehr verbessern, dass die Notwendigkeit einer Lebertransplantation verhindert werden kann. Die Patienten mit Hepatitis C, die fortgeschrittene Beschwerden oder gar einen Leberkrebs aufweisen, sollten weiterhin für eine Lebertransplantation angedacht werden.

Auch nach einer Lebertransplantation kann die gesunde Leber wieder vom Virus befallen werden. Was macht die Transplantation dann überhaupt für einen Sinn?

Die Lebertransplantation bei Patienten mit Hepatitis C führt in der Tat zu statistisch schlechteren Ergebnissen im Vergleich zu anderen Erkrankungen, die man lebertransplantiert. Die Neuinfektion der Transplantatleber bedingt eine frühzeitigere Transplantatfibrose und Transplantatversagen. Diese Daten basieren jedoch noch zu ((auf)) Zeiten, in denen uns nicht die neueren antiviralen Substanzen zur Verfügung standen und die Heilungschancen der Hepatitis C nach Transplantation mit circa 30 Prozent unter Einsatz von Substanzen mit hohem Nebenwirkungspotenzial beziffert wurden. Es ist daher zu erwarten, dass mit den neuen, sehr potenten Therapiemöglichkeiten ähnliche Ergebnisse erzielt werden können wie bei nicht HCV-infizierten Patienten.

Neue Medikamente lassen die Übertragungsrate sinken. Bitte erzählen Sie uns mehr darüber.

Durch die jetzige mögliche Heilung der Hepatitis C vor Transplantation sind die erzielbaren Transplantationsergebnisse deutlich besser. Aber auch Patienten mit Hepatitis C, bei denen eine Transplantation durchgeführt wurde, können durch diese neuen Medikamente geheilt werden und hierdurch das Fortschreiten der Transplantatfibrose und damit ein Transplantatversagen verringert beziehungsweise verhindert werden. Wir können das in eigenen Studien zur Leberelastizität nach Lebertransplantation bei Hepatitis-C-Patienten bestätigen.

Wird damit auch die Überlebenswahrscheinlichkeit eines Transplantats steigen?

In der Tat steigt damit auch die Überlebenswahrscheinlichkeit des Transplantats. Insgesamt führt dies zu einem geringeren Bedarf an Lebertransplantationen bei Patienten mit Hepatitis C und einem längeren Transplantatüberleben. Beides ermöglicht, den Druck der Diskrepanz zwischen geringem Organangebot und den vielen Wartelistenpatienten für die Lebertransplantation etwas zu verringern.

Bitte schauen Sie für uns in die Zukunft. Wohin geht die Therapie von Hepatitis C?

Wir haben 25 Jahre nach Entdeckung des Hepatitis-C-Virus durch die aktuell zugelassenen, hochwirksamen Medikamente, die kaum nennenswerte Nebenwirkungen aufweisen, die Chance, die Erkrankung bei nahezu jedem Betroffenen zu heilen. Wir werden hierdurch die Notwendigkeit einer Lebertransplantation bei Hepatitis C drastisch reduzieren können. Das Screening für Hepatitis C ist deshalb als Vorsorge mit den jetzigen Therapiemöglichkeiten entscheidend.