Als die junge Frau mit gerade einmal 17 Jahren bereits dauerhaft zu Schmerzmitteln greifen musste, schien ihre Situation aussichtslos. Erst ein innovativer Neurostimulator und die Unterstützung durch Dr. Ulrich Hülsmann, Facharzt für Neurochirurgie am Neuro Center Mettmann, brachten Kim H. längst vergessene Lebensqualität zurück.

Diagnose: Exokrine Bauchspeicheldrüseninsuffizienz

Mit 16 Jahren litt Kim H. unter der Schweinegrippe. „Zunächst sah es so aus, als hätte ich die Erkrankung gut überstanden, doch im Laufe der Zeit bekam ich Bauchschmerzen, die ohne Schmerzmittel bald nicht mehr zu ertragen waren“, erzählt sie. Um die Ursache hierfür zu bestimmen, folgten verschiedene Untersuchungen, darunter eine Magen- sowie Darmspiegelung.

Nach etwa einem Jahr diagnostizierte ihr Hausarzt dann eine sogenannte exokrine Bauchspeicheldrüseninsuffizienz. Hierbei handelt es sich um eine Erkrankung, bei der je nach Form zu wenig oder keine Verdauungsenzyme in der Bauchspeicheldrüse gebildet werden. Eingeleitete Behandlungsmaßnahmen in Form von Schmerzmedikation brachten jedoch keinen Erfolg.

So schloss Kim H. ihre Ausbildung zur Sozialhelferin unter starken Schmerzen ab. Eine darauf aufbauende Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin musste die junge Frau kurz darauf aufgrund der immer stärker werdenden Beschwerden abbrechen. Das folgende Jahr war geprägt von Arzneimitteln. „Auch wenn die Beschwerden dadurch ein ertragbares Level hielten, fühlte ich mich durch die Medikamente sehr schwach, schlief viel, verließ das Haus nur noch selten und traf mich auch kaum noch mit Freunden“, berichtet die junge Frau.

Alternatives Behandlungsverfahren

Nach etwa einem Jahr meldete sich dann völlig unerwartet ihr behandelnder Arzt, denn es stand endlich ein alternatives Behandlungsverfahren zur Verfügung: ein Neurostimulator, der oberhalb des Bauches implantiert wird. Von diesem, einem Herzschrittmacher ähnelnden Impulsgeber, werden über dünne Kabel, sogenannte Elektroden, schwache elektrische Impulse an die Nerven im Rückenmark abgegeben, welche für die Schmerzweiterleitung der betroffenen Areale zum Gehirn verantwortlich sind.

Patienten verspüren statt der ursprünglichen Beschwerden ein sanftes Kribbeln. Zunächst testete Kim H. das Verfahren eine Woche. Da sie bereits innerhalb dieser kurzen Phase eine deutliche Besserung spürte, entschied sie sich für eine dauerhafte Implantation, die schon einige Tage später stattfand. Ende 2012, kurz nach dem Eingriff, setzte die inzwischen 18-Jährige dann auch direkt die Schmerzmittel komplett ab, um möglichst schnell in ihren früheren Alltag zurückzukommen.

Lebensqualität wieder zurückgewinnen

Schon im März 2013 konnte Kim H. wieder arbeiten und auch ihre Freizeit gestaltete sie endlich aktiver. Nachdem die Batterie des Geräts dann im Sommer 2014 schwächer wurde, entschied sich die junge Frau, den Stimulator gegen ein neues System zu tauschen. „Hierbei handelt es sich um einen Schmerzschrittmacher, der sowohl die salvenartige Burst- als auch herkömmliche tonische Stimulation abgibt und die Schmerztherapie noch individueller auf die Bedürfnisse des Patienten zugeschnitten wird. Zudem verspürt der Patient dank der innovativen Technologie nicht mal mehr ein Kribbeln“, weiß Dr. Hülsmann.

Seit der Experte das neue Gerät problemlos implantiert hat, lebt Kim H. auch weiterhin schmerzfrei und muss nur einmal in der Woche für drei Stunden über einen Gürtel die Batterie des Stimulators aufladen. „Das ist aber überhaupt kein Problem“, erzählt sie. „In dieser Zeit kann ich mich ohne Ausrede um den Haushalt kümmern, und das ganz ohne Schmerzen oder Unwohlsein. Endlich kann ich wieder leben, wie ich es möchte, und nicht, wie die Medikamente es zulassen.“