„Die Veränderungen des Biomarkers Troponin im Blut innerhalb der ersten Stunde nach Krankenhausaufnahme liefern wichtige Hinweise, wie die Patienten weiter behandelt werden sollten“, erklärt Stefan Blankenberg, Direktor der Klinik und Poliklinik für Allgemeine und Interventionelle Kardiologie am Universitätskrankenhaus Eppendorf (UKE) in Hamburg.

Der bisherige Nachteil: Die gefundenen Werte sind individuell sehr unterschiedlich und können auch aus anderen Gründen als einem Herzinfarkt erhöht sein.

Atypische Anzeichen für einen Herzinfarkt

Brustschmerz und Atemnot gelten als typische Anzeichen für einen Herzinfarkt. Diese Symptome können aber auch andere Ursachen haben. Umgekehrt werden einige Infarkte von atypischen Symptomen wie Bauchschmerzen und Übelkeit begleitet. Ob jemand tatsächlich einen Herzinfarkt erlitten hat, entscheidet häufig erst das Elektrokardiogramm (EKG). Sind aber auch diese Ableitungen der elektrischen Signale vom Herzmuskel nicht eindeutig, dann haben die Patienten ein sogenanntes Non-STEMI-ACS und Ärzte müssen zu anderen Nachweisverfahren greifen. Diese waren bisher zeitaufwendig, kosteten wertvolle Behandlungszeit und führten durch zu späte Therapiemaßnahmen bei einigen Patienten sogar zum Tod.

Troponin als Indikator für einen Infarkt

Das Protein Troponin setzt der infolge des Infarkts absterbende Herzmuskel frei. Ist der Wert erhöht, kann von einem Herzinfarkt ausgegangen werden. „Der bisherige Nachteil: Die gefundenen Werte sind individuell sehr unterschiedlich und können auch aus anderen Gründen als einem Herzinfarkt erhöht sein. Bislang wurde das Troponin bei der Aufnahme (im Krankenhaus, Anm. d. Red.) und dann nach ungefähr sechs Stunden bestimmt.“ Deutlich zu lang, wenn ein Patient um Leben und Tod kämpft. Es könne etwa sein, dass der optimale Zeitpunkt für eine Herzkatheteruntersuchung verpasst werde und damit eine Behandlung zu spät komme.

„Eine Forschergruppe des Herzzentrums Hamburg konnte nun zeigen, dass man mit modernen Tests so genaue Ergebnisse bekommt, dass die Troponin-Dynamik in der ersten Stunde wichtige Hinweise liefert. Das bedeutet in der klinischen Praxis einen wichtigen Zeitgewinn. Mit den neuen, extrem sensitiven Troponin-Tests kann man also die Herzinfarktdiagnose beim Non-STEMI-ACS schon innerhalb einer Stunde stellen. Das ist eine deutliche Verbesserung“, so Blankenberg.

Neuer Behandlungsablauf bei Verdacht auf Herzinfarkt

Im Rahmen der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie wurde der neue Behandlungsablauf vorgestellt: Den Patienten wurde gleich bei der Krankenhausaufnahme Blut abgenommen, das Troponin wurde bestimmt. Eine Stunde später kam es zur zweiten Blutentnahme mit Troponin-Bestimmung.

Hat sich der Wert innerhalb dieser 60 Minuten verändert, so kommt der Patient zum Herzkatheter, wo die Durchblutung des Herzmuskels untersucht und bei Bedarf sofort eine entsprechende Behandlung eingeleitet wird. Steigt das Troponin innerhalb der Stunde zwischen den beiden Messungen nicht an, kann der Patient nach Hause gehen beziehungsweise wird ins Krankenhaus eingewiesen, um der Ursache für die Beschwerden auf den Grund zu gehen. Ein Herzinfarkt kann jedoch ausgeschlossen werden.

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