Welche Berührungspunkte haben Sie als Kardiologe mit dem Thema Telematik?

In der Kardiologie nutzen wir die Telematik vor allem zur Überwachung von Patienten, mit Schwerpunkten in drei Bereichen, nämlich bei Herzinsuffizienzen, bei Herzrhythmusstörungen und bei Patienten mit implantierbaren Aggregaten, also zum Beispiel Herzschrittmachern. Da machen wir schon seit etwa zehn Jahren sehr gute Erfahrungen und sind mit über 1.000 telemetrisch betreuten Patienten in diesem Sinne mit führend in Deutschland. Also wir haben die Technik wirklich lieben und schätzen gelernt.

Wie gehen Ihre Patienten damit um? Müssen Sie viel Überzeugungsarbeit leisten?

Nein, eigentlich nicht. Die Vorteile liegen ja auch auf der Hand. Zum einen ist natürlich gerade bei schwer kranken Patienten mit Defibrillatoren und speziellen Schrittmachern die Überwachung der Gerätefunktion sehr wichtig. Zum anderen wird auch der Umgang mit vielen klinischen Parametern erleichtert, sodass wir den Patienten einfach einen viel besseren Service und eine optimierte Betreuung bieten können. Wenn zum Beispiel ein Patient schwerwiegende Rhythmusstörungen entwickelt, dann kriegen wir sofort einen Alarm, können das überprüfen, Kontakt aufnehmen und direkt besprechen. Also mehr Kontrolle für uns, mehr Komfort für die Patienten – Win-win!

Wie muss man sich das vorstellen? Die Geräte verschicken eigenständig WhatsApp-Nachrichten?

(Lacht) Überhaupt nicht. Klar, es gibt solche Vorstellungen, die wirklich eher in Richtung Science-Fiction gehen – aber auch berechtigte Bedenken, was zum Beispiel die Datensicherheit angeht. Die Realität ist dann aber doch eher ernüchternd, im Sinne von beruhigend. Da wird einfach ein Teil der Routinekontrollen auf automatischem Wege erledigt, so spektakulär ist das gar nicht. Vielleicht wie ein modernes Auto, das immer am Tag XY automatisch ein paar Daten in die Werkstatt schickt. Sie müssen nicht so oft hinfahren, und wir können uns effizienter organisieren.

Verstanden, die Technik überzeugt. Aber was ist mit der persönlichen Ebene? Es ist in der Medizin ja ein klassisches Thema: Wie wichtig ist der direkte Kontakt, die Beziehung zwischen Arzt und Patient.

Richtig, und in dieser Richtung gab es auch die meisten Bedenken, vor allem ältere Patienten waren anfangs besorgt. Aber das hat sich schnell gelegt, weil die Patienten im Ergebnis einfach besser betreut werden – und der direkte Kontakt ist und bleibt natürlich das Wichtigste. Genau genommen haben wir durch die ständige Überwachung sogar mehr Kontakt als vorher. Und schließlich wäre eine ausschließlich telemetrische Betreuung schon gesetzlich gar nicht erlaubt. Aber wie gesagt: Die Sorgen der totalen Anonymität und Automatisierung sind wirklich Science-Fiction. Im Alltag hakt es eher in der anderen Richtung.

Das müssen Sie erklären. Wo hakt’s?

Na zum Beispiel, wenn neue Patienten zu uns kommen und wir den Vorinformationen mühsam –oft mit dem Faxgerät – hinterherforschen müssen. Da kann man dann manchmal die neue Technik gar nicht abwarten (lacht)! Andererseits ist völlig klar, dass Datenschutz Vorrang hat. Das ist und bleibt ein Spannungsfeld.

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