Welches sind die Hauptrisikofaktoren, die zur Arteriosklerose der Blutgefäße führen?

Rauchen ist der Hauptrisikofaktor für periphere Durchblutungsstörung. Bei Herzinfarkt sind es zu hohes Cholesterin, zu hoher Blutdruck, Diabetes, Nikotinkonsum, Übergewicht und Bewegungsmangel.

Was ist eigentlich Cholesterin und was sagt ein erhöhter Wert aus?

Cholesterin ist ein Blutfett, das einen wichtigen Baustein für unser Leben darstellt, zum Beispiel enthält jede Zellmembran Cholesterin. Noch dazu ist es eine Vorstufe für die Herstellung von Hormonen und Bestandteil von Gallensäuren. Salopp gesagt, ohne Cholesterin ist kein Leben möglich. Aber ein wenig zu viel davon, und das über Jahre und Jahrzehnte, bezahlen wir teuer. Nämlich mit der Arteriosklerose, wenn es sich in den Blutgefäßen absetzt und sie verstopft.

Neben dem Gesamtcholesterin werden auch Werte des LDL- und HDL-Cholesterins gemessen – was versteht man darunter?

LDL ist das böse Cholesterin oder auch das "liederliche Cholesterin", welches für die Bildung von Arteriosklerose in unseren Gefäßen verantwortlich ist. Das HDL-Cholesterin wird bei uns oft als das "gute Cholesterin" bezeichnet. In der Regel ist das auch richtig. Dennoch gibt es auch Patienten, die hohes HDL-Cholesterin haben, bei denen das aber keinen Schutzfaktor darstellt! Das Gesamtcholesterin enthält sowohl LDL-Cholesterin wie auch das HDL-Cholesterin und die VLDL-Partikel (Very Low Density Liprotein).

Das gute HDL-Cholesterin transportiert überschüssiges Cholesterin aus der Blutbahn oder den Plaques wieder zur Leber zurück. Gibt es zu viel LDL, dann lagert es sich ab. Wer raucht, oxidiert mit diesem Vorgang sein LDL-Cholesterin und damit potenziert es seine negative Wirkung.

Es gibt auch das Lipoprotein(a) – welche Rolle übernimmt das?

Ich nenne es den kleinen frechen Bruder vom LDL-Cholesterin. Es ist ähnlich wie das LDL-Cholesterin, und erzeugt ebenfalls Arteriosklerose in den Blutgefäßen. Es gibt Menschen, die genetisch bedingt einen erhöhten Lipoprotein-a-Spiegel haben. Im Gegensatz zu den übrigen Blutfetten lässt sich sein Wert nicht durch einen veränderten Lebensstil in den Griff bekommen.

Das Lp(a) ist ebenfalls ein Risikofaktor für Arterioskleroseentstehung. Patienten mit erhöhtem Lp(a) leiden an kardiovaskulären Erkrankungen, arteriellen Verschlusskrankheiten, der koronaren Herzkrankheit, dem Herzinfarkt und dem Schlaganfall.  Bei einigen Menschen mit einem erhöhten Lp(a) tritt eine Gefäßerkrankung frühzeitig auf und schreitet besonders schnell voran.

Wer hohes Lp(a) hat, bei dem ist das Risikoprofil generell um den Faktor zwei oder drei erhöht. Es ist aber auch wichtig zu wissen, dass das Lp(a) zwar bei bestimmten Patienten messbar ist, bei ihnen aber nicht bösartig wirkt. Die Klinik muss also immer im Einzelfall entscheiden, ob und wie sie den Betroffenen behandelt.

Gibt es für Lp(a) Therapiemöglichkeiten?

Da das Lp(a) aus LDL-Cholesterin-Partikeln besteht, behilft man sich damit, erstmal das Cholesterin dieser Patienten zu senken mit z.B. Statinen unter 70 mg/dl. Wenn die Arteriosklerose weiter voranschreitet, braucht es andere Maßnahmen wie z.B. die Blutwäsche.

Das hört sich nach einer aufwendigen Therapie an. Wie erleben Sie Patienten dabei?

Wir haben eine Patientengruppe von 37 Betroffenen mit stark erhöhtem Lp(a) und Fortschreiten ihrer Arteriosklerose langzeitlich beobachtet, während sie wöchentlich eine Blutwäsche bekommen haben. Bei 90 % dieser Menschen trat danach kein neues Ereignis wie Schlaganfall oder Herzinfarkt in den nächsten 5 bis 7 Jahren auf. Und diese Leute, die bei uns eine Blutwäsche erhalten, haben eine Intensivstation schon mal von innen gesehen. Sie wissen, wie gefährlich ihre Erkrankung ist. Für die ist das eine echte Lebensverbesserung und die Therapie ist gut verträglich.