Aktuelle Zahlen zeigen einen beeindruckenden Fortschritt der deutschen Herzmedizin und deren praktische Auswirkungen für Herzpatienten. Können Sie kurz zusammenfassen, warum die Behandlung von Patienten mithilfe von Katheterisierung immer gezielter und effektiver gestaltet werden kann?

Die Fortschritte der Herzmedizin haben dazu geführt, dass die Sterblichkeit von Patienten mit Herzerkrankungen in den letzten 20 Jahren signifikant abgefallen ist. Die wesentlichste Rolle spielt hier sicherlich die Prävention sowie die Vermeidung typischer Risikofaktoren. Einen weiteren wesentlichen Beitrag leistet aber auch die moderne Kathetertechnik, die es erlaubt, mithilfe wenige Millimeter großer Katheter Verengungen in den Herzkranzgefäßen rasch und schonend zu behandeln.

Welche Möglichkeiten bieten Katheteruntersuchungen für Arzt und Patient? Warum wird diese Methode für Patienten immer häufiger zum Lebensretter?

Der Herzinfarkt, also der Verschluss einer der Herzkranzarterien, stellt für den Betroffenen eine akut lebensbedrohliche Situation dar. Hier ist schnelle und professionelle Hilfe nötig. Um eine möglichst rasche und effektive Behandlung der Patienten gewährleisten zu können, sind an vielen Krankenhäusern sogenannte „Chest-Pain-Units“ eingerichtet worden. Diese ermöglichen eine zielgerichtete Diagnostik und Erstversorgung, sodass die Patienten, wenn notwendig, ohne Umwege in ein Katheterlabor gebracht werden können. Dort kann dann mittels Kathetertechniken das verschlossene Herzkranzgefäß wieder eröffnet werden.

Muss man als Patient hiervor Angst oder Bedenken hegen?

Generell ist es bei der Herzkatheteruntersuchung so wie überall in der Medizin. Es gibt kaum eine Diagnostik oder ein Therapieverfahren, das keine Risiken mit sich bringt. Auch wenn die Risiken im Promillebereich liegen. Aus diesem Grunde sollen diese Untersuchungen auch nur dann angewendet werden, wenn sie wirklich notwendig sind. Dann stehen Nutzen und Risiko in einem vernünftigen Verhältnis. Insgesamt kann man aber sagen, dass die Katheteruntersuchung insbesondere in großen Zentren, wo viele Untersuchungen durchgeführt werden, mittlerweile eine sehr sichere Untersuchungsmethode geworden ist und schwerwiegende Komplikationen äußerst selten sind.

Welche Neuerungen gibt es in diesem Bereich?

In den letzten Jahren hat sich der Trend zu einer immer weniger invasiven und einer personalisierten Medizin auch im Bereich der Herzkatheteruntersuchung durchgesetzt. So werden heute in vielen Zentren die Untersuchungen über die Handgelenksarterie durchgeführt, was dem Patienten erlaubt, nach der Untersuchung direkt wieder aufzustehen. Eine längere Bettruhe, wie sie bei dem traditionellen Zugang über die Leistengefäße üblich war, entfällt.

Außerdem hat sich Wesentliches im Bereich der invasiven Bildgebung getan. Man kann heute mit kleinen Kathetern die Veränderungen in den Herzkranzgefäßen mit Ultraschall und speziellem Laserlicht untersuchen, sodass auch Veränderungen im Wandaufbau im Submillimeterbereich analysiert werden können. Durch diese zusätzliche Information lässt sich die Behandlung der Patienten noch individualisierter gestalten und in manchen Fällen kann auf eine Stentimplantation verzichtet werden.

Wenn der Motor des Körpers streikt – Katheterisieren immer häufiger und sicherer

Das Feld der interventionellen Kardiologie hat sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten enorm weiterentwickelt.

Heute zählen drei Unterbereiche zur interventionellen Kardiologie:

Neben der kathetergeführten, minimalinvasiven Darstellung der Herzkranzgefäße und der Behandlung von Engstellen der Koronararterien mittels Ballondilatation und Einsetzen von Gefäßstützen (Stents) gehört heute genauso der Fachbereich der interventionellen Elektrophysiologie dazu. Dabei geht es um die Erkennung und Behandlung von Herzrhythmusstörungen minimalinvasiv über die Leistengefäße mittels Katheter.

Der dritte Themenkomplex beschäftigt sich mit der Behandlung von strukturellen Herzerkrankungen mittels Kathetertechnik. Heute kann minimalinvasiv ohne Herz-Lungen-Maschine über die Leiste die Aortenklappe ersetzt werden, wenn hier zum Beispiel eine hochgradige Engstelle vorliegt. Auch können Klappenundichtigkeiten (zum Beispiel Mitralklappeninsuffizienz) in ausgewählten Fällen mittels Herzkathetertechnik behandelt werden (Mitralklappenclipping).

Die neueste Entwicklung in der kathetergeführten interventionellen kardiologischen Therapie ist die Implantation eines Herzschrittmachers über die Leistenvenen. Dieser Miniatur-Schrittmacher ist so klein, dass er direkt im Herzen verankert wird. Auch kommt er ohne Sonden aus, es muss kein Gehäuse mit Batterie unter der Haut am Brustkorb eingenäht werden. Diese Technik kommt heute zwar erst bei ausgesuchten Patienten infrage, ist aber schon in der klinischen Anwendung und wird die Herzschrittmachertherapie revolutionieren.

Aktuelle Zahlen zeigen einen beeindruckenden Fortschritt der deutschen Herzmedizin und deren praktische Auswirkungen für Herzpatienten. Können Sie kurz zusammenfassen, warum die Behandlung von Patienten mithilfe von Katheterisierung immer gezielter und effektiver gestaltet werden kann?

Die Fortschritte der Herzmedizin haben dazu geführt, dass die Sterblichkeit von Patienten mit Herzerkrankungen in den letzten 20 Jahren signifikant abgefallen ist. Die wesentlichste Rolle spielt hier sicherlich die Prävention (Vorsorge) sowie die Vermeidung typischer Risikofaktoren (Rauchen, Bluthochdruck, Zuckerkrankheit). Einen weiteren wesentlichen Beitrag leistet aber auch die moderne Kathetertechnik, die es erlaubt, mithilfe wenige Millimeter großer Katheter Verengungen in den Herzkranzgefäßen rasch und schonend zu behandeln.

Welche Möglichkeiten bieten Katheteruntersuchungen für Arzt und Patient? Warum wird diese Methode für Patienten immer häufiger zum Lebensretter?

Der Herzinfarkt, also der Verschluss einer der Herzkranzarterien, stellt für den Betroffenen eine akut lebensbedrohliche Situation dar. Hier ist schnelle und professionelle Hilfe nötig. Um eine möglichst rasche und effektive Behandlung der Patienten gewährleisten zu können, sind an vielen Krankenhäusern sogenannte „Chest-Pain-Units“ eingerichtet worden. Diese ermöglichen eine zielgerichtete Diagnostik und Erstversorgung, sodass die Patienten, wenn notwendig, ohne Umwege in ein Katheterlabor gebracht werden können. Dort kann dann mittels Kathetertechniken das verschlossene Herzkranzgefäß wieder eröffnet werden.

Wann werden sie angewandt?

Neben einem akuten Verschluss eines Herzkranzgefäßes ist eine Herzkatheteruntersuchung auch dann sinnvoll, wenn man von einer höhergradigen Verengung eines Herzkranzgefäßes ausgehen muss. Hierfür werden aber im Vorfeld verschiedene andere Untersuchungsmethoden wie zum Beispiel eine Belastungsuntersuchung auf dem Fahrradergometer, eine sogenannte Myokardszintigrafie oder eine spezielle Untersuchung mit dem Kernspintomografen durchgeführt. Nur wenn diese den Hinweis auf eine relevante Verengung eines Koronargefäßes geben, sollte eine Katheteruntersuchung durchgeführt werden.

Wann lieber nicht?

Wenn die Wahrscheinlichkeit auf das Vorliegen einer Erkrankung der Herzkranzgefäße sehr gering ist und andere Untersuchungstechniken ebenfalls keinen Anhalt für eine relevante Erkrankung der Herzkranzgefäße gegeben haben, muss eine Katheteruntersuchung nicht zwingend durchgeführt werden.

Oftmals zeigt sich aber ein ganz anderer Fall. Viele Patienten haben Veränderungen an den Herzkranzgefäßen, bei denen man rein vom Augenschein nicht auf die Schwere der Verengung und ihre hämodynamische Bedeutung schließen kann. Hier kann man mit besonderen Kathetern den Druckunterschied über die Verengung messen und damit entscheiden, welche Engstellen wirklich behandelt werden müssen und welche nicht (sogenannte Druckdrahtuntersuchung).

Muss man als Patient hiervor Angst oder Bedenken hegen?

Generell ist es bei der Herzkatheteruntersuchung so wie überall in der Medizin. Es gibt kaum eine Diagnostik oder ein Therapieverfahren, das keine Risiken mit sich bringt. Auch wenn die Risiken im Promillebereich liegen. Aus diesem Grunde sollen diese Untersuchungen auch nur dann angewendet werden, wenn sie wirklich notwendig sind. Dann stehen Nutzen und Risiko in einem vernünftigen Verhältnis. Insgesamt kann man aber sagen, dass die Katheteruntersuchung insbesondere in großen Zentren, wo viele Untersuchungen durchgeführt werden, mittlerweile eine sehr sichere Untersuchungsmethode geworden ist und schwerwiegende Komplikationen äußerst selten sind.

Welche Neuerungen/Trends gibt es in diesem Bereich?

In den letzten Jahren hat sich der Trend zu einer immer weniger invasiven und einer personalisierten Medizin auch im Bereich der Herzkatheteruntersuchung durchgesetzt. So werden heute in vielen Zentren die Untersuchungen über die Handgelenksarterie durchgeführt, was dem Patienten erlaubt, nach der Untersuchung direkt wieder aufzustehen. Eine längere Bettruhe, wie sie bei dem traditionellen Zugang über die Leistengefäße üblich war, entfällt.

Außerdem hat sich Wesentliches im Bereich der invasiven Bildgebung getan. Man kann heute mit kleinen Kathetern die Veränderungen in den Herzkranzgefäßen mit Ultraschall und speziellem Laserlicht untersuchen, sodass auch Veränderungen im Wandaufbau im Submillimeterbereich analysiert werden können. Durch diese zusätzliche Information lässt sich die Behandlung der Patienten noch individualisierter gestalten und in manchen Fällen kann auf eine Stentimplantation verzichtet werden.

Welche weiter gehenden Behandlungsmethoden bieten sich, um gezielt Verengungen am Herzen von Patienten zu behandeln (medikamentöse Behandlung, aber auch eine Ballonerweiterung, eventuell mit zusätzlicher Stenteinlage, Bypassoperation)?

Die Basis der Behandlung bei Patienten mit Erkrankungen der Herzkranzgefäße bildet sicherlich die medikamentöse Therapie. Hier muss versucht werden, gegebenenfalls vorhandene Risikofaktoren wie zum Beispiel Diabetes oder auch Bluthochdruck optimal einzustellen.

Zeigen sich an den Herzkranzgefäßen jedoch relevante Engstellen, kann man mit der Kathetertechnik, gegebenenfalls mit zusätzlicher Stentimplantation, heute viele Patienten behandeln. Sind jedoch zu viele Engstellen vorhanden oder sitzen diese an besonders ungünstigen Stellen, kann auch eine Bypassoperation sinnvoll sein. Dies muss der behandelnde Kardiologe aber im Einzelfall auch in der Diskussion mit den herzchirurgischen Kollegen entscheiden (Herz-Team).

In vielen Fällen ist es heute auch schon möglich, beide Verfahren zu kombinieren. So können die Herzchirurgen bestimmte Engstellen heute minimalinvasiv und ohne Zuhilfenahme der Herz-Lungen-Maschine operieren und die übrigen, für die Chirurgen schwieriger erreichbaren Engstellen können mittels Kathetertechnik versorgt werden. Die Patienten profitieren somit von den Vorteilen beider Techniken und können schneller wieder mobilisiert werden und das Krankenhaus verlassen.

Gibt es in dem Bereich der Ballonerweiterung und Stentimplantation Neuerungen, über die es sich zu berichten lohnt?

Fast immer werden neben der reinen Ballondehnung dazu auch kleine Stützprothesen (Stents) verwendet, die das Gefäß auch nach der Behandlung offen halten können. Neben den konventionellen Metallstents finden dabei auch immer häufiger selbstauflösende Materialien (Bioresorbierbare Scaffolds = BVS) Verwendung. Diese lösen sich in einem Zeitraum von circa zwei bis fünf Jahren komplett auf, sodass nach dieser Zeit kein weiteres Material mehr im Gefäß verbleibt. Insbesondere bei der Verwendung dieser neuen Materialien ist die genaue Kenntnis über den Aufbau der Engstelle essenziell. Hier kommen dann oft auch die neuen Bildgebungstechniken, die ich schon erwähnt hatte, zum Einsatz.

Inwieweit diese neuen Materialien die konventionellen Stents ablösen werden, lässt sich derzeit noch nicht sagen. Hier stehen wir mit der Entwicklung noch am Anfang.