Es beginnt ganz allmählich: Müdigkeit, Schlafstörungen, Vergesslichkeit, verminderte Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit – diese alltäglichen Beschwerden lenken nicht sofort den Verdacht darauf, dass es am wichtigsten Entgiftungsorgan unseres Körpers liegen könnte. Dass Menschen mit geschädigter Leber häufiger im Straßenverkehr verunglücken, weil sie ihre Fähigkeiten am Steuer überschätzen, wissen nur die wenigsten. Denn Lebererkrankungen verursachen normalerweise keine Schmerzen, sondern äußern sich oft mit Beschwerden, die auch für andere Krankheiten typisch sind.

Anhand der Leberwerte im Blut kann der Arzt allerdings Probleme des Entgiftungsorgans früh erkennen und wenn nötig, eine gezielte Behandlung in die Wege leiten. Dass nur zu viel Alkohol schadet, ist ein Irrtum. Auch die Einnahme bestimmter Medikamente, Hepatitis-Virusinfektionen oder eine Fettleber infolge von Diabetes mellitus oder starken Übergewichts können chronische Leberschäden hervorrufen und bis hin zur Leberzirrhose führen – und dies mit fatalen Folgen für das Gehirn.

Nicht nur die Leber leidet: Bei bis zu 80 Prozent der Zirrhosepatienten kommt es zur leberbedingten Gehirnschädigung – in der Fachsprache hepatische Enzephalopathie (HE) genannt, die von Ärzten oft übersehen wird und daher oft unbehandelt bleibt. Eine dauerhafte Erkrankung der Leber kann jedoch zu einer Störung des zentralen Nervensystems führen. Denn ist die Leber geschädigt, kann sie nicht mehr ausreichend Ammoniak abbauen, das bei der Verdauung von Eiweiß im Körper entsteht. Dadurch steigt der Ammoniakgehalt im Blut an, gelangt ins Gehirn und reichert sich dort in bestimmten Zellen an.

Oft bemerken nur Angehörige und Freunde die schleichenden Veränderungen der Betroffenen. Auffällig sind etwa eine zunehmend krakelige Handschrift, eine undeutliche Sprache, Stimmungsschwankungen und eine Selbstüberschätzung im Straßenverkehr oder beim Bedienen von Maschinen im Alltag und Beruf. Unbehandelt kann eine solche HE im schlimmsten Fall zum Koma führen. Dabei ist die neurologische Störung bei frühzeitiger Diagnose gut behandelbar.