Sie erlitten vor sechs Jahren einen schweren Unfall, bei dem Sie sich Ihre Hand verletzt haben. Können Sie genau schildern, was Ihnen widerfahren ist?           

Es passierte direkt nach der Mittagspause. Ich wollte in unserer Firmenwerkstatt ein Holzstück für die Baustelle zurechtschneiden. Dabei bin ich mit der rechten Hand in das Sägeblatt gekommen und habe mir vier Finger fast ganz abgeschnitten.

Während der OP durfte ich Musik hören, um abgelenkt zu sein.

Vom Zeigefinger bis zum kleinen. Da die Sehnen an der Handinnenseite noch vorhanden waren, konnte ich die verletzte Hand mit der anderen halten und bin rauf zum Chef gelaufen.

Er aktivierte im Nu mit sehr genauen Angaben über die Unfallursache die Rettungskette. Es kamen der Firmenarzt, dann der Notarzt und irgendwann haben sie mich mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen. Allerdings habe ich an den gesamten Hergang nur noch lückenhafte Erinnerungen. Das lag wohl am Schock.

Und dann wurden Sie sofort operiert?

Ja, genau. Die OP verlief über circa fünf Stunden. Mein rechter Arm wurde betäubt. Ich erhielt eine Teilnarkose und Beruhigungsmittel, war also bei Bewusstsein. Während der OP durfte ich Musik hören, um abgelenkt zu sein. Der Arm war verdeckt, damit ich nichts sah.

Was war das Ergebnis?

Meine Finger waren am ersten Fingerglied des Mittelhandknochens bis runter auf die Gelenke abgetrennt.

Diesbezüglich hatte ich eher Glück im Unglück.

Der Arzt fixierte die Finger wieder mit Drähten und Schrauben. Danach blieb ich circa eine Woche lang im Krankenhaus.

Die Schmerzen waren wahrscheinlich unerträglich.

Ich habe nur in den ersten vier Wochen Schmerzmittel genommen. Danach war es mit den Schmerzen ziemlich vorbei. Diesbezüglich hatte ich eher Glück im Unglück. Die Nervenbahnen auf der Handinnenseite waren nicht verletzt, dadurch hatte ich vom ersten Moment an immer Gefühl in den Fingern.

Wie ging die Behandlung nach der OP weiter?

Ich habe schon einen Tag danach mit der Reha begonnen. Das Ziel war, die Finger wieder komplett bewegen zu können. Ich wurde sehr gut von Ergo- und Physiotherapeuten betreut und war zweimal circa vier Wochen in der Rehabilitation.

In den Grundgelenken sind die Finger steif

Ich durfte die Finger zu Beginn zwar beugen, aber nicht strecken. Sonst bestand die Gefahr, dass die Sehnen wieder reißen.

Und die Reha zeigte sofort Wirkung?

Die Sehnen waren irgendwann mit dem Bindegewebe verwachsen. Deshalb war noch eine zweite OP nach einem halben Jahr notwendig, um sie zu lösen. Danach ging’s sofort weiter mit der Reha. Ich habe auch zu Hause geübt. Mit allem, was mir in die Finger kam. Kugeln, Schaumstoffbälle, Wäscheklammern.

Ist Ihre Hand heute wieder beweglich wie früher?

Nein, in den Grundgelenken sind die Finger steif. Die kleine Faust funktioniert aber hervorragend. Sie reagiert empfindlich auf Hitze und Kälte und wird schnell dick, wenn ich sie stark beanspruche. Auch morgens braucht es eine Weile, bis sie voll funktionstüchtig ist. Aber das sind Automatismen, die ich gar nicht mehr bemerke.

Können Sie Ihren früheren Beruf noch ausüben?

Nein. Es war relativ schnell klar, dass das nicht mehr geht. Ich habe zwei Jahre lang umgeschult und bin heute als Bautechniker im öffentlichen Dienst tätig.

Wichtig ist immer, das Positive zu sehen.

Ich wollte meinen Beruf als Zimmerer nicht wechseln, dies war mein Traumberuf. Nach dem Unfall war dieses neue Ziel einer Weiterbildung für mich sehr wichtig. Das war mit ein Grund, warum ich den Unfall ganz gut weggesteckt habe.

Wie geht es Ihnen heute?

Extremsportarten würde ich mir nicht zutrauen. Aber ich fahre Rad, laufe Ski oder wandere mit Stöcken. Wenn etwas nicht so funktioniert, wie ich mir das vorstelle, behelfe ich mir mit kleinen Tricks, indem ich zum Beispiel den Griff dicker mache. Wichtig ist immer, das Positive zu sehen. Ich kann immerhin noch zugreifen und die Hand benutzen. Es ist schon toll, was die Medizin bewirken kann.