Prof. Dr. Dirk Arnold, Direktor der Klinik für Internistische Onkologie an der Klinik für Tumorbiologie in Freiburg und Sprecher für Darmkrebs der Arbeitsgemeinschaft Internistischer Onkologie der Deutschen Krebsgesellschaft im Expertengespräch.

Welche aktuellen Perspektiven gibt es für Darmkrebs-Patienten?

Das Problem Darmkrebs muss über eine Früherkennungs-Strategie angegangen werden, die Wahrnehmung der Vorsorgeuntersuchungen ist dabei entscheidend. Bei Erkrankten hat heute die optimal mögliche Abstimmung zwischen medikamentöser Therapie, Strahlentherapie und Chirurgie die Prognosen deutlich verbessert. Wirkliche Innovationen bestehen insbesondere bei der medikamentösen Therapie: Moderne Präparate erlauben heute eine optimal abgestimmte Behandlung. Hier kann man von einem kleinen Durchbruch sprechen.

Wie beurteilen Sie in diesem Kontext den gerade erprobten Tumorimpfstoff gegen Darmkrebs?

Die Immuntherapie ist ein Feld, das beim Darmkrebs noch unterschätzt und untererforscht ist. Fest steht, dass eine Therapie über Impfstoffe und immunstimulierende Substanzen wichtiger ist, als bislang angenommen. Inwieweit der aktuelle Impfstoff langfristig erfolgreich ist, wird sich erst noch zeigen.

Wie geht man therapeutisch am besten vor, wenn Metastasen vorliegen?

Zum Glück hat man in dieser Situation heute viele Therapieoptionen. Entscheidend für den Patienten wie für den Behandler sind die Bestandsaufnahme und Zielsetzung im multidisziplinären Team: Gibt es noch eine Chance auf Heilung, oder soll der Tumor als chronische Erkrankung behandelt werden? Immerhin: Für Menschen mit unheilbaren Tumorabsiedelungen hat sich die mittlere Überlebenszeit auf mehr als zwei bis drei Jahre verdoppelt.

Faktoren wie die Lokalisation, der Patientenstatus und neue Biomarker geben darüber Aufschluss, welchen Weg man einschlagen muss und kann, und in welcher Intensität die danach zu wählende Therapie durchgeführt werden sollte.

Wie erkennt man, ob der Krebs nach einem operativen Eingriff tatsächlich besiegt ist?

Leider nicht sofort nach der OP, sondern erst im weiteren Verlauf, nämlich dann, wenn die Krankheit nicht wieder auftritt. Über klinische und molekularbiologische Risikoprofile sollte entschieden werden, ob eine Chemotherapie zusätzlich sinnvoll ist. Nach einer OP wird der Patient fünf Jahre beobachtet. Die Praxis zeigt allerdings, dass die meisten Rezidive nach zwei bis drei Jahren auftreten. Hat man diese Phase ohne Rezidiv überstanden, darf man vorsichtig davon ausgehen, dass der Krebs besiegt ist.