An Bauchspeicheldrüsenkrebs erkranken in Deutschland jährlich circa 14.000 Patienten. Wegen der schlechten Heilungschancen ist er die vierthäufigste krebsbedingte Todesursache. 

Dies liegt unter anderem daran, dass es keine typischen frühen Krankheitszeichen gibt und der Krebs deshalb häufig erst spät erkannt wird. Die Operation an einem erfahrenen Zentrum ist die einzige Heilungsmöglichkeit. Diese Option bietet sich leider nur bei circa zwanzig Prozent der Erkrankten. Bei inoperablen Tumoren ergeben sich durch die Weiterentwicklung komplexer Therapiekonzepte immer wieder neue Hoffnungen.

Die Erkrankung ist sehr früh generalisiert, das heißt Tumorzellen streuen schon in einem frühen Erkrankungsstadium. Hier kann nur eine wirksame systemische Therapie – eine Chemotherapie – zu Behandlungserfolgen führen. Bei guter Lebensqualität eine Stabilisierung des Erkrankungsverlaufes zu erreichen, ist das primäre Ziel der Behandlung. Wird durch die Chemotherapie eine Verkleinerung eines inoperablen Tumors erreicht, so muss über eine neue Operationsmöglichkeit nachgedacht werden.

Nur erfahrene Pankreaschirurgen können dabei eine hohe Sicherheit geben, den Nutzen einer Operation von dem Schaden einer möglicherweise inkompletten Tumorresektion abzuwägen.

Wenn bereits zum Zeitpunkt der Diagnose Fernmetastasen, zum Beispiel in der Leber vorliegen, oder wenn sich nach der primären Operation im späteren Krankheitsverlauf neue Metastasen bilden, ist ein chirurgisches Vorgehen nicht sinnvoll. 

Die  Chemotherapie in fortgeschrittenen Stadien kann die Krankheit allerdings nicht heilen und  die Ansprechraten sind bisher noch nicht sehr hoch. Ein besonderes Hemmnis ist dabei, dass den Tumor umgebende Stützgewebe (Stroma) die Tumorzellen gegen eine Chemotherapie in gewisser Weise abschirmt. Dennoch sollte eine Chemotherapie nach Diagnosesicherung gleich eingeleitet werden. 

Als Standardmedikament gilt das Zytostatikum Gemcitabin. Für ausgewählte Patienten bietet sich bisher eine allerdings nebenwirkungsreiche Alternative. Durch die Kombination von Oxaliplatin, Irinotecan, 5-FU (5-Fluoruracil) und Folinsäure ist eine deutliche Verbesserung von Überlebenszeiten und Ansprechraten erreicht worden, was Ziel der therapeutischen Weiterentwicklung durch Kombination von einem günstigeren Toxizitätsprofil war.

Neues Medikament

Inzwischen gibt es ein neues Medikament, das beim fortgeschrittenen Pankreaskarzinom schon gute Wirksamkeit in frühen Behandlungsstudien zeigte, das nab-Paclitaxel (siehe Kasten). 

Es handelt sich um das bewährte Zytostatikum Paclitaxel in einer innovativen Arzneiform. Durch Bindung des Wirkstoffs Paclitaxel an das körpereigene Eiweiß Albumin erreicht man eine höhere krebshemmende Wirkstoffkonzentration in den Zellen des Bauchspeicheldrüsenkrebses. Denn jüngste Forschungen haben gezeigt, dass es durch die Bindung an das Eiweiß gelingt, das Stroma zu durchdringen, da besonders die Zellen des Bauchspeicheldrüsenkrebses hohe Konzentrationen an Albumin aufweisen. Wenn in den Zellen eine hohe Konzentration des Albumin-bindenden Enzyms „SPARC“ gemessen wird, sprechen die Tumorzellen besonders gut auf die Behandlung mit nab-Paclitaxel an. 

Verlängerte Lebenserwartung

Auf dem diesjährigen Kongress GI-ASCO in San Francisco, Kalifornien, konnte in einer großen Studie MPACT (Metastatic Pancreatic Adenocarcinoma Clinical Trial) bei 861 Patienten mit fortgeschrittenem Bauchspeicheldrüsenkrebs gezeigt werden, dass Patienten, die mit einer Kombination aus Gemcitabin und nab-Paclitaxel behandelt wurden, länger lebten, ein besseres Therapieansprechen hatten und dies bei einer moderaten Nebenwirkungsrate. Das Ergebnis war deutlich besser als die alleinige Monotherapie mit Gemcitabin.

Die Präsentation auf diesem großen internationalen Kongress sorgte für große Anerkennung in medizinischen Fachkreisen. Man kann davon ausgehen, dass in Kürze auch in Deutschland eine Zulassung dieser Kombinationsbehandlung für die Behandlung des Bauchspeicheldrüsenkrebses erfolgen wird.