Die meisten Patientinnen können wir heute durch moderne Behandlungskonzepte, die auch eine Chemotherapie erfordern können, langfristig heilen. Hochwirksame Chemotherapien können aber leider auch Nebenwirkungen haben. Es kann zum Beispiel zu Haarausfall, Infektionen oder zu Übelkeit und Erbrechen kommen.

Aber auch hier machen wir ständig Fortschritte: Viele Nebenwirkungen können wir durch eine sogenannte „supportive Therapie“ verhindern oder lindern. Übelkeit und Erbrechen sind Umfragen zufolge die von den Patienten am meisten gefürchteten Begleiterscheinungen einer Krebsbehandlung.

Seit Anfang der 1990er Jahre gibt es dagegen spezielle Medikamente – sogenannte Antiemetika –, die wir vorbeugend gegen Übelkeit und Erbrechen einsetzen. Diese Medikamente werden entweder als Tabletten eingenommen oder vor der Chemotherapie in die Vene gespritzt.

Sie werden individuell an die jeweilige Chemotherapie und das persönliche Risiko zum Beispiel bei gegenüber Übelkeit empfindlichen Patientinnen angepasst. So kommt es bei den meisten Patientinnen überhaupt nicht zu Erbrechen, und auch die Übelkeit kann oft vermieden oder sehr stark abgemindert werden.

Voraussetzung hierfür ist, dass die Medikamente bereits vorbeugend von Beginn an vor jedem Chemotherapiezyklus, wie in den Leitlinien und Handlungsempfehlungen der ärztlichen Fachgesellschaften beschrieben, dosiert und angewendet werden. Diese Empfehlungen sollte jeder Arzt, der Krebspatienten behandelt, kennen.

Meist werden zwei oder drei Medikamente, die unterschiedliche Wirkungsarten haben und zu unterschiedlichen Zeiten wirken, miteinander kombiniert. Dies ist wichtig, da die Symptome noch während der Chemotherapie oder am selben Tag (akute Symptomatik) oder auch später an den Tagen zwei bis fünf (verzögerte Symptomatik) auftreten können, wenn Sie schon wieder zu Hause sind.

Derzeit gibt es drei wichtige Medikamentenklassen, die zur Vorbeugung und Behandlung von Übelkeit und Erbrechen eingesetzt werden: die Serotonin-Antagonisten, die Neurokinin-Antagonisten und die Glukokortikoide. Die Entwicklung dieser effektiven Antiemetika war für die Behandlung von Krebserkrankungen fast genauso wichtig wie die der Chemotherapiemedikamente selbst, denn ohne sie wären viele moderne Chemotherapien gar nicht durchführbar oder nur sehr schlecht verträglich.

Inzwischen gibt es schon viele

Folgesubstanzen zu den ersten Antiemetika aus den 1990er Jahren. Eine solche weiterentwickelte Substanz, die wir in unserer Praxis häufig einsetzen, ist der moderne Serotonin-Antagonist Palonosetron. Er bietet einen besseren und längeren Schutz als die älteren Medikamente und er ist auch an den Tagen nach der Chemotherapie wirksam. Das Medikament muss nur einmal vor jedem Chemotherapiezyklus gegeben werden, je nach verabreichter Chemotherapie zusammen mit einem oder zwei anderen antiemetisch wirksamen Medikamenten.

Die Patientin kann in Absprache mit dem Arzt zwischen Tabletten oder Infusion wählen, beides ist gleich wirksam. Der Mehrzahl unserer Brustkrebs-Patientinnen können wir heute diese einst so gefürchteten Nebenwirkungen einer Chemotherapie ersparen.