Oder richtiger: zurückzu­gewin­nen. Denn Krebs entsteht ja da, wo das Immun­system untätig ist.“ So fasste kürzlich der Mediziner Stefan Endres, Universität München, bei einem Workshop der Paul-Martini-Stiftung zusammen, worum es bei der derzeit viel diskutierten Immunonkologie geht.

Seit einigen Jahren weiß man, dass Krebszellen das Immunsystem auch noch zusätzlich schwächen können, indem sie Immunzellen regelrecht betäuben. Seit 2011 gibt es aber erste Medikamente, die diese gefährdeten Immunzellen wieder aufwecken oder wach halten können – sogenannte Checkpoint-Inhibitoren. Weitere sind im Zulassungsverfahren; und es ist zu erwarten, dass diese neue Therapieform bald bei vielen Patienten einsetzbar wird.

Noch eine andere Methode zur Immunaktivierung wird derzeit erprobt: Dabei werden Immunzellen aus einer Blutprobe des Patienten gewonnen, außerhalb des Körpers aktiviert und auf Tumorzellen „abgerichtet“ und dann wieder zurückgebracht. Bei einigen Studienteilnehmern ließen sich damit Tumore monate-, mitunter sogar jahrelang in Schach halten.

Diese und weitere immunonkologische Therapieformen dürften das Überleben von Patienten mit unterschiedlichen Krebserkrankungen wesentlich verlängern. Allerdings kommt es mitunter auch zu starken Nebenwirkungen, wenn das aktivierte Immunsystem neben den Krebszellen auch gesundes Gewebe angreift. Diese Überaktivität wirksam zu dämpfen und weitere Immuntherapien zu entwickeln zählt derzeit zu den wichtigsten Arbeitsgebieten forschender Pharma-Unternehmen.