Welche Therapien gibt es gegen den schwarzen Hautkrebs zurzeit?

Schon länger etabliert ist die zielgerichtete Therapie. Wir kennen wichtige Mutationen, die die Zelle in die Lage versetzen, als Krebs zu wachsen. Gegen diese sogenannten Drivermutationen stehen uns Moleküle als Medikamente zur Verfügung. Selektiv und gut verträglich können sie das Wachstum der Tumorzellen blockieren.

Allerdings weist nicht jeder Patient diese Mutationen auf. Außerdem sind die Tumorzellen sehr heterogen und können die Medikamentenblockade umgehen, also resistent werden. Dann verliert das Medikament nach Monaten oder Jahren plötzlich seine Wirksamkeit.

Relativ neu ist die Immuntherapie – wie läuft sie ab?

Sie ist das zweite Standbein, das sich in der Medizin inzwischen als Therapie gegen Krebs etabliert hat. Bei ihr aktivieren wir die körpereigenen Kräfte des Patienten, die sich gegen den Tumor richten. Weiße Blutkörperchen des Körpers können normalerweise die Zellen des schwarzen Hautkrebses erkennen und diese abtöten. Allerdings hat der Tumor Mechanismen entwickelt, diese Erkennung abzuschalten. Nun gibt es zwei Sorten von Medikamenten, die diese abgeschalteten Blutkörperchen wieder „reaktivieren“.

Welche immunonkologischen Wirkstoffe sind das?

Man kann das CTLA-4-Molekül mit einem Antikörper blockieren. Eine weitere „Bremse“ gibt es gegen das Molekül PD-1.

Sind sie für alle Tumormutationen des schwarzen Hautkrebses geeignet?

Im Prinzip ja. Bei der Immuntherapie kommt es nicht darauf an, welche Mutationen genau vorliegen, sondern darauf, dass insgesamt genügend Mutationen vorhanden sind, die dann die Tumorzellen vom gesunden Gewebe so unterscheiden, dass das Immunsystem diese Unterschiede ausreichend gut erkennen kann.

Wie profitieren Patienten von dieser Therapie?

Die positiven Ergebnisse sind zum Teil dramatisch. Vor zehn Jahren konnte man noch davon ausgehen, dass 90 Prozent der Patienten nach zwei Jahren verstarben. Inzwischen belegen klinische Ergebnisse, dass rund zwei Drittel der Patienten von der Immuntherapie und sogar noch mehr Patienten von der zielgerichteten Therapie profitieren. Ihre Lebensqualität verbessert sich enorm.

Bei einigen bilden sich die Tumoren sogar zurück oder verschwinden ganz. Bei einem Teil der Patienten, die mit zielgerichteter Therapie behandelt werden, und bei einem Großteil der Patienten, die durch eine Immuntherapie eine Rückbildung der Tumorknoten erreichen konnten, ist dieser Effekt vermutlich dauerhaft.

Wie beurteilen Sie generell den aktuellen Forschungsstand?

Die Immuntherapie kann man als Durchbruch bezeichnen. Nach 50 Jahren der Forschung hatten viele den Glauben an ihre Wirksamkeit verloren. Aktuelle Studien zeigen außerdem, dass Patienten noch besser von einer Kombination aus Immun- und zielgerichteter Therapie profitieren. Neue Forschungsansätze gib es außerdem in Richtung einer ergänzenden Impfung.