Dr. Fischer, wie äußert sich Lungenkrebs?

Es gibt eine Reihe von Symptomen, die aber nicht spezifisch sind. 

Welche Symptome können das sein?

Ein Symptom kann Husten sein, der länger als vier Wochen andauert und keine andere Ursache hat. Auch Luftnot, Schmerzen, Abgeschlagenheit, Gewichtsverlust, Müdigkeit und Bluthusten können Symptome sein. Doch all diese Punkte können auch bei einer Lungenentzündung auftreten. In jedem Fall ist dringend ein Arzt aufzusuchen! 

Wie kann der Arzt Lungenkrebs diagnostizieren?

Wenn der Verdacht auf Lungenkrebs besteht, wird ein Röntgenbild gemacht. Wird in diesem ein Schatten gesehen, dann wird ein CT gemacht, um diesen Schatten genauer zu lokalisieren. Und dann wird durch Biopsien, entweder durch eine Lungenspiegelung von innen über die Luftwege oder auch von außen durch eine Brustwandpunktion, eine Gewebeprobe entnommen.

Der Pathologe untersucht dieses Gewebe und nach einigen Tagen bekommt man das histologische Ergebnis. Nach entsprechenden Umgebungsuntersuchungen zur genauen Ausdehnung und Metastasierung des Tumors, wird eine geeignete Therapie ausgewählt: Operation mit und ohne Chemotherapie, Bestrahlung, systemische Therapie, molekulare Therapie.

Gibt es Präventionsmaßnahmen?

Nicht rauchen! Denn 90 Prozent aller Lungenkrebse sind Patienten, die früher geraucht haben. 

Und die restlichen zehn Prozent?

Leider tritt Lungenkrebs in wenigen Fällen auch bei Menschen auf, die in ihrem Leben nie geraucht haben. Das sind neben Passivrauchern sehr häufig nichtrauchende Frauen, die Adenokarzinome haben und speziell diese klassischen Lungenkrebse haben oft eine Mutation, eine Punktmutation, in ihrem Tumor.

Was kann man sich darunter vorstellen?

Es ist eine Art Schreibfehler. Wenn Sie zum Beispiel in einem 300-seitigen Buch auf Seite 78 oben, dritte Zeile rechts, zweites Wort einen Fehler finden, das ist eine Punktmutation. Die kann man heute mit Gensonden identifizieren und diagnostizieren. Dieser Schreibfehler tritt zu 70 Prozent bei Frauen, die nie geraucht haben und ein Adenokarzinom haben, auf. Grundsätzlich kann es diesen Fehler jedoch bei allen geben, auch bei anderen Histologien, auch bei Männern, auch bei Rauchern. 

Wie wird diese Mutation behandelt?

Wenn eine solche Punktmutation vorhanden ist, gibt es seit einigen Jahren eine sehr zielgerichtete medikamentöse Therapie. Das sind keine Infusionen mehr wie bei der klassischen Chemotherapie, sondern das ist eine Tablette. Man muss sich vorstellen, man nimmt eine Tablette pro Tag, diese ist hochgradig wirksam und bringt den Tumor geradezu zum Einschmelzen, wenn eine Mutation vorhanden ist. 

Das ist ein großer Fortschritt.

Absolut! Selbst ich stehe noch davor und staune, wie der Tumor zum Teil so schnell einschmilzt, wie man es früher nicht einmal mit Chemotherapie geschafft hat. Die Therapie ist zudem in der Regel sehr verträglich. Und es geht bereits weiter, neue molekulare Veränderungen werden identifiziert und weitere zielgerichtete Medikamente stehen bereits zur Verfügung.