Pharmaforscher konnten dann in vielen Fällen die Aufgabe lösen, die Medikamente zu erfinden, die tatsächlich bestimmte Krebsarten über diese Angriffspunkte bekämpfen. In Zusammenarbeit mit Ärzten konnten sie diese Medikamente in Studien erproben und nach der Zulassung ihren Einsatz optimieren. Grundlagen- und angewandte Forschung wie auch klinische Studien sind also gleichermaßen essenziell für den Behandlungsfortschritt.

Die Medikamente der letzten 15 Jahre bekämpfen Krebs auf viele unterschiedliche Weisen: Sie unterbrechen verschiedene Signalwege, über die die Krebszellen zur Teilung angestachelt werden; sie hemmen die Prozesse, mit denen sich Tumoren an den Blutkreislauf anschließen; sie markieren Tumorzellen für die körpereigene Krebsabwehr; und sie reaktivieren Immunzellen, die von den Tumorzellen abgeschaltet worden sind.

Für die forschenden Pharma-Unternehmen ist Krebs weiterhin das wichtigste Entwicklungsgebiet.

Seit Kurzem ist gegen bestimmte Tumorarten die Behandlung mit einem Virus zugelassen, das so verändert wurde, dass es speziell diese Krebszellen attackiert. All diese Medikamente haben wesentlich dazu beigetragen, die Überlebenszeit vieler Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung zu
verlängern.

Für die forschenden Pharma-Unternehmen ist Krebs weiterhin das wichtigste Entwicklungsgebiet: Ein Drittel ihrer Projekte für neue Medikamente und Medikamentenanwendungen befasst sich damit. Aktuell sind 28 neue Medikamente im Zulassungsverfahren oder stehen nach der Zulassung vor ihrer Markteinführung; sie verteilen sich auf unterschiedlichste Krebsarten – auf häufige wie Brust- oder Lungenkrebs wie auch auf seltene wie etwa das Merkelzell-Karzinom, eine Art Hautkrebs.

Weitere Therapieformen sind in Erprobung, von denen einige auf neue Weise das Immunsystem in die Krebsabwehr einbeziehen. Bei manchen wird der Patient dazu mit tumortypischen Proteinen geimpft, bei anderen mit Erbmaterial für solche Proteine. In weiteren Projekten werden Immunzellen des Patienten gentechnisch für die Krebsabwehr ausgerüstet.

Mindestens so wichtig ist es aber zu klären, welche vorhandenen Therapien sich sinnvoll kombinieren lassen und wie für jeden Patienten die jeweils beste Therapie zuverlässig gefunden und gegebenenfalls nachjustiert werden kann. Hierzu werden viele klinische Studien durchgeführt, an denen meist auch deutsche Kliniken beteiligt sind.

Deshalb ist es wichtig, dass von den Unternehmen so viele Therapieoptionen entwickelt werden.

Zudem deuten Forschungsarbeiten darauf hin, dass mehr Krebsarten als bislang bekannt letztlich auf Virusinfektionen zurückzuführen sind, etwa Kopf-Hals-Karzinome oder Formen von Darmkrebs. Das eröffnet langfristig die Perspektive, hier auch mit Schutzimpfungen etwas erreichen zu können, wie das bei Leberkrebs und Gebärmutterhalskrebs bereits der Fall ist.

Nicht ein einzelnes „Supermedikament“, sondern viele Behandlungsmöglichkeiten, aus denen Ärzte gezielt für jeden Patienten eine geeignete Therapie zusammenstellen, können die Krebsmedizin nachhaltig voranbringen. Deshalb ist es wichtig, dass von den Unternehmen so viele Therapieoptionen entwickelt werden.