Eine frühe Diagnose, aber auch eine umfassende Charakterisierung der Tumoren ermöglichen eine spezifische Behandlung des Mammakarzinoms durch individuelle Therapien, wie die Systemtherapie, die operative Therapie oder die Strahlentherapie.

Nachfolgend ein Überblick, wie auch in der operativen Therapie des Mammakarzinoms inzwischen eine Individualisierung erreicht werden konnte, einhergehend mit einem immer geringeren Operationstrauma.

Operative Therapie

Mit dem besseren Verständnis um die Tumorbiologie hat sich der Stellenwert der operativen Therapie in den letzten Jahren deutlich geändert. Mit der Einführung des Mammographiescreenings sind die Tumoren heute kleiner (77% ≤ 2cm) als noch vor der Einführung (49% ≤ 2cm) und es finden sich seltener befallene axilläre Lymphknoten (25% versus 43%).

Auch die Etablierung der neoadjuvanten Systemtherapie (NAST) hat zu einer Abnahme der operativen Radikalität geführt. Die Operation ist „ein“ Bestandteil in der Therapie des MaCa. Dies zeigt sich auch in den Resektionsrändern, die immer kleiner geworden sind. Heute gilt es, den Brustkrebs „im Gesunden“ (no ink on tumor cells) herauszuoperieren. Dabei spielt auch die Tumorbiologie keine Rolle für die Resektion. Wie der Jahresbericht der Deutschen Krebsgesellschaft zeigt, werden heute mehr als 85 Prozent aller Tumoren unter zwei Zentimentern und 70 Prozent aller Tumoren zwischen zwei und fünf Zentimetern brusterhaltend operiert.

Dennoch gibt es auch heute noch Fälle, in denen eine Brustamputation erforderlich wird. Dazu gehören zum Beispiel das inflammatorische Mammakarzinom, ausgedehnte In-situ-Karzinome oder ein Missverhältnis zwischen Brustgröße und Tumorherd. In vielen Fällen kann unmittelbar nach einer Brustentfernung sofort oder auch später ein Brustwiederaufbau mit Implantaten oder körpereigenem Gewebe vom Bauch, Rücken, Gesäß oder Oberschenkel erfolgen. Gegebenenfalls kann auch eine Prothese als Platzhalter für den entfernten Drüsenkörper eingesetzt werden und nach Abschluss der adjuvanten Therapie der Wiederaufbau mit körpereigenem Ge-
webe erfolgen.

Der Stellenwert des axillären Lymphknotenstatus für die Prognose und Therapieplanung hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert. Denn die Systemtherapie richtet sich nach der Tumorbiologie und weniger nach der Anzahl befallener Lymphknoten. Bei klinisch (Palpation/Sonografie) unauffälligen axillären Lymphknoten ist derzeit (noch) der Wächterlymphknoten (Sentinel-Lymph-Node-Biopsy, SLNB) Standard. Selbst bei ein bis zwei befallenen Wächterlymphknoten und brusterhaltender Operation und adäquater Systemtherapie und Bestrahlung der Brust kann auf die komplette Axilladissektion verzichtet werden, ohne dass dadurch mehr Rezidive oder Metastasen auftreten. Auch bei Patientinnen, die vor neoadjuvanter Chemotherapie einen axillären Lymphknotenbefall hatten und nach Abschluss der Therapie klinisch keine befallenen Lymphknoten aufweisen, ist heute eine SLNB ausreichend.

In Studien (INSEMA-Studie) wird derzeit überprüft, ob bei Patientinnen mit klinisch und sonografisch unauffälligen Lymphknoten überhaupt noch eine SLNB erforderlich ist. Derzeit sind über 5.000 Patientinnen in die INSEMA-Studie randomisiert. Das Ende der Rekrutierung wird für Mitte 2019 erwartet. Zusammenfassend hat sich die operative Radikalität an der Brust wie auch in der Axilla zum Wohle unserer Patientinnen deutlich verändert, ohne dass dadurch das krankheitsfreie oder Gesamtüberleben verschlechtert worden ist.