Nachdem die ältere Schwester von Nele T. (44) an Brustkrebs erkrankt war und innerhalb kürzester Zeit verstarb, entschied sich die Zweifachmutter im August 2013 zu einem BRCA-Gentest – mit einem positiven Testergebnis.

Haben Sie damit gerechnet?

Nein, ich bin davon ausgegangen, dass bei mir alles okay ist. Ich habe mich nicht krank gefühlt, war sportlich aktiv und habe, trotz der familiären Vorbelastung, nicht wirklich damit gerechnet, dass ich das BRCA-1-Gen in mir trage.

Und ich dachte: Wenn es also eine Möglichkeit gibt zu vermeiden, dass ich an Brustkrebs erkranke, dann werde ich tun, was getan werden muss.

Nachdem klar war, dass bei Ihnen eine familiäre Brustkrebsbelastung vorliegt, wie sind Sie mit der Diagnose umgegangen?

Die Nachricht war ein Schock und brachte mich ziemlich ins Strudeln. Es hat mir kurzzeitig den Boden unter den Füßen weggezogen, und ich habe mich sofort krank gefühlt. Da war ein ganz starkes Gefühl des Kontrollverlustes, das war schlimm. Aber im selben Moment habe ich an meine Kinder gedacht, und mir war klar, dass ich auf keinen Fall dasselbe Schicksal wie meine Schwester erleiden wollte.

Was hat Sie letztlich zur Entscheidung bewogen, sich beide Brüste prophylaktisch entfernen zu lassen und mit Silikonimplantaten wieder aufzubauen?

Ich wollte meinen Kindern das Leid ersparen, das ich durch den Verlust meiner Schwester erlebt hatte. Außerdem wollte ich nicht mit dem Gefühl des Krankseins und der Angst vor dem, was kommt, leben. Und ich dachte: Wenn es also eine Möglichkeit gibt zu vermeiden, dass ich an Brustkrebs erkranke, dann werde ich tun, was getan werden muss. Somit stand mein Entschluss zu einer prophylaktischen Mastektomie relativ schnell fest.

Für den anschließenden Aufbau der Brüste mit Silikonimplantaten habe ich mich entschieden, weil ich mich nach der OP möglichst schnell wieder 100 Prozent als Frau fühlen wollte. Darüber hinaus bedeutet der Aufbau mit Eigengewebe mehrere OPs und weitere Narben an den Entnahmestellen, beispielsweise am Rücken oder Gesäß, sowie Bewegungseinschränkungen – das kam für mich als Sportlerin nicht infrage.

Was waren Ihre nächsten Schritte, und wovor hatten Sie am meisten Angst?

Nachdem das Testergebnis feststand, habe ich sofort einen Termin bei meiner Gynäkologin vereinbart und ihr meinen Entschluss mitgeteilt. Ich habe dann verschiedene Plastische Chirurgen aufgesucht, die die prophylaktische Mastektomie und den Wiederaufbau der Brust mit Silikonimplantaten durchführen, um mich beraten zu lassen. Natürlich hatte ich Ängste: vor dem Verlust meiner Weiblichkeit und davor, nach der OP meinen Beruf als Sportlerin nicht mehr voll ausüben zu können oder mit Einschränkungen leben zu müssen. Aber die Sorge um eine mögliche Brustkrebserkrankung und die Konsequenzen daraus überwog – mein Entschluss stand fest.

Wie sind Sie bei der Wahl des Arztes vorgegangen, der den Eingriff durchgeführt hat? Worauf sollten Betroffene aus Ihrer Sicht achten?

Bei der Auswahl des Arztes waren mir vor allem die individuelle Beratung und ein gutes Bauchgefühl wichtig. Im Brustzentrum am St. Joseph-Stift in Bremen habe ich Dr. Fabian Wolfrum kennengelernt. Dr. Wolfrum ist von Anfang an auf mich als Person und aktive Leistungssportlerin eingegangen. Er hat mich einfühlsam und kompetent beraten. Angefangen bei der Wahl der OP-Technik über die Aufklärung zu möglichen Risiken bis hin zur Bestimmung des passenden Implantats. Im Januar 2014 hat man mir dann innerhalb einer OP das Brustdrüsengewebe entfernt und Silikonimplantate eingesetzt.

Wie wichtig war die Auswahl des passenden Implantats für Sie? Welche Rolle spielten die Qualität und Sicherheit?

Neben einem natürlichen Ergebnis war es mir selbstverständlich wichtig, dass ich qualitativ hochwertige und sichere Implantate eingesetzt bekomme. Bei der Auswahl habe ich mich letztlich voll auf meinen behandelnden Arzt Dr. Wolfrum verlassen. Er arbeitet mit Silikonimplantaten, die in Deutschland hergestellt werden, da hatte ich keine Bedenken.

Wie fühlen Sie sich heute, rund anderthalb Jahre nach dem Eingriff – mit der Entscheidung und mit den Implantaten?

Ich habe den Eingriff sehr gut überstanden und bin überglücklich mit der Entscheidung. Nach der OP habe ich mich erleichtert und wohlgefühlt und wusste, dass ich das Richtige getan hatte. Meine Brüste sehen toll und natürlich aus. Dass ich deutsche Implantate trage, gibt mir zudem ein sicheres Gefühl. Bereits nach zwei Monaten habe ich langsam wieder mit dem Training im Studio angefangen. Im Mai 2014 war ich dann nahezu wieder voll belastbar, und heute arbeite ich wieder zu 100 Prozent in meinem Beruf als Boxtrainerin. Auch das anfängliche Fremdkörpergefühl hat sich gelegt. Meine Brüste fühlen sich mehr und mehr wie meine eigenen an. 

Sie haben zwei Kinder, unter anderem eine Tochter im Alter von elf Jahren. Haben Sie Ihre Tochter über ihre mögliche erbliche Vorbelastung aufgeklärt?

Nachdem mein Testergebnis feststand, habe ich meine Tochter so sachlich wie möglich aufgeklärt und sie auf meine nächsten Schritte vorbereitet. Ich habe versucht, ihr die Angst zu nehmen, denn sie war durch unsere Familiengeschichte schon sehr sensibilisiert. Ich habe ihr auch erklärt, dass sich das Gen unter Umständen weitervererbt hat und dass sie später, wenn sie es selbst möchte, einen Test durchführen lassen kann. Für mich war es wichtig, dass sie informiert ist, ich wollte keinesfalls Ängste schüren und ihr in jedem Fall die Option für eine eigene Entscheidung offenlassen.

Was möchten Sie anderen betroffenen Frauen mitgeben?

Ich denke, es ist wichtig, eine Entscheidung zu treffen, die sich für einen selbst richtig anfühlt. Dann gilt es, sich auf diese zu 100 Prozent einzulassen und zu vertrauen – dem Arzt und dem eigenen Körper. Vielleicht kann meine Geschichte ja eine Entscheidungshilfe für andere betroffene Frauen sein.