Wie sah die Ernährungstherapie von Krebspatienten bisher aus?

Die einhellige Meinung der meisten Onkologen ist, dass ein Krebspatient essen sollte, was schmeckt, damit es unter der Chemotherapie auf keinen Fall zu einem Gewichtsverlust kommt. Seit vielen Jahren zeigt sich gerade in den Industrieländern ein deutlicher Anstieg von Tumorerkrankungen.

Verschiedenste Studien der letzten Jahre haben gezeigt, dass insbesondere die aggressiven metastasierten Tumorzellen einen anderen Zellstoffwechsel haben, ihre Energie durch Glucose, also Zucker und Kohlenhydrate, decken. Laienhaft ausgedrückt, ernähren sich die Tumorzellen also vom Hauptbestandteil unserer westlichen Ernährung.

Sie empfehlen vielen Ihrer Krebspatienten eine ketogene Ernährung. Was ist das genau?

Tumorpatienten sollten auf die Zufuhr von Zucker und Kohlenhydraten weitestgehend verzichten. Zucker als Haushaltszucker, versteckter Zucker in Fertiggerichten oder Getränken und Fruchtzucker aus Obst. Unter Kohlenhydraten verstehen wir alle Nahrungsmittel aus Getreide (Weizen, Roggen, Hafer, Hirse, Mais, Reis) sowie Kartoffeln und Hülsenfrüchte wie Erbsen, Bohnen und Linsen.

Bei Tumorerkrankungen im Frühstadium kann der Patient meistens durch die konventionelle Therapie geheilt werden.

Die Umstellung auf solch eine „ketogene“ Ernährung sollte nicht von einem Tag auf den anderen geschehen, da unsere gesunden Körperzellen gewohnt sind, die Zellenergie aus Zucker und Kohlenhydraten zu gewinnen. Im Gegensatz zu den Tumorzellen können aber unsere gesunden Zellen nach einer Umstellungsphase die notwendige Zellenergie auch aus Eiweißen und gesunden Fetten und Ölen beziehen.

Die Umstellungsphase sollte zwei bis drei Wochen dauern. Jedoch ist es wichtig, eine geringe Menge an Zucker und Kohlenhydraten weiter zu konsumieren, da wichtige Zellen unseres Körpers eine Mindestmenge an Zucker benötigen (zum Beispiel Nervenzellen, Netzhautzellen).

Inwiefern kann diese Ernährung die konventionellen Therapiemethoden unterstützen?

Bei Tumorerkrankungen unterscheiden wir zwei verschiedene Arten: Tumorzellen, die den Zellstoffwechsel noch nicht auf einen Vergärungsstoffwechsel geändert haben, und solche mit bereits einer Umstellung der Energiegewinnung durch Vergärung. Bei Tumorerkrankungen im Frühstadium kann der Patient meistens durch die konventionelle Therapie geheilt werden.

Bei den Tumorzellen mit Vergärungsstoffwechsel führen, laienhaft ausgedrückt, verschiedenste Mechanismen dieser veränderten Energiegewinnung dazu, dass die Tumorzelle sich gegen die konventionelle Tumortherapie schützt. Bei diesen Patienten ist eine Ernährungsumstellung dringend notwendig, damit die Tumorzelle durch die Rückführung zur normalen Energiegewinnung wieder angreifbar durch die konventionelle Tumortherapie wird.

Ein Bluttest (EDIM-TKTL-1) kann genauer zeigen, zu welcher Energiegewinnungsform eine Tumorerkrankung gehört.

Was raten Sie Patienten, die eine solche ketogene Diät als Supportivbehandlung umsetzen wollen?

Diese Ernährungsumstellung sollte in Begleitung eines erfahrenen Therapeuten stattfinden, zumal es auch bei den meisten Tumorpatienten zu einem Gewichtsverlust kommt, der auch therapeutisch kontrolliert und begleitet werden muss. Begleitend sollten notwendige Laboruntersuchungen durchgeführt werden.

Für viele Krebspatienten ist die Um-setzung der ketogenen Ernährung sehr um-ständlich. Gibt es hier Alternativen?

Eine strenge ketogene Ernährung sollte drei Tage vor und am Tag der Chemotherapie durchgeführt werden (bei Strahlentherapie täglich). Als Unterstützung gibt es hier eine spezielle Trinknahrung,  als ketogene, bilanzierte Ernährungsform, die als alleinige Ernährung ausreicht oder in Kombination mit Gemüse und Kohl zugeführt werden kann. Wenn keine orale Ernährung mehr möglich ist, gibt es bereits ketogene parenterale Ernährungsformen, die individuell angefertigt werden können.