Professor Wirth, nur 15 Prozent der deutschen Männer gehen zur Vorsorge. Unter den Frauen sind es rund 60 Prozent. Warum sind Männer Vorsorge-Muffel?

Zum Weltbild des Mannes gehört, dass er immer gesund und leistungsfähig ist. Männer können Bäume ausreißen und schnelle Autos fahren. Während Männer eigentlich nie Probleme mit ihrem Körper haben – denn er muss ja immer funktionieren – werden Frauen alle vier Wochen daran erinnert. 

Liegt diese Reserviertheit auch daran, dass die Vorsorgeuntersuchungen bei den Männern keinen guten Ruf haben?

Das würde ich nicht so sagen, denn es gibt genauso viele Vorurteile gegenüber Vorsorgeuntersuchungen bei Frauen. Hinzu kommt, dass Frauen beispielsweise bei einer Mammografie, also der Untersuchung der Brust auf Krebs, auch noch eine Strahlenbelastung haben.

Das ist bei der Prostatauntersuchung nicht der Fall. Männer haben gegenüber Vorsorgeuntersuchungen einfach eine laxere Haltung und diese führt auch dazu, dass Frauen in Deutschland eine Lebenserwartung von 83 Jahren haben und Männer viel weniger.

Warum sind Vorsorgeuntersuchungen so wichtig?

Weil bei weit über 90 Prozent der Männer, deren Tumor frühzeitig entdeckt wurde, die Chance besteht, geheilt zu werden. Man muss davon ausgehen, dass etwa acht von 100 Männern, im Laufe ihres Lebens, einen Prostatatumor bekommen. Wenn der nicht frühzeitig erkannt wird, stehen die Heilungschancen schlecht. All das spricht für die Vorsorgeuntersuchung!

Welche Prostatavorsorgeuntersuchungen gibt es?

Zurzeit gibt es zwei Früherkennungsmaßnahmen. Das ist zum einen die Prostatakrebsuntersuchung. Dabei wird vom Urologen die Prostata abgetastet. Die zweite ist die Messung des PSA-Wertes. Dabei wird das Blut auf den sogenannten PSA-Wert überprüft. 

Und was sagt dieser Wert aus?

Liegt eine PSA-Erhöhung vor, kann Prostatakrebs die Ursache sein. Allerdings kann auch bei Entzündungen das PSA erhöht sein. Man muss ganz klar sagen, dass der PSA-Wert insgesamt der beste Früherkennungsmarker für Prostatatumore ist. 

In welchen Abständen sollten Vorsorgeuntersuchungen durchgeführt werden?

Das hängt davon ab, wie hoch beispielsweise das PSA ist. Wenn es sehr niedrig ist, genügen Untersuchungen alle drei bis vier Jahre. Wenn der Wert höher ist, jährlich. 

Wie wird der Prostatakrebs dann diagnostiziert?

Durch eine Gewebeentnahme. Das ist die gängigste Methode, um einen Tumor nachzuweisen.

Wann und wie wird eine Biopsie durchgeführt?

Wenn der PSA-Wert über dem Grenzwert von vier Nanogramm pro Milliliter liegt, das PSA schnell ansteigt oder bei positivem Tastbefund. Eine Biopsie kann man über den Darm oder, was meistens der Fall ist, über den Enddarm durchführen. Diese Gewebeentnahme ist ultraschallgesteuert – das ist heute Standard.