Entscheidend sind ein individuelles Therapiekonzept und eine qualitätsgesicherte urologische Betreuung.

Prostatakrebs ist die dritthäufigste Krebsart, an der Männer nach Lungen- und Darmkrebs erkranken. Drei von hundert Betroffenen sterben daran, auch weil sich die Krankheit anfangs relativ unbemerkt entwickeln kann. Lautet die Diagnose Prostatakrebs, steigt bei den Betroffenen die Angst – nicht nur vor der Krankheit selbst, auch vor dem Risiko von posttherapeutischer Inkontinenz und Erektionsproblemen.

Prostatakrebszentren begegnen dem Wunsch, geheilt zu werden und zugleich ein möglichst einschränkungsfreies Leben nach der Krankheit zu führen, durch testierte Qualitätsstandards, eine interdisziplinäre Herangehensweise und etablierte Behandlungsmethoden.

OP oder nicht OP?

Bewährte Therapieformen reichen von der operativen Prostata-Entfernung über die Strahlen- und Chemo- bis zur Hormontherapie, je nach Krebsstadium.

„Die Therapie sollte individuell auf den Patienten, seine Lebenslage, etwaige Vorerkrankungen und die Schwere seines Befundes abgestimmt werden“, rät Professor Dr. Axel Merseburger, Stellvertretender Klinikdirektor der Klinik für Urologie und Urologische Onkologie in Hannover. „Je jünger und gesünder ein Patient ist, desto eher sollte operativ eingegriffen oder bestrahlt werden. Bei älteren Patienten und solchen mit Vor- und Begleiterkrankungen raten wir häufig zu Alternativen wie der Hormontherapie oder Aktiver Überwachung.“

Der operative Eingriff wird mit ähnlicher Erfolgsquote offen oder minimalinvasiv durchgeführt. Patienten mit einem niedrigen bis mittleren Risiko können so zu einem hohen Prozentsatz geheilt und zu 50 bis 70 Prozent nervenerhaltend operiert werden.

Die Wahl des Operateurs ist erfolgsentscheidend. „An Prostatakrebszentren werden die Qualitätsstandards jährlich zertifiziert. Hier dürfen nur Fachärzte operieren, die generell mehr als 100 Eingriffe und jährlich mindestens 25 Eingriffe vorweisen können“, betont Merseburger.

Der individuelle Fall entscheidet

Doch nicht immer ist eine Operation zielführend. Das Vorgespräch mit einem Urologen und etwa einem Strahlentherapeuten weist den Weg. Alternativ bietet zum Beispiel die Brachytherapie gute Heilungschancen, sofern das Karzinom auf einen Prostatalappen begrenzt ist und spezifische Voraussetzungen (zum Beispiel Gleason-Score unter sieben) erfüllt.

Bei dieser Strahlentherapie werden millimetergroße „Seeds“ mit strahlendem Material in die Prostata eingebracht – ein rascher Eingriff, der unschöne Nebenwirkungen minimiert, jedoch gründlich abgewogen werden sollte.

Die externe Bestrahlung hingegen dauert etwa acht Wochen, eignet sich dafür zudem postoperativ bei steigendem Tumormarker oder lokal fortgeschrittenem Tumorwachstum (Stadium pT3b). Für ältere Patienten und im Fall von Metastasenbildung kommt häufig die tumorwachstumshemmende Hormontherapie in Frage.

„Für Fälle gestreuter Erkrankungen, die auf bewährte Hormonpräparate nicht reagieren, gibt es aktuell neue antihormonelle Therapien“, ergänzt Merseburger. „Diese neuen Substanzen verlängern das Überleben der Betroffenen signifikant vor und nach einer Chemotherapie.“

Und manchmal ist Abwarten der beste Weg: Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass bei älteren Patienten kontrolliertes Abwarten angezeigt ist. Fazit: Die Wahl des richtigen Weges ist höchst individuell.