Die meisten Patientinnen mit Brustkrebs können wir heute heilen. Manchmal nimmt die Krankheit auch einen chronischen Verlauf an und es sind wiederholte Behandlungen erforderlich. Durch das bessere Wissen über die Tumorbiologie und durch die Entschlüsselung von genetischen und biologischen Faktoren, die die Entstehung und den Verlauf von Brustkrebs beeinflussen, werden sogenannte „gezielte“, individuelle Therapiekonzepte für jede einzelne Patientin entwickelt. Die therapeutischen Pfeiler für diese Strategien sind die Operation, die Bestrahlung und die Behandlung mit Medikamenten. Jedoch nicht jede Patientin benötigt alle diese Methoden.

Eine Operation führen wir fast immer durch, diese ist heute in den meisten Fällen brusterhaltend möglich. Nach brusterhaltender Operation erfolgt immer eine Bestrahlung. Je nach Ausgangsbefund folgt dann eine ergänzende (adjuvante) medikamentöse Therapie. Das kann eine antihormonelle Therapie oder eine Chemotherapie oder auch eine Kombination aus diesen beiden Therapiearten sein. Bei bestimmten Brusttumoren kann diese Behandlung durch den Einsatz von spezifischen Antikörpern ergänzt werden.

FAKTEN

Brustkrebs ist mit etwa 74.500 Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland die häufigste Krebserkrankung bei Frauen, jede achte bis zehnte Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens daran. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei knapp über 65 Jahren, aber jede vierte Frau ist bei der Diagnose jünger als 55 Jahre. Eine Zunahme an Neuerkrankungen ist besonders auffällig zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr.

Die Überlebenswahrscheinlichkeit bei Brustkrebs hat sich in den letzten 20 Jahren verdoppelt. Heute können etwa zwei Drittel der Erkrankten langfristig geheilt werden. Die Behandlung besteht in der Regel aus der Operation, die heute meist brusterhaltend durchgeführt wird. Im Anschluss daran erfolgt die Bestrahlung und/oder eine medikamentöse Therapie.

Kleine Trägersysteme

Die Therapiefortschritte bei der Heilung von Brustkrebs sind nicht zuletzt der modernen Chemotherapie und neuen Substanzen mit gezieltem Angriff zu verdanken. Ein besonderer Trick, wie ein Zytostatikum zielgerichtet an den Tumor gelangt, ist die Koppelung des Arzneistoffs an winzig kleine Trägersysteme wie bei nab-Paclitaxel (siehe Infokasten). Wie klinische Studien bei Patientinnen mit fortgeschrittenem Brustkrebs gezeigt haben, ist das nab-Paclitaxel wirksamer als die konventionellen Medikamente aus der Klasse der Taxane (Paclitaxel, Docetaxel).

Zudem ist es wesentlich einfacher anzuwenden, was für uns und die Patientinnen eine deutliche Erleichterung darstellt. Wir müssen keine vorbeugenden Medikamente wie zum Beispiel Kortison gegen allergische Überempfindlichkeitsreaktionen einsetzen und die Störungen an den peripheren Nerven sind selten und klingen, wenn sie doch auftreten, schneller ab. Wir können gemeinsam mit der Patientin auch wählen, ob wir die nab-Paclitaxel-Infusion jede Woche oder im dreiwöchentlichen Abstand geben.

Patientenspanne soll erweitert werden

Bisher ist nab-Paclitaxel für Patientinnen mit Brustkrebs im fortgeschrittenen Stadium zugelassen und wird dann eingesetzt, wenn die erste Behandlung mit Anthrazyklinen nicht erfolgreich war, oder bei Patientinnen, die diese Wirkstoffe nicht erhalten können. Es gibt zurzeit jedoch mehrere internationale Studien, die den früheren Einsatz sogar bereits vor der Operation erforschen – im sogenannten „neoadjuvanten“ Setting.

In Deutschland führen wir mit der „German Breast Group“ eine große Studie bei Patientinnen mit frühem Brustkrebs durch, die sogenannte GEPARSEPTO-Studie (www.germanbreastgroup.de). Hier untersuchen wir unter anderem, ob der Ersatz des herkömmlichen Paclitaxel durch das innovative nab-Paclitaxel Vorteile für die Patientinnen bringt. Aus meiner klinischen Erfahrung heraus kann ich sagen, dass unsere Patientinnen dieses wirksame Medikament gut vertragen und dass die einfachere Handhabung ohne Lösungsmittel und Prämedikation die Taxan-Behandlung für alle Beteiligten wesentlich vereinfacht.