Bitte beschreiben Sie den Moment, als Sie die Diagnose erfahren haben.

Auf dem Weg in die Praxis hatte ich ein Gefühl, als wenn ich in Watte gepackt wäre. Irgendwie unwirklich. Aber sobald der Arzt mir verkündete, dass es tatsächlich Krebs ist, war es, als wenn mir der Boden unter den Füßen weggerissen wurde.

Tausend Gedanken stürzten auf mich ein: Was ist mit meiner Tochter? Mit meiner Arbeit? Welche Therapien stehen jetzt an? Warum hat der gleiche Arzt mich vor zwei Jahren mit der Diagnose „verdichtetes Brustdrüsengewebe“ weggeschickt, obwohl der Knoten schon damals zu tasten war? Und natürlich noch vieles mehr.

Wie haben Sie die Diagnose Ihrer Tochter erklärt?

Ich bin von Anfang an ganz offen mit meiner Erkrankung umgegangen und habe Hanna immer mit einbezogen. Sie wusste immer ganz genau, welche Therapie wann ansteht und warum das alles notwendig ist. Ich habe sie auch immer wieder ermutigt, Fragen zu stellen und über ihre Ängste und Sorgen zu sprechen.

Welche Therapien wurden durchgeführt?

Ich hatte insgesamt vier Operationen, bekam Chemotherapie und muss noch mehrere Jahre Antihormone in Tablettenform einnehmen. Bestrahlung brauchte ich keine, da ich eine totale Mastektomie hatte.

Wie haben Sie es geschafft, nicht den Mut zu verlieren?

Ich war schon immer ein positiv denkender Mensch, und das habe ich auch in diesem Fall geschafft! Natürlich gab es auch mal Tage, an denen es mir nicht so gut ging, aber meine Familie, besonders meine Mama, war mir in der ganzen Zeit eine tolle Unterstützung! Und immer, wenn ich meine Tochter ansah, wusste ich sowieso, wofür sich das alles lohnt!

Wie geht Ihre Tochter mit der Situation um?

Sie hat das ganz toll hinbekommen! Sie hat Fragen gestellt, sich passende Ansprechpartner gesucht und sie hat mich immer unterstützt, wo es ging. Da sterben für mich keine Option war, hat Hanna auch nie daran gezweifelt, dass alles wieder gut wird.

Inzwischen ist schon einige Zeit vergangen und für sie ist wieder alles beim Alten. Sie denkt nur noch selten an die „schlechten Tage“ zurück. Und das ist auch gut so!

Welche Rolle spielte währenddessen und auch danach Ihr Aussehen?

Die Glatze fand ich gar nicht so schlimm. Der Verlust der Augenbrauen und Wimpern hingegen war für mich ein größeres Problem.

Die Kosmetik hat mir mehr Ausstrahlung verliehen und ich konnte damit zeigen, dass ich mich nicht unterkriegen lasse!

Als Krankenschwester hatte ich schon viele Patienten durch eine Chemotherapie begleitet und wusste daher, wie sich das Gesicht durch fehlende Behaarung verändert.

Die Menschen sehen dann total anders und eben auch krank aus. Das Kosmetikseminar der DKMS LIFE habe ich schon frühzeitig besucht, bevor ich meine Haare verloren habe. Die Kosmetikerin hat mir im Seminar so viel Zuversicht vermittelt, dass ich es mit bestimmten Tricks schaffe, beinahe normal auszusehen, sodass ab dem Zeitpunkt meine Angst diesbezüglich deutlich abgenommen hat.

Warum war Ihnen das so wichtig?

Wenn man mit einer lebensbedrohlichen Krankheit umgehen und verschiedenste schmerzhafte und auch psychisch belastende Therapien über sich ergehen lassen muss, dann möchte man sich wenigstens ab und zu mal etwas besser fühlen.

Das war bei mir der Fall, wenn ich mich geschminkt habe. Die Kosmetik hat mir mehr Ausstrahlung verliehen und ich konnte damit zeigen, dass ich mich nicht unterkriegen lasse!

Wie geht es Ihnen heute?

Insgesamt geht es mir gut! Ich habe die kritischen zwei Jahre nach der Diagnose ohne Rezidiv überstanden und gelte damit quasi als gesund. Gelegentlich leide ich unter Nebenwirkungen der Antihormone, die mich künstlich in die Wechseljahre versetzen.

Mit dem Ergebnis der verschiedenen Brust-OPs bin ich leider nicht glücklich und denke über eine narbenabdeckende Tätowierung nach ... Aber: Hauptsache gesund und noch viele gemeinsame Jahre mit meiner Tochter!

DKMS LIFE

Die DKMS LIFE gemeinnützige GmbH hat es sich mit dem Patientenprogramm look good feel better zur Aufgabe gemacht, Krebspatientinnen Hilfe zur Selbsthilfe im Umgang mit den äußeren Veränderungen während der Therapie anzubieten: In kostenfreien Kosmetikseminaren erhalten betroffene Mädchen und Frauen professionelle Tipps zur Gesichtspflege und zum Schminken sowie zum Thema Kopfbedeckung.

Mehr Informationen finden Sie auf www.dkms-life.de.

Um die kostenlosen Kosmetikseminare anbieten zu können, ist die gemeinnützige Organisation DKMS LIFE auf Spendengelder angewiesen. Helfen Sie DKMS LIFE mit einer Geldspende, sodass in Zukunft noch mehr Krebspatientinnen neuen Lebensmut und ein gestärktes Selbstwertgefühl geschenkt werden kann. www.dkms-life.de/spenden