Das HUGS-Verfahren bietet eine schmerzfreie und genaue Alternative.

Moderne Röntgen- und Ultraschalluntersuchungen der Brust erlauben eine sehr frühe Entdeckung von Brustkrebs bereits ab wenigen Millimetern. „Ziel ist es, Brustkrebs so früh wie möglich zu entdecken“, sagt Dr. Abdolhamid Huschmand Nia, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Leiter des Brustzentrums des Klinikums Bayreuth GmbH. „Aus diesem Grund muss jedes Anzeichen, das auf Brustkrebs hindeuten kann, durch entsprechende Untersuchungen weiter abgeklärt werden. 

Die moderne Brustdiagnostik ist ein Zusammenspiel aller zur Verfügung stehenden Methoden zur Brustkrebs-Früherkennung.“ 

Präoperative Herdmarkierung

Da jedoch viele operativ abklärungsbedürftige Herde und Verkalkungen nicht tastbar sind, muss direkt vor der Operation eine Lokalisation mit entsprechender Markierung stattfinden. Im Ultraschall sichtbare Herde werden ultraschallgestützt markiert, wobei über eine dünne Hohlnadel ein Markierungsdraht an den Herd vorgeschoben wird. Verkalkungen, die nur mammografisch sichtbar sind, werden entsprechend der Koordinaten der Röntgenbilder markiert. Vor und nach dem Vorschieben des Markierungsdrahtes erfolgt eine Mammografie zur Überprüfung der korrekten Nadellage.

Diese Markierung hilft dem Operateur gezielt, das abklärungsbedürftige Areal herauszunehmen. Das entnommene Gewebe wird dann außerhalb des Körpers geröntgt, um die korrekte Entfernung zu bestätigen. Dr. Abdolhamid Huschmand Nia: „Das Verfahren der präoperativen Markierung von nicht palpablen Tumoren mithilfe eines Drahthakens wurde 1980 erstmals beschrieben und wird bei Vorstufen von Brustkrebs, die mit Mikrokalk assoziiert sind, aber auch bei operativer Entfernung von nicht tastbaren invasiven Mammakarzinomen, eingesetzt.“

Die Drahtmarkierung ist aufwendig, für die Patientinnen schmerzhaft und mit einer Strahlenbelastung verbunden. Im Rahmen des Mammografie-Screening-Programms werden vor allem kleine, nicht tastbare Tumoren entdeckt. Dr. Abdolhamid Huschmand Nia: „30 Prozent aller in Screening-Erstuntersuchung entdeckten invasiven Karzinome sind maximal zehn Millimeter im Durchmesser. Somit steigt die Zahl der Drahtmarkierungen, aber auch der Früherkennung!“

In Bayreuth Operation ohne Drahtmarkierung möglich: Operieren unter Ultraschallsicht

Für dieses Verfahren (HUGS) wird der Schallkopf steril eingepackt und direkt, während der Operation zur Orientierung über die Lage des Tumors und zur Bestimmung der Schnittführung eingesetzt. Das Areal mit dem Tumor wird so weit mobilisiert, dass das Gewebe während der Operation wiederholt sonografiert werden kann.

„Das Verfahren hilft auch die Resektionsränder laufend zu überprüfen, bevor das Präparat endgültig entfernt wird. Auf diese Weise wird gesundes Gewebe verschont“, erläutert Dr. Abdolhamid Huschmand Nia. Und weiter: „Die kosmetischen Ergebnisse sind besser, weil keine größeren Gewebedefekte entstehen. Zusätzlich wird noch während der laufenden Operation das Gewebe außerhalb des Körpers mithilfe eines von uns entwickelten Verfahrens geröntgt. Der Radiologe informiert die Operateure, ob das Präparat mit ausreichendem Resektionsrand vollständig entfernt wurde. Wenn nicht, kann gezielt eine Nachresektion in gleicher Sitzung erfolgen. Auf diese Weise haben wir die Zahl der Zweitoperation drastisch senken können.“

Info: Die ersten Ergebnisse seiner Arbeitsgruppe, mit 150 Fällen, wurden im Jahr 2012 auf dem Welt Ultraschall Kongress (WFUMB 2012) in Wien präsentiert. Eine randomisierte multizentrische Studie (HUGS- Studie) zur weiteren Evaluation des Verfahrens ist bereits begonnen worden.