Im Interview erzählen die Zwillinge und ehemaligen Handballprofis Michael und Uli Roth von ihrer Krankheit, was sich für sie geändert hat und warum Vorsorge alles ist.

Wann wurde bei Ihnen Prostatakrebs diagnostiziert?

M: Das ist jetzt fünf Jahre her, am 16. April, dem 14. Geburtstag meiner Tochter, bekam ich die Diagnose.
U: Am Tag der Operation von meinem Bruder, also einige Wochen später, Mitte Mai, erfuhr ich von meinem Prostatakrebs.

Wie kam es zur Diagnose?

U: Es gab eine Vorgeschichte durch  unseren Vater, der auch mit der Prostata zu tun hatte. Und wir als ehemalige Leistungssportler haben natürlich auch ein anderes Bewusstsein für den Körper, waren auch regelmäßig bei der Vorsorge.
M: Bei solch einer Vorsorgeuntersuchung wurde bei mir dann durch den PSA-Wert festgestellt, dass es in kurzer Zeit eine relativ hohe Belastung gab. Mein Urologe hat daraufhin eine Biopsie durchgeführt und anhand dieser wurde der Tumor diagnostiziert.
U: Daraufhin wurde auch bei mir noch einmal eine Untersuchung durchgeführt, die dann schließlich das gleiche Ergebnis brachte.

Ist Prostatakrebs denn erblich bedingt?

M: Es ist nicht bewiesen, dass das Gen übertragbar ist, doch die Urologen gehen davon aus, dass bei Vorgeschichten in der Familie die Gefahr deutlich erhöht ist.

Wie hat der Krebs Ihr Leben beeinflusst?

U: In dem Moment, wo man davon erfährt, denkt man zuerst an Chemotherapie, Lebenseinschränkungen und natürlich auch an den Tod.
M: Wenn man davon erfährt, fallen auch immer die Schlagwörter Inkontinenz und Impotenz, und das sind Dinge, von denen man mit 47 Jahren natürlich nichts hören möchte.

Haben sich diese Schlagwörter bei Ihnen bewahrheitet?

U: Wenn der Krebs rechtzeitig erkannt wird, ist die Chance groß, alles so reparieren zu können, dass man keine Einschränkungen hat und normal weiterleben kann. Vor der Operation habe ich mir meine Samen einfrieren lassen, denn eine normale Ejakulation ist nicht mehr möglich.
M: So weit habe ich nicht gedacht, wollte damals die Operation einfach schnell hinter mir haben, aber meine Familienplanung war zu dem Zeitpunkt auch schon abgeschlossen. Doch alles in allem hatten wir sehr viel Glück, einen guten Operateur gehabt zu haben, der nervenschonend operieren konnte. Der einzige Unterschied zu vorher ist, dass kein Samenerguss mehr kommt und das Glied sensibler ist, und wenn es mal nicht so richtig klappt, kann man ja auch mit Potenzmitteln nachhelfen.

Wie geht es Ihnen heute?

U: Wir fühlen uns rundum fit. Unsere Untersuchungsergebnisse zeigen seit der Prostata-OP keine Probleme.
M: Wir haben gerade auch erst unsere Gesundheitsparty gefeiert, denn man sagt, wenn man nach fünf Jahren rückfallfrei ist, kommt der Krebs auch nicht zurück.

Wie oft gehen Sie denn noch zur Nachsorgeuntersuchung?

U: Die ersten drei Jahre alle drei Monate, seit dem dritten Jahr zweimal pro Jahr und demnächst, wenn alles so bleibt, nur noch einmal jährlich.
M: Bei uns hat sich der Halbjahresrhythmus jetzt so eingependelt, dass wir uns weiter alle halbe Jahre untersuchen lassen werden, einfach um sicher zu sein. Denn umso früher etwas entdeckt wird, desto besser.

Aus diesem Grund sind Vorsorgeuntersuchungen auch so wichtig. Wie kann man sich so eine Untersuchung vorstellen?

U: Es ist völlig harmlos und tut überhaupt nicht weh.
M: Es gibt ja auch verschiedene Möglichkeiten, und kein Mann muss Angst haben, dass er vom Urologen sofort den Finger eingeführt bekommt, denn das ist meistens gar nicht nötig.
U: Wichtig ist, dass eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt und der PSA-Wert über eine Blutabnahme ermittelt wird.
M: Natürlich gibt es auch den Tastbefund, der auch nicht schmerzhaft ist und vor dem niemand Angst haben muss. Wenn man das jedoch nicht will, zwingt einen kein Urologe dazu. Wichtig ist, überhaupt zur Untersuchung zu gehen.

Warum gehen viele Männer nicht zur Vorsorge?

M: Weil sie Angst haben, dass etwas gefunden wird.
U: Und das ist beinahe schon schizophren. Verdrängen hilft nie!

Sie engagieren sich für die Deutsche Krebshilfe. Warum?

M: Genau aus diesem Grund. Wir wollen Männern, auch jüngeren, erstens klarmachen, dass es Urologen für die Früherkennung gibt. Zweitens vermitteln, für was die Prostata steht – acht von zehn Männern wissen nichts über die kleine Drüse unter der Blase. Und drittens darauf aufmerksam machen, dass Krebs behandelbar ist – je eher er erkannt wird, umso besser.

Mehr Informationen über Prostatakrebs und deren Behandlung erhalten Sie hier: Prefere-Studie