Unter denen ist so mancher, der dort lieber früher gesessen hätte: „Wir erleben öfter erwachsene Patienten, die sich Zahnfehlstellungen korrigieren lassen möchten, die sie schon seit der Kindheit stören“, sagt Dr. Gundi Mindermann, Bundesvorsitzende des Berufsverbandes der Deutschen Kieferorthopäden. „Damals hatten die Eltern vielleicht keine Notwendigkeit gesehen – oder das Kind war nicht vom Tragen einer „Spange“ zu überzeugen. Aufgrund der enormen Weiterentwicklungen der modernen Kieferorthopädie können wir erwachsenen Patienten heute  in der Regel sehr gut zu einem funktionsgerechten harmonischen Biss verhelfen.“

Nicht jeder Erwachsene kommt mit „Altlasten“ aus seiner Kindheit. Es hat sich herumgesprochen, dass Kieferorthopäden bei vielen zahnärztlichen Aufgaben überlegenswerte Angebote machen können. Eine große Rolle spielt beispielsweise die Unterstützung bei Zahnersatz, zumal solchem auf einem Implantat.

Damit das Implantat gut einheilen kann, braucht es ein festes Zahnbett – und für die Krone ausreichend Platz. Letzteren können Kieferorthopäden durch leichte Zahnverschiebungen erreichen: Durch „Zusammenrücken“ der Nachbarzähne wird der Platz für den neuen Zahnersatz passgenau vorbereitet. Fehlt ein genügend stabiles Zahnbett, wird es in den chirurgischen Praxen üblicherweise durch Knochentransplantationen aufgebaut.

In nicht wenigen Fällen sind solche invasiven Eingriffe aber vermeidbar, denn die Kieferorthopädie arbeitet im Einklang mit der Biologie: Wandert ein geführter Zahn im Kiefer, baut er vor sich Knochengewebe ab – und hinter sich, und das ist das Ziel des Verfahrens, Knochen wieder auf. Das patienteneigene natürliche Gewebe bietet dem Implantat guten Halt.

Auch Patienten mit Parodontitis nutzen immer öfter kieferorthopädische Verfahren. Parodontitis entsteht nicht zuletzt aufgrund nicht ausreichender Mundhygiene, die durch fehlstehende Zähne und kaum erreichbare Putznischen erschwert wird. Durch Aufrichten und Positionieren der Zähne in eine natürliche Reihe wird die Ausheilung der Parodontitis positiv beeinflusst.

Anders als die Kinder, die sich gerne mit attraktiven kieferorthopädischen Geräten schmücken, mögen es viele Erwachsene gern „unsichtbar“. Hier hat sich inzwischen viel getan: Die klassischen „Brackets“ , die aktive Drahtbögen halten, gibt es heute auch zahnfarben und sogar für den Lingualbereich, also für die Behandlung über die Zahninnenseiten.

Viele Patienten begeistert auch die Möglichkeit, die Zähne mithilfe durchsichtiger Schienen zu bewegen – allerdings, darauf weist Dr. Mindermann hin: „Nicht alle Techniken eignen sich für jeden Patientenfall. Wir Fachzahnärzte für Kieferorthopädie arbeiten mit der Biologie – und da stellt uns jeder Patientenfall vor neue Herausforderungen. Aber wir haben mehr denn je Techniken zur Verfügung, diese Fälle individuell zu lösen.“

Weitere Informationen unter: www.bdk-online.org