Dass Papillomviren nicht nur Gebärmutterhals- und Peniskrebs auslösen, sondern ebenso Mund-, Rachen- und Kehlkopfkrebs, belegen neuere Studien. Jedoch gibt es einen Schutz davor: die HPV-Impfung. Diese schützt vor Karzinomen im Genitalbereich und beweist ihre Wirkung auch gegen Krebsarten wie beispielsweise Kehlkopf- oder Rachenkrebs. 

Von Humanen Papillomviren (HPV) gibt es unterschiedliche Typen. Einige sind relativ harmlos und lösen Genitalwarzen aus. Andere verursachen jedoch Krebs in diesem Bereich, vor allem Gebärmutterhalskrebs, medizinisch wird vom Zervixkarzinom gesprochen, oder auch Scheiden-, Penis- und Analkarzinome. Inzwischen zeichnet sich jedoch ab, dass Papillomviren ebenso bei der Entstehung von anderen Krebsarten eine wichtige Rolle spielen: bei Kopf- und Halstumoren. 

Zuerst Infektion mit Papillomviren, dann Krebs

Die HPV-Impfung wurde zum Schutz vor Genitalkrebs entwickelt, der durch diese Viren ausgelöst wird. Wissenschaftler des nationalen US-Krebsinstitutes haben im sogenannten Costa Rica Vaccine Trial untersucht, wie gut diese Impfung wirkt. Dabei wurden knapp 7.500 gesunde junge Frauen zwischen 18 und 25 Jahren geimpft – ein Teil von ihnen erhielt die HPV-Impfung, der andere eine Hepatitis-Impfung. Vier Jahre später wurde getestet, ob sich die Frauen mit Papillomviren infiziert hatten – der Vorstufe für den Krebs – oder ob die Impfung wirkte.

Impfung schützt gegen HPV-Infektion in Mund und Rachen

Das Ergebnis: Die Impfung verhindert tatsächlich durch HPV hervorgerufene Infektionen im Genitalbereich und am Gebärmutterhals – daneben verringert sie aber auch in hohem Maße die Rate der oralen Infektionen, die im Mund- und Rachenbereich sowie am Kehlkopf auftreten können. „Der Impfstoff schützt gegen orale HPV-Infektionen mit den Virustypen, die die meisten Krebserkrankungen des Mund-Rachen-Raumes verursachen“, erklärt Rolando Herrero, Hauptautor der Studie.

Dass Humane Papillomviren beim Schleimhautkontakt im Mund Krebs auslösen können, bestätigt auch Dr. Sybille Kohlstädt vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg gegenüber Lifeline. Allerdings könne man „die Rolle des Risikofaktors HPV noch nicht wirklich einschätzen“, sagt Kohlstädt und verweist auf eine große Übersichtsarbeit zu diesem Thema. Darin heißt es: „Ein signifikanter Anteil der Kehlkopftumoren (und anderer Kopf-Hals-Tumoren) enthält das Erbgut der HPV-Hochrisikotypen (das sind vor allem HPV 16 und 18). Der ursächliche Zusammenhang zwischen diesen Infektionen und Kehlkopftumoren muss aber noch durch weitere Untersuchungen bewiesen werden.“ (Universität Birmingham, 2012)

Zahl der Tumorerkrankungen am Kopf gestiegen 

In den USA wiederum gilt der Zusammenhang als belegt. Die Anzahl von Kopf- und Halstumoren, die durch HPV ausgelöst werden, ist in den Vereinigten Staaten in den vergangenen Jahren rapide angestiegen – von 16 auf 70 Prozent. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass HPV in den Industrienationen bereits in den nächsten Jahren mehr Mund-, Rachen- und Kehlkopfkrebs verursachen wird als Gebärmutterhalskrebs. 

Die klassischen Risikofaktoren wie Alkohol und Zigaretten für Mund- und Rachenkrebs treten daher mehr und mehr in den Hintergrund, Hauptauslöser sind heute die sexuell übertragenen HP-Viren. Bei Oralsex gelangen sie vom Genital in Mund und Rachen und können so orale Infektionen fördern.