Ist Kieferorthopädie nicht „Kind mit Spange“? In der Tat hat sich das Fach inzwischen weit über dieses Bild hinaus entwickelt.

Kieferorthopädie ist präsent, wenn ein Neugeborenes mit Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte auf die Welt kommt – und auch, wenn ein Erwachsener bei anstehender Zahnersatzbehandlung biologische Unterstützung benötigt. Die Erwachsenen-Kieferorthopädie hat sich in den letzten Jahren so sprunghaft entwickelt, dass in einigen Großstädten bereits Praxen ausschließlich erwachsene Patienten behandeln. Die Unterschiede zur Behandlung von Jugendlichen sind dabei vielfältig. 

Erwachsenen-Kieferorthopädie erfordert anderes Vorgehen und eine spezielle Ausbildung.

Wenn ein Zahn „verschoben“ wird, löst dies Knochenabbau und Knochenumbauvorgänge aus. An der alten Stelle muss der Zahn sich lösen, an der neuen wieder anwachsen. In einem jungen gesunden Kiefer verheilt dieser mikroskopisch winzige „Knochenbruch“ sehr gut. Bei einem alten Menschen kann das länger dauern: Die Zellbildung ist verlangsamt, vielleicht ist der Knochen verändert durch Medikamente, Hormonwechsel oder Nikotin. Bei älteren Patienten besteht oft auch eine parodontale Vorgeschichte. Deshalb muss man bei Erwachsenen oft kieferorthopädische Bewegungen langsamer durchführen und länger stabilisieren als bei Jugendlichen.

Ein weiterer Punkt: In vielen Fällen wird die Behandlung mit dem Hauszahnarzt, dem Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen oder anderen ärztlichen Disziplinen intensiv abgestimmt. Erwachsenen-Kieferorthopädie ist anspruchsvoll. Andererseits ist die Aufgabenstellung meist auch eine andere: Während es bei Jugendlichen in der Regel darum geht, das gesamte Gebiss harmonisch auszurichten, ist bei Erwachsenen oft schon eine Teilbehandlung sehr erfolgreich.

Zudem haben sich die Apparaturen für die Zahnbewegungen mit den verschiedenen Aufgaben und Ansprüchen weiterentwickelt. Neben herausnehmbaren „Spangen“ und festsitzenden Brackets auf den Zahnaußenseiten gibt es heute weitgehend unsichtbare Entwicklungen wie durchsichtige Schienen oder spezielle Brackets für die Zahninnenseiten, manche Neuentwicklung ist sogar ganz auf Erwachsenenbehandlung ausgerichtet. Dass Eltern und ihre Kinder gemeinsam zur Behandlung kommen, ist heute längst nichts Besonderes