Der Begriff Prophylaxe kommt aus dem Griechischen und bedeutet „von vornherein ausschließen“. In der Zahnmedizin versteht man darunter alle Maßnahmen zur Vorbeugung, Früherkennung und rechtzeitiger Behandlung von Krankheiten.

Dies beginnt schon bei den Allerjüngsten und ist damit zunächst Aufgabe der Eltern. Neben der richtigen Ernährung startet die Mundpflege im Kleinkindalter mit den ersten Zähnen, also etwa im sechsten Monat. Beginnend mit einem Fingerling oder feuchten Tuch bei Säuglingen, kann bei Kleinkindern mit speziellen Kinderzahnbürsten die Eingewöhnung in das spätere selbstständige Putzen beginnen.

Eine gute Putztechnik, die sich Kinder merken können, ist mit der Formel KAI.

Dazu nutzt man vom sechsten Lebensmonat bis zum zweiten Lebensjahr eine hauchdünne Schicht Kinderzahncreme (maximal 500 ppm Fluorid) einmal am Tag, danach eine knapp erbsengroße Menge zweimal am Tag. Wenn die ersten bleibenden Zähne kommen (etwa ab dem sechsten Lebensjahr), sollte zweimal am Tag eine Zahncreme mit bis zu 1.500 ppm Fluorid benutzt werden. Diese Angaben finden Sie auf der Zahncreme.

Ein guter Anhaltspunkt, ab wann Kinder in der Lage sind, alleine ihre Zähne zu putzen, ist der Zeitpunkt, wenn sie selbstständig ihre Schuhe zubinden können. Bis dahin müssen die Eltern vor- oder nachputzen.

Eine gute Putztechnik, die sich Kinder mit der Formel KAI merken können, die aber auch die Eltern beachten sollten, benennt als Abkürzung die zu reinigenden Flächen: Kauflächen, Außenflächen, Innenflächen.

Unterstützt werden Eltern durch die Gruppenprophylaxe an Kindergärten und Schulen. Die Landesarbeitsgemeinschaften zur Verhütung von Zahnerkrankungen, Zusammenschlüsse der Krankenkassen, der Länder und der Zahnärztekammern, setzen dort gezielt Zahnärzte und zahnärztliches Fachpersonal ein, um zu untersuchen, zu fluoridieren, den Kindern spielerisch die Mundhygiene näherzubringen und das Ritual Zähneputzen fest in den Köpfen unserer Kinder zu verankern.

Fissuren sind die „Grübchen“ in den Kauflächen der Zähne.

Die seit September 2016 neu in das gelbe Kinderuntersuchungsheft aufgenommenen zahnärztlichen Untersuchungen vom sechsten bis 64. Monat bieten neben den Individualprophylaxe-Positionen weitere Hilfen und Untersuchungen direkt bei den Zahnärzten. Diese hilfreichen Zahnarzttermine sollten unbedingt genutzt werden.

Vorbeugend sollte eine Fissurenversiegelung durchgeführt werden. Fissuren sind die „Grübchen“ in den Kauflächen der Zähne. Häufiger beginnt dort Karies. Diese Grübchen können mit Kunststoff versiegelt und damit vor Karies geschützt werden.

Die Fissurenversiegelung der ersten und zweiten bleibenden Backenzähne kann als kassenzahnärztliche Leistung im Rahmen des Individualprophylaxe-Programms in Deutschland bei 6- bis 17-Jährigen abgerechnet werden und steht dem gesetzlich versicherten Patienten dieser Altersgruppe kostenfrei zur Verfügung.

Neben Zahnbürste und fluoridhaltiger Zahnpasta gehören Zahnseide und Interdentalraumbürsten zu den wichtigsten Hilfsmitteln.

Demgegenüber kann die Fissuren- und Grübchenversiegelung an Milchbackenzähnen und Grübchen von Front- und Eckzähnen nicht über die gesetzlichen Krankenkassen abgerechnet werden. Für die Abrechnung dieser zahnärztlichen Leistungen muss deshalb die privatrechtliche Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) herangezogen werden.

Auch nach dem Kindesalter bleibt Vorsorge ein wichtiges Thema. Als Erwachsene haben wir neben der Karies mit Zahnfleisch- (Gingivitis) und Zahnhalteapparatserkrankungen (Parodontitis) zu kämpfen. Hier kann durch Professionelle Zahnreinigung (PZR) in den Zahnarztpraxen Vorbeugung aktiv betrieben werden.

Knapp 30 Prozent der Menschen mit Pflegebedarf sind nicht mehr selbst in der Lage, ihre Zähne und Zahnprothesen eigenständig zu reinigen und zu pflegen.

Neben Zahnbürste und fluoridhaltiger Zahnpasta gehören Zahnseide und Interdentalraumbürsten zu den wichtigsten Hilfsmitteln. Lassen Sie sich durch Ihren Zahnarzt gezielt beraten, auch zu kleinen Tricks, wie Sie Ihre persönliche Mundpflege noch verbessern können. Der individuelle Bedarf kann sehr unterschiedlich sein und Ihr Zahnarzt kennt Sie genau.

Aus der neuesten, im August dieses Jahres veröffentlichten größten Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS V) geht hervor, dass die Anzahl sowohl an Karies- als auch an Parodontitiserkrankungen geringer geworden ist. Dies ist vor allem der in der Kindheit konsequent durchgeführten Prophylaxe zu verdanken.

Trotzdem zeigt die Studie, dass der Behandlungsbedarf bei Parodontitis – aufgrund der demografischen Entwicklung – prognostisch ansteigt. Wir alle werden älter und behalten unsere Zähne länger. Hier gilt es, insbesondere einer Gruppe entsprechende Vorsorge zukommen zu lassen: Ältere Menschen mit Pflegebedarf haben eine höhere Karieserfahrung, weniger eigene Zähne und häufiger herausnehmbaren Zahnersatz als die gesamte Altersgruppe der älteren Senioren.

Knapp 30 Prozent der Menschen mit Pflegebedarf sind nicht mehr selbst in der Lage, ihre Zähne und Zahnprothesen eigenständig zu reinigen und zu pflegen. Sie benötigen Unterstützung bei der täglichen Mundhygiene. Mit zunehmendem Pflegebedarf steigt dieser Anteil deutlich an. 60 Prozent der Menschen mit Pflegebedarf sind nicht mehr in der Lage, einen Zahnarzttermin zu organisieren und dann die Praxis auch aufzusuchen.

Obwohl es seit Kurzem die ersten Möglichkeiten für den Zahnarzt gibt, Patienten in Pflegeheimen aufzusuchen und vor Ort zu betreuen, reichen hier die finanziellen Mittel noch nicht aus, um flächendeckend Vorsorge zu betreiben.

Für pflegende Angehörige und Pflegepersonal in Pflegeeinrichtungen bietet die Zahnärztekammer Berlin eine „Mundhygiene-Pflegeampel“ an. Dieser kompakte Mundhygiene-Pflegeplan als mehrfach beschriftbare Haftfolie für den Badezimmerspiegel soll es dem Pflegepersonal erleichtern, die individuelle Mundhygiene für den einzelnen Patienten umzusetzen.