Dass sich jedoch eine unzureichende Mundgesundheit, wie Entzündungen des Zahnfleischs und Parodontitis, auch negativ auf die Gesundheit des gesamten Körpers auswirken kann, wissen längst nicht alle.

Vermehrte wissenschaftliche Studien und Untersuchungen haben sogar belegt, dass es eine regelrechte Wechselwirkung zwischen der Mundgesundheit und der Allgemeingesundheit gibt. Bewiesen ist, dass eine Erkrankung des Zahnhalteapparats ein nicht zu unterschätzendes Risiko für den menschlichen Körper darstellt. Bleiben die an der Zahnoberfläche befindlichen Bakterienbeläge durch mangelnde Mundhygiene für längere Zeit an schwierig zu reinigenden Stellen wie dem Zahnzwischenraum oder dem Zahnhals, lösen sie eine entzündliche Abwehrreaktion des Zahnfleischs aus. Erstes Anzeichen ist Zahnfleischbluten.

Abbau des Kieferknochens

Bei einem dauerhaften Bestehen dieser Entzündung kann es im weiteren Krankheitsverlauf zu einem Abbau des Kieferknochens kommen, in dessen Folge die Zähne ihren Halt verlieren.
Hierbei können Bakterien oder Bakteriengifte aus der Mundhöhle in weit entfernte Regionen des Körpers vordringen und dort zu schädlichen Reaktionen führen.

Atemwegserkrankungen durch schlechte Mundhygiene

So scheinen akute oder chronische Atemwegserkrankungen nicht selten von Bakterien auszugehen, die eigentlich ausschließlich für die Entzündung des Zahnbetts verantwortlich gemacht werden. Zwei amerikanische Studien aus dem Jahr 2013 belegen diesen Zusammenhang.

Demzufolge wiesen Patienten mit chronischen Atemwegserkrankungen eine schlechtere Mundhygiene, mehr Zahnstein und mehr erkrankte Zähne auf als Patienten ohne Atemwegserkrankungen. Die zweite Studie zeigt: Je größer der Verlust des Kieferknochens aufgrund einer Parodontitis ist, desto stärker ist die Lungenfunktion bei Patienten mit einer chronischen Bronchitis beeinträchtigt.

Herzinfarkt und Diabetes

Besonders deutlich zeigt sich das Wechselspiel von Zähnen und Körper bei Diabetespatienten. Fast alle schlecht eingestellten Diabetiker des Typs I und Typs II leiden an Parodontitis. Dafür werden einerseits die Einflüsse des Diabetes auf die kleinen und großen Blutgefäße, auch in der Mundhöhle, verantwortlich gemacht. Andererseits wird die Beeinträchtigung des Immunsystems beschrieben. Beides führt offensichtlich zu einer verminderten Abwehrkraft des Zahnhalteapparats gegenüber Bakterienangriffen.

Außerdem scheint es eine Wechselbeziehung zwischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Parodontitis zu geben. Eine Verlaufsstudie kommt zu dem Ergebnis, dass Parodontitispatienten ein bis zu 1,7-fach höheres Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung haben.

Gesunde Zähne, gesunder Mensch

Um eine Wechselwirkung von kranken Zähnen auf die Organe zu vermeiden, ist eine regelmäßige und sorgfältige Zahn- und Mundhygiene erforderlich. Neben dem täglichen Zähneputzen gehört dazu unbedingt die gründliche Säuberung der Zahnzwischenräume mit Zahnseide oder einer Zahnzwischenraumbürste. Außerdem sollten insbesondere Risikogruppen regelmäßig bei ihrem Zahnarzt eine professionelle Zahnreinigung durchführen lassen.