Warum ist Deutschland „Weltmeister“ in der zahnärztlichen Prophylaxe?

Bei der Mundgesundheit belegt die deutsche Bevölkerung weltweit einen Spitzenplatz. Dies zeigt die Fünfte Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS V). Nach der ersten Studienphase im Jahr 1989 hatten wir leider erkennen müssen, dass die deutsche Mundgesundheit in der Kreisklasse spielt.

Heute, nach der fünften Auflage der DMS im Jahr 2016, ist die Situation sehr viel besser: Unsere Zwöljährigen haben im Vergleich mit den G7-Staaten die mit Abstand geringste Karieserfahrung, unsere jüngeren Senioren die meisten natürlichen Zähne und unsere jüngeren Erwachsenen die zweitniedrigste Rate an schwerer Parodontitis – die bessere japanische Angabe darf man hier übrigens bezweifeln.

Welche Rolle spielt dabei die Professionelle Zahnreinigung?

Die Professionelle Zahnreinigung (PZR) ist zum „strahlenden Helden“ der DMS V geworden: geringere Karieserfahrung, mehr erhaltene Zähne, weniger schwere Parodontitis. Nachdem sich die PZR eigentlich erst seit etwa zehn Jahren bei den Patienten durchzusetzen beginnt, ist ihre positive Wirkung kaum zu bezweifeln.

Was sollte man täglich für die eigene Mundgesundheit tun?

Ein gesunder Mund hat viel mit der richtigen Pflege und der richtigen Ernährung zu tun. Die Zähne sollten zweimal täglich für etwa 2,5 Minuten gereinigt werden – nach dem Frühstück und vor dem Schlafengehen. Die richtige Bewegung der Bürste ist nicht kreiseln oder schrubben, sondern von Rot (Zahnfleisch) zu Weiß (Zahn) auswischen.

Elektrische Bürsten verringern den Bewegungsaufwand und sorgen häufig für bessere Ergebnisse. Auch die Zahnzwischenräume und die Zunge sollten gereinigt werden. Fluorid in der Zahnpasta schützt die Zähne besser vor Säuren. Bei der Ernährung muss man nicht auf Zucker verzichten, sondern ihn einfach nur weniger oft am Tag zu sich nehmen.

Worauf ist dabei besonders zu achten?

Bei der Vielzahl von Hilfsmitteln und Methoden zur Mundpflege ist der Überblick nicht ganz einfach. Hier hilft das Prophylaxeteam der eigenen Zahnarztpraxis mit Rat und Tat. Also fragen und besser werden!

Welche Herausforderungen sind zu bewältigen, um auch in Zukunft „Weltmeister“ zu sein?

Besonders schön an diesem Titel ist, dass die Zahnärzteschaft ihn alleine errungen hat. Wir haben das Problem analysiert – die DMS wird bis heute allein von den Zahnärzten finanziert – und konsequent auf Prävention umgeschaltet: alles ohne staatliche Kommissionen, ohne Auflagen und Kontrolle.

Traurig ist, dass der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) inzwischen Stimmung dagegen macht. Angeblich würden die Erfolge der DMS lediglich auf höherem Gesundheitsbewusstsein beruhen – das dann erstaunlicherweise nur in Deutschland und nur in der Zahnmedizin wirken würde.

Nicht die PZR, sondern allein die Mundhygieneaufklärung sei sinnvoll. Dagegen spricht: Bis heute ist die Mundpflege bei zwei von drei Deutschen nicht gut. Was soll da wirken? Gegen diese wohl rein finanziell motivierte Kampagne der GKV müssen wir uns klar aufstellen. Als „Weltmeister“ sind wir das unseren Patienten schuldig!

Information

Weitere Informationen zum Thema Prophylaxe finden Sie auf der Patientenwebseite zahn.de der Bayrischen Landeszahnärztekammer.