Stattdessen erlebe ich Situationen, für die ich sehr dankbar bin. So hatte ich eine drohende Unterzuckerung nicht bemerkt, während ich ein Unterwasserschiff restaurierte“, erzählt der passionierte Segler.

„Auf einmal zog einer meiner Bootsbauer den Stecker meiner Schleifmaschine, hielt mir einen Müsliriegel hin und meinte, ich solle mal Pause machen – Mona hatte ihn angerufen.“ Sie hatte den bedrohlichen Zuckerwert auf dem Display ihres Smartphones gesehen.

Messung in Real-Time

Bei der klassischen Blutzuckermessung können Patienten ihre Werte nur punktuell zu einzelnen Zeitpunkten überprüfen. Bastian Hauck nutzt hingegen eine innovative Technik, die seinen Gewebezucker kontinuierlich in Real-Time (rtCGM-System) misst. Bei dieser Messung wird mittels eines fadenförmigen Sensors fortlaufend alle fünf Minuten der Glukosegehalt direkt unter der Haut, zum Beispiel am Bauch, ermittelt.

Sie warnen frühzeitig vor zu niedrigen oder hohen Werten, bevor es zu Entgleisungen des Zuckers kommt.

Mit dem Sensor ist ein Sender verbunden, der die Messwerte automatisch an das dazugehörige Empfangsgerät überträgt. Der Betroffene weiß daher jederzeit, wie hoch sein Gewebezucker ist und erhält mit Trendpfeilen auf dem Display ebenfalls Informationen darüber, wie und wie schnell sich der Wert gerade ändert. Außerdem verfügt das System über Alarme mit individuell einstellbaren Grenzwerten.

Sie warnen frühzeitig vor zu niedrigen oder hohen Werten, bevor es zu Entgleisungen des Zuckers kommt – fachlich Hypo- oder Hyperglykämien genannt. Die gefährlichen Schwankungen des Auf und Ab des Zuckers sind so leichter wieder in Balance zu bringen. Damit das System verlässliche Werte anzeigen kann, wird es zwei Mal am Tag mit einem herkömmlichen Blut-zuckermessgerät kalibriert. Weitere Blutzuckermessungen zum Treffen von Therapieentscheidungen können unter bestimmten Voraussetzungen entfallen.

Daten auf dem Handy

Neben dem Empfänger ist es möglich, sämtliche Daten und Alarme auch auf einer iPhone-App zu erhalten. „Patienten profitieren von zahlreichen Vorteilen eines
rtCGM-Systems“, so Dr. Andreas Liebl, m&i Fachklinik Bad Heilbrunn. „Ob während des Schlafs oder im stressigen Arbeitsalltag – ein Sicherheitsalarm warnt automatisch vor Unter-, aber auch vor Überzuckerungen, die Diabetiker oftmals nicht mehr wahrnehmen.

Beruhigter leben ab sofort auch Angehörige, die Zugriff auf die Messwerte des Systems erhalten.

Studien1 belegen zudem, dass sich durch das regelmäßige Tragen eines solchen Systems der HbA1c-Wert (Anm. d. Red.: Blutzucker-Langzeitwert) verbessert.“ Ein Blick auf ihr Handy mit der App und schon haben auch Jugendliche einen Überblick über ihre Werte. Weiteres Plus: Blinde und Sehbehinderte können sich dank Voiceover-Funktion die Werte auch vorlesen lassen.

Mehr Sicherheit

Beruhigter leben ab sofort auch Angehörige, die Zugriff auf die Messwerte nach vorheriger Einladung durch den Nutzer des Systems erhalten und so den Zuckerverlauf aus der Ferne beobachten können – vorausgesetzt, Diabetiker und Angehörige nutzen Handys mit der jeweiligen App. „Eltern beispielsweise sehen so von überall, wie die Werte ihres Kindes in der Schule gerade sind“, zeigt sich Dr. Liebl von dieser Follower-Funktion begeistert.

rtCGM-Systeme werden von den gesetzlichen Krankenkassen bei insulinpflichtigen Diabetikern mit intensivierter Insulinbehandlung (ICT) erstattet. Das hat der Gemeinsame Bundesausschuss in seinem Beschluss vom 16. Juni 2016 in Berlin beschlossen. (Veröffentlichung im Bundesanzeiger, BAnz AT 06.09.2016 B3)

1 Šoupal J et al. Diabetes Technol Ther. Vol. 18, No. 9, 2016