Diese Tatsache wurde aber lange vernachlässigt, auch weil die Rolle der Fettleber in der Entstehung von Stoffwechselerkrankungen nicht genügend erforscht war. In den vergangenen fünf bis zehn Jahren trat die nichtalkoholische Fettleber aus diesem Schattendasein heraus, vor allem weil man im Rahmen von epidemiologischen Studien erkannt hat, dass die Fettleber ein starker und unabhängiger Risikofaktor für die Entstehung nicht nur von Leber-, sondern auch von Stoffwechselerkrankungen ist.

Fettleber tritt häufig zusammen mit Insulinresistenz auf

Darüber hinaus konnten meine Kollegen aus Tübingen und ich zeigen, dass ein Fehlen der Fettleber die wichtigste Determinante der metabolisch benignen Adipositas ist, also des „gesunden Dicken“. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Fettleber ein guter, insbesondere ein besserer Marker für Stoffwechselerkrankungen ist als das vermehrte Bauchfett. Zudem stellte sich heraus, dass beim Vorliegen einer Fettleber eine Insulinresistenz besteht, was vor allem bei der Therapie des Typ-2-Diabetes ein Problem darstellen kann.

In zehn bis 20 Prozent der Fälle tritt eine nichtalkoholische Fettleberhepatitis auf.

Ist die Fettleber nun eine ernst zu nehmende Begleiterkrankung des Diabetes? Um diese Frage beantworten zu können, muss man erstens klären, wie häufig sie beim Diabetes auftritt, zweitens direkte Effekte auf den Stoffwechsel dokumentieren und drittens untersuchen, ob sich die Therapie des Diabetes beim Vorliegen einer Fettleber ändern muss.

Jeder zweite Diabetespatient leidet unter Fettleber

Die Daten zur Häufigkeit der nichtalkoholischen Fettleber bei Erwachsenen sind mittlerweile sehr einheitlich. In den industrialisierten Ländern schätzt man sie auf mehr als 30 Prozent, bei Adipositas und Typ-2-Diabetes erreicht die Prävalenz Werte von 70 bis 90 Prozent.

Wie sieht es nun mit den Folgen der Fettlebererkrankung aus? In zehn bis 20 Prozent der Fälle tritt eine nichtalkoholische Fettleberhepatitis auf. Als Folge davon kommt es häufig zur Leberfibrose und Leberzirrhose bis hin zum Leberkrebs.

In Kollaboration mit Kollegen am Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam konnte unsere Arbeitsgruppe in Tübingen zeigen, dass das Fettleberprotein Fetuin-A unabhängig von der Blutglukose ein wichtiger Risikofaktor für die Entstehung des Metabolischen Syndroms, von Diabetes und von Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist.

Lebensstiländerung bessert Blutzucker- und Leberwerte

Wie sieht das Therapiekonzept des Diabetes beim Vorliegen eines fortgeschrittenen Stadiums einer Fettleber aus? Hierzu gibt es bislang leider keine gute Studienlage. Aus vielen Fallberichten ist allerdings ersichtlich, dass die Therapie des Typ-2-Diabetes individuell gestaltet werden muss.

Eine Sulfonylharnstofftherapie ist dabei meist nicht erfolgreich, und auch Metformin in Kombination mit Insulin führt oft nicht zum gewünschten Ziel. Vor allem beim Vorliegen einer Fettleberhepatitis brachte eine Diabetestherapie mit einem verstärkten Fokus auf eine Lebensstilmodifikation und/oder Gabe von Thiazolidinedionen oder sogenannten GLP-1-Analoga nicht nur eine Optimierung der Blutzuckerstoffwechsellage mit sich, sondern auch eine Normalisierung der erhöhten Leberwerte sowie eine Reduktion der Leberentzündung.

Schon bei beginnendem Diabetes auf das Vorliegen einer Fettleber achten

Somit erfüllt vor allem die nichtalkoholische, metabolisch maligne Fettleber die Kriterien einer wichtigen Ursache für Begleiterkrankungen beim Diabetes. Die Konsequenzen daraus sind nun, dass man vor allem bei der Therapie des Patienten mit Prädiabetes, einer Vorstufe des Diabetes, und bei Typ-2-Diabetes nach dem Vorliegen einer Fettleber fahnden und seine Therapie rechtzeitig danach ausrichten sollte.