Herr Steiner, Sie wurden im Alter von 18 Jahren mit der Diagnose „Diabetes Typ 1“ konfrontiert. Wussten Sie damals, was die Diagnose bedeutet?

Für mich bedeutete das im ersten Moment ein kleines Todesurteil. Ich wusste nichts über diese Krankheit. Diabetes hatte niemand in meiner Familie oder meinem Freundeskreis und dadurch bis dato keinerlei Rolle in meinem Leben gespielt. In dem kleinen Ort, in dem ich aufgewachsen bin, gab es zwar einen Jungen, der zuckerkrank war, doch der war auch taubstumm, brauchte eine dicke Brille und hatte auch sonst das ein oder andere Päckchen zu tragen.

Was taubstumm bedeutet, wusste man, was genau zuckerkrank hieß, war mir nicht klar. Nur, dass er immer seinen Traubenzucker brauchte, wenn er umfällt. Das war für mich zu diesem Zeitpunkt Diabetes. Als ich dann durch den Arzt erfuhr, was ich durch die Diagnose jetzt alles nicht mehr darf und was sich alles ändert, war das ein Schock für mich: Das Leben hat noch nicht einmal richtig begonnen, schon ist es wieder vorbei.

Haben Sie sich als Außenseiter gefühlt?

Dazu kam es gar nicht erst. Als ich im Krankenhaus war, bekam ich jeden Tag Besuch von meinen Freunden. Teilweise waren 25 Leute in meinem Zimmer. Wir haben mehr Dummheiten gemacht, wie zu testen, wie viele Leute das elektrische Krankenbett hoch- und runterbefördern kann, als uns über die Krankheit zu unterhalten. Dadurch wurde ich vom ersten Moment an aufgefangen – das hat mir sehr geholfen.

Sie selbst waren bei der Diagnose noch sehr jung. Was möchten Sie jungen Patienten und ihren Eltern raten?

Von allgemeinen Ratschlägen halte ich nicht besonders viel, da die Diabetesbetreuung immer eine Individualbetreuung ist. Doch eins ist bei jedem gleich: Wenn man sich gegen die Krankheit wehrt, dann bekommt man dafür auch die Quittung. Man muss den Regeln des Diabetes folgen, die Krankheit akzeptieren, um ein schönes Leben zu führen.

Wie hat sich Ihr Leben durch die Diagnose verändert?

Ich habe sehr schnell wieder angefangen, Sport zu machen, obwohl der Arzt mir davon abriet. Dennoch habe ich mich schon im Krankenhaus auf einen Hometrainer gesetzt. Ich merkte, dass es mir besser geht und Sport meinem Körper guttut. Das erleichterte mich sehr, denn damals war gerade der Wendepunkt vom Laien- zum Profisport. Natürlich musste ich Zucker messen und lernen, mit der Krankheit umzugehen, doch der Sport half mir sehr.

Sie haben trotz Diabetes eine steile Sportlerkarriere hingelegt. Wie bekommt man das unter einen Hut: die persönlichen Grenzen zu sprengen und dabei den Diabetes nicht aus den Augen zu verlieren?

Beides verlangt unheimlich viel Disziplin. Ein geregeltes Leben, zu schauen, was dem Körper guttut, Regenerationszeiten – das gibt sich irgendwo die Hand. Wenn der Zucker dann doch mal entgleist ist, was ab und zu beim Hochleistungssport vorgekommen ist, ist es unheimlich schwer, das Training normal fortzusetzen. Es gab auch immer mal wieder Trainingseinheiten, die ich verschieben musste. Dann siegt die Vernunft. Mein Glück war, dass ich ein tolles Team um mich hatte.

Inwiefern?

Ich habe einen Arzt gefunden, der perfekt für meine Bedürfnisse war. Das möchte ich auch jedem Diabetiker mit auf den Weg geben, sich einen guten Diabetesarzt zu suchen. Doch den zu finden ist gar nicht so einfach. Denn ein Diabetesarzt ist nicht nur Arzt, sondern auch ein guter Psychologe, der den Patienten versteht, ihn an die Hand nimmt und auf seinem Weg begleitet, ihn motiviert und für individuelle Bedürfnisse Ansprechpartner ist.  

Sie sind nun nach Beendigung Ihrer offiziellen Sportlerkarriere auf eine Insulinpumpe umgestiegen. Was hat Sie zu der Entscheidung bewegt?

Während meiner aktiven Sportlerzeit habe ich mich das nicht getraut, denn man hört ja alles Mögliche über die Pumpe, beispielsweise, dass die Umstellung fünf Jahre dauert. Also habe ich mich erst nach der Karriere zu diesem Schritt entschieden. Heute will ich nie wieder etwas anderes, denn durch die Pumpe hat sich meine Lebensqualität maßgeblich erhöht.

Viele Übergewichtige, gerade auch an Diabetes erkrankte, haben große Schwierigkeiten, ihr Wohlfühlgewicht zu erreichen und dauerhaft zu halten. Sie haben gezeigt, dass es möglich ist. Wie haben Sie es geschafft, Ihr Gewicht auf gesunde Art dauerhaft zu reduzieren?

Um sein Wunschgewicht zu erreichen und auch dauerhaft zu halten sollte man sich Zeit lassen und sich mit der Wirkung der Lebensmittel auf den eigenen Körper beschäftigen. Ich habe mir gut ein Jahr Zeit gelassen, hatte aber immer mein Ziel, 45 Kilo abzunehmen, klar vor Augen. Man sollte mit Spaß an die Sache ran gehen und sich auch immer mal wieder ein Stück Torte oder Schokolade gönnen. Wer nur nach einem strikten Diätplan lebt wird dauerhaft keinen Erfolg haben. Ich habe ein 12 Wochen-Online-Programm entwickelt (www.steinerprinzip.com) mit dem jeder - egal ob Sportmuffel oder Gelegenheitssportler - sein Wunschgewicht erreichen kann mit nur dreimal 20 Minuten Sport in der Woche und vielen Ernährungstipps, leckeren Rezepten und Motivation.

Welche Tipps haben Sie für andere Menschen, die auf Grund ihres Diabetes mit ihrem Gewicht ringen?

Sucht euch eine Bewegung die euch Spaß macht - Spazieren gehen, Joggen, Schwimmen oder Radfahren. Und versucht dann Schritt für Schritt eure Muskulatur aufzubauen, denn Muskeln verbrennen Zucker. Je mehr Muskeln wir also haben desto besser haben wir unseren Diabetes im Griff.