Während die Heilung der Krankheit derzeit noch außer Reichweite scheint, sind im Bereich der Diabetestechnologie in den letzten Jahren dennoch entscheidende Meilensteine erreicht worden. „Systeme zur kontinuierlichen Glukosemessung“ (CGM) sind nach zehn Jahren Diskussion endlich erstattungsfähig geworden, das heißt, die Kosten werden bei entsprechenden Voraussetzungen von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. CGMs bieten viele Vorteile, denn sie können die Diabeteseinstellung, aber auch die Lebensqualität der Menschen verbessern. Diese Geräte messen über einen dünnen Sensor im Unterhautfettgewebe bis zu 1.400 Mal täglich Zuckerwerte. Der Patient kann so mitverfolgen, wie sich seine Glukosewerte im gesamten Tages- und Nachtverlauf verändern, und wird alarmiert, wenn Unter- oder Überzuckerungen drohen. Gerade bei Vorliegen einer Unterzuckerungswahrnehmungsstörung oder wenn – zum Beispiel aufgrund einer Schwangerschaft – sehr enge Grenzwerte eingehalten werden sollen, kann ein CGM wertvolle Dienste leisten. Die Blutzuckermessung entfällt allerdings bei einer CGM-Nutzung nicht vollständig. Denn je nach Gerät ist zumindest eine Kalibrierung zweimal täglich notwendig, zum Teil die Ermittlung des Blutzuckers vor jeder Insulingabe.

Ein Sensor unter der Haut misst permanent den Gewebezucker.

Eine weitere Innovation lässt aber den Traum vieler Menschen mit Diabetes wahr werden: Eine Bestimmung der Glukosewerte ohne Blut ermöglicht das „Flash Glucose Monitoring“ (FGM), bei dem keine Kalibrierung mehr erforderlich ist. Wie beim CGM befindet sich beim FGM der Sensor im Unterhautfettgewebe. Das FGM ist eine technische Revolution, viele Krankenkassen übernehmen jetzt aufgrund von Satzungsänderungen die Kosten, da das System bisher nicht, wie das CGM-System, im Hilfsmittelverzeichnis gelistet ist. Das Scannen hat große Vorteile: Das lästige Piksen in die Fingerkuppe entfällt und das Überprüfen der Zuckerwerte ist jederzeit problemlos möglich, zum Beispiel beim Autofahren. Voraussetzung für eine korrekte Nutzung beider Systeme ist eine intensive Schulung durch ein Diabetesteam.

Ein Sensor, der automatisch den Gewebezucker misst, und eine Pumpe, die die richtige Menge Insulin abgibt, das also in der Wirkweise einer künstlichen Bauchspeicheldrüse entspricht, wäre das Nonplusultra in der Diabetes-therapie für insulinpflichtige Menschen. Ein erster Schritt in diese Richtung ist das Hybrid-Closed-Loop-System. Ein Sensor unter der Haut misst permanent den Gewebezucker. Der Patient gibt zu den Mahlzeiten noch die Kohlenhydratmenge, die er essen möchte, in die Pumpe ein. Ein Algorithmus übernimmt dann die Steuerung der Insulinpumpe für die Anpassung der notwendigen Insulindosis. Erste Forschungsergebnisse zeigen, dass der nächste Schritt in Richtung „künstliche Bauchspeicheldrüse“ viele Vorteile für die Patienten hätte: Der Computer arbeitet viel präziser, als das manuell möglich ist. So kann der Blutzucker wesentlich stabiler gehalten werden. Vor allem nachts kann dieses Hybrid-Closed-Loop-System vor schweren Unterzuckerungen schützen, die insbesondere bei Menschen mit Typ-1-Diabetes eine Rolle spielen. Die Menschen würden immer häufiger morgens mit normalen Blutzuckerwerten aufwachen, was für viele ein ganz neues Lebensgefühl bedeuten würde. Es sind schon zahlreiche Studien erfolgreich abgeschlossen worden, mit der Zulassung des ersten Gerätes in Deutschland wird 2018 gerechnet. In circa fünf Jahren könnte dann der Traum des vollständigen Closed-Loop-Systems, bei dem der Patient gar keine Eingaben mehr machen muss, wahr werden.