Mit welchen neuen Behandlungsmethoden könnte Erkrankten in Zukunft besser geholfen werden?

In Deutschland bündeln Diabetes-Experten ihr Wissen, um diese Fragen zu beantworten: Die Bundesregierung gründete 2009 das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung (DZD) – einen Verbund aus führenden Forschungsinstitutionen, die mit nationalen und internationalen Partnern kooperieren.

„Gemeinsam lassen sich diese Ziele effektiver erreichen. Grundlagenforschung und klinische Studien, die deutschlandweit durchgeführt werden, bauen zielgerichtet aufeinander auf. Die Patienten profitieren davon, dass die Ergebnisse schneller in die Praxis umgesetzt werden können“, erläutert Prof. Martin Hrabě de Angelis, DZD-Vorstand und Direktor des Instituts für Experimentelle Genetik am Helmholtz Zentrum München.

Individuelle Diabetesprävention

Die häufigste Form des Diabetes ist der Typ 2, der durch genetische Vorbelastung und ungesunden Lebensstil entstehen kann. Wie hoch das persönliche Risiko dafür ist, können Erwachsene mit dem vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) entwickelten Diabetes-Test (DIfE – DEUTSCHER DIABETES-RISIKO-TEST®) ermitteln. Der Test kann unter www.dzd-ev.de direkt durchgeführt werden.

Bei erhöhtem Risiko ist eine Änderung des Lebensstils wichtig. Doch nicht jeder spricht auf die gleichen Empfehlungen an. Die Prädiabetes-Lebensstil-Interventions-Studie (PLIS) untersucht dieses Phänomen. „Ziel der Studie ist, personalisierte Präventionsstrategien zu entwickeln“, erklärt Prof. Hans-Ulrich Häring, DZD-Vorstand und Ärztlicher Direktor der Medizinischen Klinik IV der Universität Tübingen.

Um neue Wege zu finden, den gefürchteten Diabetes-Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall vorzubeugen, wurde die Deutsche Diabetes-Studie (DDS) initiiert. Prof. Michael Roden, DZD-Vorstand und wissenschaftlicher Geschäftsführer des Deutschen Diabetes-Zentrums in Düsseldorf, berichtet: „Wir begleiten neu diagnostizierte Patienten, um den Krankheitsverlauf besser zu verstehen und so Folgeschäden zu verhindern.“

Der Schwangerschaftsdiabetes ist eine Sonderform, die zu Komplikationen für Mutter und Kind führen kann. Daher ist es wichtig, betroffene Frauen rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln. Hier setzt die Deutsche Gestationsdiabetes Studie (PREG) des DZD an.

Eine weitere Form des Diabetes ist der Typ 1, bei dem das körpereigene Immunsystem insulinproduzierende Zellen der Bauchspeicheldrüse zerstört. Diese Erkrankung tritt in jungen Jahren auf. Charakteristische Antikörper sind bei den Betroffenen schon vorher im Blut vorhanden. Zur besseren Früherkennung konnten in einer internationalen Studie, an der Frau Prof. Anette-Gabriele Ziegler vom Helmholtz Zentrum München beteiligt war, inzwischen Antikörper-Typen identifiziert werden, mit deren Hilfe sich das Erkrankungsrisiko vorhersagen lässt.

Neue Therapieansätze

Für Menschen mit Typ 1 Diabetes entwickelte die Forschergruppe um Prof. Stefan Bornstein an der Technischen Universität Dresden eine künstliche Bauchspeicheldrüse, die vor Angriffen durch das Immunsystem geschützt ist. Das Modell ist so erfolgreich, dass es bereits am Patienten getestet werden konnte.

Auch bei der medikamentösen Therapie des Typ 2 Diabetes gibt es innovative Ansätze. Prof. Matthias Tschöp vom Helmholtz Zentrum München entwickelte mit seinen Kollegen ein neues Arzneimittel, das die Wirkweisen von zwei Darmhormonen vereint. Diese beeinflussen den Appetit, die Insulinfreisetzung und die Fettverbrennung. Der Stoffwechsel verbesserte sich in ersten Studien dadurch nachweislich.