Denn mit einer trockenen Vagina ist Sex kaum möglich; und wenn es doch versucht wird, entstehen häufig schmerzhafte Verletzungen in der Wand der Vagina. „Frauen befürchten, dass ihr Partner denkt, sie hätten einen anderen oder wollten sich von ihm zurückziehen“, berichtet Dr. med. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte e. V. und niedergelassener Frauenarzt in Hannover.

Genauso steht die Furcht im Raum, dass die vaginale Trockenheit ein Zeichen für die beginnenden Wechseljahre sein könnte und dass jetzt Schluss sei mit befriedigendem und schmerzfreiem Sex.

„Wichtig ist, dass die Frau sich überlegt, wann das Symptom begonnen hat und welche Veränderungen es in dieser Zeit gegeben hat“, erläutert der Frauenarzt. Manchmal tritt vaginale Trockenheit nach einer Pilzinfektion im Intimbereich auf. Manchmal liegt es auch an der Verhütung, denn bei Pillen mit einem sehr niedrig dosierten synthetischen Östrogenanteil wird gelegentlich die Schleimproduktion in der Vagina beeinträchtigt. Auch Erkrankungen der Schilddrüse oder der Haut, Diabetes oder Arzneimittel gegen Bluthochdruck, gegen Allergien und auch Antihormontherapien – zum Beispiel bei einer Krebserkrankung – können zu einer verminderten Feuchtigkeit in der Vagina beitragen.

„In anderen Fällen handelt es sich tatsächlich um Angst vor dem Sex, wenn es beim letzten – oder ersten – Mal geschmerzt hat. Hier müssen beide Partner langsam und mit Gefühl agieren. In fortgeschrittenem Alter handelt es sich meist um Anzeichen eines Östrogenmangels im Vorfeld der Wechseljahre“, erläutert Dr. Albring. „Jedenfalls lässt sich häufig eine medizinische Ursache finden und abstellen.

Wenn ein Hormonproblem zugrunde liegt, helfen Gele und Cremes, die lokal wirksames Östrogen enthalten, dass die Schleimhaut der Vagina sich wieder aufbaut. Dass die Partnerschaft unter einer vaginalen Trockenheit leidet, die körperlich bedingt ist, ist jedenfalls vermeidbar.“ Einen Tipp hat der Frauenarzt noch: Wenn Gleitgele aus dem Drogeriemarkt verwendet werden, dann nicht unbedingt solche, die angeblich den Orgasmus verstärken. Denn in solchen Gels werden Substanzen verwendet, die ein lokales Wärmegefühl und Prickeln erzeugen sollen. „Das kann aber auch den Effekt von Pfefferspray haben und reizen, vor allem wenn die Haut der Vagina ohnehin schon verletzlich und angegriffen ist.“