Krankheiten wie Aids, Krebs oder Ebola zeigen, dass das Immunsystem leider manchmal nicht stark genug ist und uns Wissenschaftlern die Aufgabe auferlegt, schützende Mechanismen zu erkennen und in einer Krankheitssituation von außen therapeutisch zu unterstützen. Andererseits wird aber auch zunehmend deutlich, bei wie vielen Krankheiten das Immunsystem eine schädigende Wirkung hat.

Oft hat dies seinen Ursprung in der Vielfalt zu bearbeitender Aufgaben (zum Beispiel Abwehr von Viren, Krebszellen, Würmern), für die das Immunsystem im Sinne einer Arbeitsteilung unterschiedliche Reaktionswege entwickelt hat. Diese kontrollieren sich gegenseitig und liegen bei Gesunden in einem sinnvollen Gleichgewicht zueinander vor.

Bei manchen Krankheiten überwiegt aber ein Reaktionsweg – und die dabei involvierten Immunzellen sind dann an der Krankheitsausprägung beteiligt. Ein Beispiel ist hier etwa die krankheitsauslösende Rolle von Th17-Lymphozyten (eine bestimmte Art von weißen Blutkörperchen) bei der multiplen Sklerose, obwohl diese Zellen beispielsweise für die Abwehr von Pilzen sehr wichtig sind.

Die Gesamtzahl der Bakterien an und in unserem Körper ist mindestens so hoch wie die unserer Körperzellen.

Neben den Verschachtelungen verschiedener Immunmechanismen erkennt man auch zunehmend die Rolle der Umwelt für den Aufbau eines störungsfrei arbeitenden Immunsystems.

Im Besonderen erkennt man hier gerade in den letzten Jahren die überragende Rolle der bakteriellen Flora. Die Gesamtzahl der Bakterien an und in unserem Körper ist mindestens so hoch wie die unserer Körperzellen.

Dabei haben die Komposition der Flora und ihr zeitliches Entstehen offenbar einen entscheidenden Einfluss auf die Reifung des Immunsystems. So schützt das Milieu auf einem Bauernhof Kinder vor der Ausbildung von Allergien. Obwohl noch nicht formal bewiesen, wäre eine gestörte Auseinandersetzung mit Umweltbakterien in unseren Industrieländern auch eine sehr gute Erklärung für den dortigen Anstieg an Autoimmunerkrankungen, also Zuständen, bei denen das Immunsystem gegen den eigenen Körper reagiert und dadurch Krankheiten verursacht.

Die Deutsche Gesellschaft für Immunologie (DGfI) unterstützt mit ihren derzeit circa 2.500 Mitgliedern Forschung in all den angesprochenen Bereichen, von der Erforschung der Mechanismen im Immunsystem bis hin zu deren Störung bei Autoimmunerkrankungen.

Dadurch werden bedeutende Grundlagen für die Diagnose und Behandlung von Krankheiten geschaffen. Ein besonderes Anliegen ist uns hierbei, die Bevölkerung über die Notwendigkeit dieser Forschung zu informieren und auch die hierfür nötigen Ressourcen zu erklären, seien sie finanzieller Art oder so emotional wie der dringend notwendige Einsatz von Tierversuchen.

Insoweit beglückwünschen wir die Redaktion von Mediaplanet zur gewählten Thematik und wünschen den geneigten Leser(inne)n eine gute Lektüre bei der sehr gelungenen Auswahl an Artikeln.