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„Es kann sich jeden Moment alles ändern“

Sie sind seit 2011 an Knochenkrebs erkrankt, der Krebs ist dreimal zurückgekehrt. Wie geht es Ihnen aktuell?

Momentan bin ich ehrlich gesagt geschwächt. Da ich nun eine neue Therapie angefangen habe, die ziemlich starke Nebenwirkungen zeigt. Es ist zwar keine Chemotherapie mehr. Die Auswirkungen auf den Körper zeigen sich aber leider ähnlich. Der Alltag fällt mir dadurch ganz schön schwer. Aber ich versuche ihn natürlich trotzdem irgendwie zu meistern, damit ich auch weiterhin zur Schule gehen kann.

Kürzlich sind Sie in die USA zu einem weltweit anerkannten Sarkomexperten am MD Anderson Cancer Center in Houston, Texas geflogen. Welche Behandlungsmethoden werden dort angeboten und können Ihnen diese neuen Ansätze helfen?

Ja, wir sind dort hingeflogen, weil es dort noch viel mehr Studien zu neuen Medikamenten gibt als hier in Deutschland. Und wir hatten gehofft, dass ich vielleicht in eine dieser Studien aufgenommen und mit einem der Medikamente behandelt werden könnte, die gerade dort erprobt werden. Das sind alles Therapien, die sich spezifisch mit dem Aufbau der Tumorzelle befassen und nicht mehr generell alle sich schnell teilenden Zellen töten sollen, so wie die Chemotherapie. Das Problem für mich war, dass mir kurz vorher meine Metastasen, die wieder frisch entdeckt worden waren, heraus operiert wurden. Somit hatte ich keinen sichtbaren Tumor mehr im Körper, den man während der Gabe eines solchen neuen Mittels hätte beobachten können – ob er sich in irgendeiner Form verändert. Das wäre jedoch die Zugangsvoraussetzung gewesen und daher konnte ich leider in keine Studie aufgenommen werden.

Sie schreiben in einem Blog über Ihre Erkrankung und Ihr Leben drumherum. Warum?

Ich bin ja nun schon ziemlich lange an Krebs erkrankt. Ich bin mittlerweile bald 8 Jahre mit dabei und ich habe sehr viel gelernt, was ich gerne weitergeben möchte an alle, die vielleicht noch etwas unerfahrener sind. Und damit meine ich nicht nur das Medizinische, nicht nur die Abläufe im Krankenhaus und worauf man als Patient leider alles selber achten muss, sondern auch alles drumherum. Wie man damit umgeht, wie man die Stärke behält, das durchzustehen. Vor allem möchte ich meinen Lesern immer wieder sagen, dass es das Wichtigste ist, trotzdem immer so gut es geht zu lachen und die kleinen Dinge des Lebens wertzuschätzen, auch wenn alles so unglaublich unfair scheint. Denn das ist das, was einen oben hält und was einem Kraft gibt und einen durch solch eine Krankheit durchbringt. Reaktionen bekomme ich natürlich ganz viele. Ich öffne vielen ein wenig die Augen und gebe ihnen neuen Mut. Sie sind sehr, sehr dankbar dafür und das macht mich unglaublich glücklich.

Eine so schwere Erkrankung verändert auch das gesamte Umfeld. Wie haben Sie das in Ihrem Fall wahrgenommen?

Das private Leben hat sich komplett verändert. Man geht nicht mehr zur Schule. Man sieht seine Freunde viel weniger. Man hat plötzlich eine Wendung von 180 Grad, weil sich das ganze Leben nur noch im Krankenhaus abspielt und man schon als 12-jährige Krebspatientin mehr medizinische Begriffe kennt als so mancher Medizinstudent. Viele aus dem privaten Umfeld entfernen sich, weil sie sich selbst nicht so viel mit dem Thema Krebs beschäftigen wollen. Dadurch habe ich viele Freunde verloren. Ich habe aber durch die Krankheit auch ganz viele liebe Menschen, unglaubliche Kämpfer, kennengelernt. Menschen, die mit nur einem Blick verstehen, was man meint, weil sie einfach genau in der gleichen Situation sind. Und meine Mama, die war immer für mich da. Die ist zu jedem Krankenhausbesuch mitgekommen und hat auf mich aufgepasst wie eine Löwin. Dafür bin ich ihr sehr, sehr dankbar.

Was hat Sie während der komplexen und umfangreichen Behandlungen am meisten belastet?

Ich denke, einfach die Tatsache, dass man von heute auf morgen in ein neues Leben gepresst wurde, das man nicht wollte und auf das man überhaupt nicht vorbereitet wurde. Alles war plötzlich anders und der Alltag wurde nicht von mir bestimmt, sondern von meinem Krebs. Es ging einem plötzlich so schlecht. Man hatte keine Kontrolle mehr über seinen Körper. Musste teilweise im Rollstuhl geschoben werden, nur weil man so schwach war. Und das passte überhaupt nicht zu mir. Aber es blieb einem nichts anderes übrig, als es zu akzeptieren. Und das war manchmal ganz schön schwer.

Zwischenzeitlich waren Sie in der Schule, wollten gerade Ihr Abitur machen. Wie war die Rückkehr in die Klasse?

Als ich zurück in die Schule kam, war ich ja automatisch in einen neuen Jahrgang. Denn mein eigentlicher Jahrgang hatte inzwischen Abitur gemacht. Aber aufgenommen wurde ich von denen wirklich super. Das Thema Krebs war gar nichts Schlimmes. Im Gegenteil, alle waren ziemlich interessiert und ganz schön überwältigt. Denn keiner in meinem Alter befasst sich sonst mit der Thematik. Ich werde aber wirklich von allen unterstützt und das finde ich echt toll.

Wer oder was kann Ihnen in dieser Achterbahn Kraft geben?

Am meisten Kraft geben mir meine Familie und meine Freunde. Vor allem meine Mama und mein Freund sind dabei eine große Stütze. Meine Mutter war und ist die ganze Zeit bei mir und wir sind ein eingespieltes Team. Sie weiß ganz genau, wann ich was brauche und was mir gut tut. Auch mein Freund begleitet mich jetzt bald 5 Jahre durch diese ganze Zeit. Er ist derjenige, der immer weiß, wie er mich zum Lachen bringt oder wie er mir eine Freude macht.

Sie können, wie Sie schreiben, „trotz des ganzen Mists immer noch lachen“ – Ihr Humor ist dann Heilung für die Seele?

Ich denke, Humor ist nicht nur Heilung für die Seele, sondern wirklich auch für den Körper. Lachen tut dem Körper einfach gut, macht einen stark, und dadurch kann man besser durchhalten. Das beweisen mir auch gerade einige Bücher, die ich lese. In denen wirklich beschrieben wird, wie Krankheiten durch Lachen geheilt wurden. Und wenn ich mal ganz ehrlich bin, ist es sehr untypisch, dass ich schon acht Jahre mit dieser Krankheit durchhalte. Ich glaube, ich habe da viel meiner positiven Einstellung und meinem vielen Lachen zu verdanken.

Sie schreiben, dass Sie „viel über das Leben und die kleinen Momente, die oft viel, viel wichtiger sind als alles andere“, gelernt haben. Können Sie ein paar Momente beschreiben?

Ich habe gelernt, dass es unheimlich wichtig ist, sich zwischendurch mal bewusst zu machen, was man gerade alles Wundervolles hat. Mir haben oft die einfachsten Dinge gefehlt: das eigene Bett, normal duschen gehen, einfach zu Hause auf der Couch sitzen und fernsehen. Oder nur die Möglichkeit, rauszugehen und frische Luft atmen zu können.

Darüber hat man sich früher nie Gedanken gemacht, weil es einfach selbstverständlich war. Jetzt ist es für mich ein riesiges Geschenk, weil ich weiß, es kann sich jeden Moment alles ändern. Dadurch gehe ich einfach viel dankbarer und somit auch viel glücklicher durch die Welt. Weil ich weiß, wie wertvoll die kleinsten Kleinigkeiten sind und wie furchtbar es ist, wenn sie einem plötzlich genommen werden.

Wer Katharina bei ihrem Kampf gegen den Krebs unterstützen möchte, findet mehr Informationen in ihrem Blog: www.kinderhilfe-ev.de/kathis-blog.

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