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TABU

Gemeinsam gegen sexuellen Missbrauch

Foto: DUNKELZIFFER E.V.

Seit 1993 setzt sich Dunkelziffer e.V. für Kinder und Jugendliche ein, die sexuelle Gewalt erfahren haben – mit Beratung, Therapie, Bereitstellung von Opferanwälten, Prävention vom Kindergartenalter bis zu weiterführenden Schulen und Fortbildung für kindernahe Berufsgruppen.

Vera Falck

Vorstand Dunkelziffer e.V.

Vielen Mädchen und Jungen ist keine unbeschwerte Kindheit vergönnt. Sie werden vernachlässigt, misshandelt und sexuell missbraucht. Die Täter und zunehmend auch Täterinnen stammen zu 75 % aus dem sozialen Umfeld der Kinder, d.h. es sind Erwachsene, denen die Mädchen und Jungen vertrauen.

Jährlich werden in Deutschland laut Statistik des Bundeskriminalamtes ca. 14 000 Fälle sexueller Gewalt an Kindern von 0 bis 14 Jahren angezeigt. Experten schätzen die Dunkelziffer mindestens 10 bis 15 Mal höher. Das bedeutet, dass jährlich über 200 000 Kinder sexuelle Gewalt erleiden. Statistisch gesehen sitzt in jeder Schulklasse ein Kind, das sexuelle Übergriffe erlebt hat. Betroffen ist jedes 4. Mädchen und jeder 7. Junge.

Diese Tatsache macht deutlich, wie wichtig Information, Aufklärung und Prävention zum Thema Kindesmissbrauch sind.

Bis vor einigen Jahren war sexuelle Gewalt gegen Mädchen und Jungen ein absolutes Tabu. Ein Randthema unserer Gesellschaft ist es bis heute. Dabei sollte der Schutz von Kindern für alle Menschen selbstverständlich sein. HINSEHEN-HELFEN-HANDELN ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Eltern und pädagogische Fachleute müssen lernen, diese Sprachlosigkeit zu überwinden. Nur so ist frühzeitige Hilfe möglich. Sie müssen darüber informiert sein, dass sexueller Missbrauch dort beginnt, wo ein Erwachsener oder Jugendlicher seine körperliche und geistige Überlegenheit ausnutzt, um eigene Bedürfnisse auf Kosten von Kindern zu befriedigen. Ebenso sollten sie wissen, dass Sexualerziehung schon im Kleinkindalter beginnt und Kinder bereits im Kindergartenalter altersgerecht sensibilisiert werden sollten. Wichtig ist es, den Kindern Orientierung und Regeln an die Hand zu geben, ihnen zu vermitteln, dass sie, wo auch immer sie sind, sich fragen sollten, ob sie ein gutes oder ein schlechtes Gefühl haben und ob jemand weiß, wo sie sich aufhalten.


Unabdingbar ist im Rahmen der Sexualerziehung an Schulen, Missbrauch und Misshandlungen nicht nur gelegentlich zu thematisieren, sondern sie als Bestandteil ins Lehrprogramm zu integrieren. Prävention stärkt das Selbstbewusstsein von Mädchen und Jungen und dient dem Schutz und der Achtsamkeit der Kinder. Prävention hat aber auch eine große Bedeutung bei bereits eingetretenem Missbrauch. Mädchen und Jungen realisieren nicht selten durch die Präventionsprojekte, dass sie bereits Opfer geworden sind. Sie finden eine Sprache für das Geschehene und können sich Hilfe holen.

Sexueller Missbrauch ist eine traumatische Erfahrung, die zu schweren psychischen Erkrankungen führen kann, mitunter erst nach vielen Jahren. Frühzeitige psychotherapeutische Hilfe ist wichtig. In der Therapie lernen die Kinder, eigene Gefühle wieder wahrzunehmen, Vertrauen zu fassen und Stärke für eine sichere Zukunft zu entwickeln.

Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit des Vereins ist der Kampf gegen Kinderpornografie im Internet. Die Verbreitung und das Zusenden von kinderpornografischen Bildern machen auch vor Kindern und Jugendlichen nicht halt, die diese dann oft leichtfertig untereinander teilen und weiterleiten.  Dunkelziffer fordert schon seit langem, dass Medienkompetenz ebenso wie Sexualerziehung verpflichtend an Schulen unterrichtet wird. Nur so gelingt es, Kinder vor dem Trauma sexueller Übergriffe im Netz zu bewahren.

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Weitere Informationen über den Dunkelziffer e.V. finden Sie unter www.dunkelziffer.de

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