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Männer, bleibt gesund!

Die Tastuntersuchung ist vom Tisch

Foto: Shutterstock, 2529398429

Die Awareness Deutschland gGmbH sensibilisiert mit ihrer Blue Ribbon Initiative für die Wichtigkeit der frühen Erkennung von Prostatakrebs. Hier im Gespräch mit Prof. Albers, Studienleiter der PROBASE Studie am dkfz und Chefarzt der Urologie am Uniklinikum Düsseldorf.

Blue Ribbon: Laut aktualisierter S3 Leitlinie Prostatakrebs, an der sich ÄrztInnen orientieren, ist die Tastuntersuchung vom Tisch?

Prof. Albers: Ja, die Digital Rektale Untersuchung (DRU) ist nicht nur durch die PROBASE Studie, sondern auch durch eine Meta-Analyse weiterer Studien, als Früherkennungsmethode tatsächlich jetzt vom Tisch, weil damit zu wenige Tumore im Frühstadium gefunden werden. Ich glaube, das wird nun auch gesundheitspolitische Entscheidungen zur Früherkennung beeinflussen, denn die Tastuntersuchung ist ja seit über 50 Jahren immer noch der Standard, der von den Kassen empfohlenen Prostatakrebs-Früherkennung. Wir konnten selbst Tumore, die wir im MRT gesehen haben, nur zu 14 Prozent tasten.

Damit werden beim Tasten in der Schlussfolgerung Tumore im frühen Stadium übersehen?

Nicht nur das. Der zweite Punkt ist, dass durch das Ertasten gutartiger Befunde auch ein quantifizierbarer Schaden verursacht wird. Neben übersehenen Karzinomen entstehen umgekehrt auch diese falsch-positiven Befunde, die als Konsequenz viele Tests und invasive Diagnostik auslösen. Auch Ängste bei den Patienten.

Ist der PSA-Wert, also die Blutabnahme, ein sinnvoller Ersatz? Es gehen, je nach Quelle nur 16-23% der Männer zum Check. Ohne sinnvollen Ersatz geht wahrscheinlich niemand mehr.

Das wäre tatsächlich zu befürchten.

Es gibt aber keinen Grund, die Früherkennung nur deshalb zu meiden, weil man Angst vor der sogenannten Hafenrundfahrt hat. Ich kann mich mit einem einfachen Bluttest darum kümmern.

In der PROBASE Studie entstehen gerade Ergebnisse, die ein auf den einzelnen Mann abgestimmtes, risikobasiertes PSA-Screening nahelegen. Ohne familiäre Vorbelastung beginnt die Früherkennung mit einem einmaligen sogenannten Basis-PSA-Wert im Alter von 45 bis 50 Jahren. Wenn der Wert in dieser Altersgruppe unter 1,5ng/ml liegt, konnten wir zeigen, dass man mindestens fünf Jahre keine weiteren Untersuchungen braucht, weil der Wert in dieser Zeit nicht ansteigt und fast keine Karzinome gefunden wurden.

Was mache ich aber, wenn ich schon 60 Jahre oder älter bin und erst dann meinen ersten Wert bestimme?

Dann sind wir mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bei einer zusätzlichen MRT Untersuchung zur Abklärung. Es sei denn der Wert liegt unter 1,5ng/ml. In diesem Alter gibt es aber nicht mehr viele, die einen so tiefen Wert haben. Ab 3ng/ml beginnt die Diagnostik.

Blue Ribbon – die Prostatakrebs Aufklärungsinitiative

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