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Home » Frauengesundheit » Chronische Schmerzen statt “typischer Regel-Beschwerden”: Der Alltag mit Endometriose
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Melinas Erfahrungen mit Endometriose

Melina Tippel

Endometriose-Betroffene

Ich war 17, als die Schmerzen so stark wurden, dass sie meinen Alltag bestimmten. Schule, später Arbeit und soziale Termine mussten sich meinem Zyklus unterordnen. Über Jahre hinweg wurden diese Schmerzen nicht ernst genommen. „Das ist normal“, hieß es. „Regelschmerzen gehören dazu.“ Ich glaubte es, weil mir nichts anderes blieb.

Mit 22 kam die Diagnose eher beiläufig als geplant. Bei einem operativen Eingriff wurden Endometrioseherde entdeckt und entfernt. Plötzlich hatte das Leiden einen Namen. Was fehlte, war eine Einordnung: keine ausführliche Aufklärung, kein Gespräch darüber, was diese Erkrankung bedeutet oder welche Konsequenzen sie für mein Leben haben würde.

Die Zeit danach war von Unsicherheit geprägt. Ich probierte aus, was mir angeboten wurde: Schmerzmittel und Hormontherapien. Vieles davon brachte Nebenwirkungen mit sich, die mein Leben zusätzlich erschwerten. Müdigkeit, emotionale Veränderungen, das Gefühl, mich selbst zu verlieren. Die Schmerzen waren zeitweise gedämpft, verschwanden aber nie vollständig.

Zurück blieb ein permanenter Ausnahmezustand und die Frage, wie lange man so funktionieren kann.

Ich begann, mich intensiver mit der Krankheit auseinanderzusetzen. Ich las Studien, sprach mit anderen Betroffenen und versuchte zu verstehen, was in meinem Körper passiert. In dieser Zeit brachte mein damaliger Partner einen Gedanken ins Spiel, der mir zunächst fern lag: Cannabis als Teil einer Schmerztherapie. Er arbeitet als Arzt in der Gynäkologie und kennt Cannabis aus der Schmerztherapie bei Krebspatient*innen. Als anerkannte Therapieform für Endometriose war es damals noch nicht etabliert, mögliche Vorteile jedoch erkennbar.

Zunächst skeptisch, probierte ich Cannabis im Rahmen einer Selbstmedikation aus. Es folgte keine Wunderheilung, aber eine spürbare Veränderung. Die Schmerzen wurden erträglicher, mein Schlaf ruhiger, mein Körper weniger im Dauerstress.

Vor allem gewann ich etwas zurück, das mir andere Therapien nicht geben konnten: Handlungsspielraum und das Gefühl, meinem Körper nicht ausgeliefert zu sein.

Die ärztliche Sicht von Dr. Rolf-Wilhelm Schlüter

Dr. Rolf-Wilhelm Schlüter

Arzt in der klinischen Onkologie und Psychiatrie

Mir ist wichtig zu betonen: Nicht für jede Patientin ist Cannabis eine geeignete Therapie. Für mich jedoch markierte es einen Wendepunkt, weil es mir half, mit einer chronischen Erkrankung zu leben, statt nur gegen sie anzukämpfen.

Warum dieser Ansatz bei Endometriose eine Rolle spielen kann und wo seine Grenzen liegen, sollte nicht aus dem Gefühl heraus diskutiert werden, sondern auf Basis von Daten, Forschung und medizinischer Erfahrung.

Was Melina schildert, sehe ich in der Praxis häufig: Endometriose ist keine „normale Regel“, sondern eine chronische Erkrankung, die Alltag, Schlaf und Psyche erheblich belasten kann. Etwa jede zehnte Frau im gebärfähigen Alter ist betroffen; bei der Mehrheit stehen Schmerzen im Vordergrund, etwa starke Regelschmerzen, Beckenschmerzen oder Schmerzen beim Sex.

Die Behandlung sollte individuell und stufenweise erfolgen. Medizinisches Cannabis kann dabei eine Option bei endometriose-assoziierten Schmerzen sein. Dass Cannabinoide in der aktuellen AWMF-Leitlinie (S2k) im Kontext der Schmerztherapie genannt werden, ist ein wichtiger Fortschritt – medizinisch wie gesellschaftlich.

Aus meiner Erfahrung kann Cannabis Schmerzspitzen, Schlaf und Anspannung verbessern. Es bleibt eine symptomatische Therapie: Beschwerden können sinken, der Krankheitsverlauf wird nicht verändert. Entscheidend sind gute Aufklärung, passende Präparate und Applikationsformen sowie eine regelmäßige Nutzen-Risiko-Abwägung.

Cannabinoid-Therapie: Neu gedacht

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