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Knochen, Gelenke, Schmerz: Was Menschen ab 50 wirklich hilft

Foto: Shutterstock, 2145352713

Prof. Dietrich Grönemeyer gilt als einer der bekanntesten Mediziner Deutschlands und hat sich ein Leben lang dem Thema Schmerz, Rücken und ganzheitliche Gesundheit verschrieben. Als Pionier der mikro-invasiven Therapie und Bestsellerautor verbindet er medizinisches Fachwissen mit einem klaren Appell zur Eigenverantwortung. Im Interview spricht er darüber, was hinter den häufigsten Beschwerden der zweiten Lebenshälfte steckt und was Menschen ab 50 konkret tun können, um beweglich, stark und schmerzfrei zu bleiben.

Prof. Dr. med. Dietrich Grönemeyer

Prof. Dr. med. Dietrich Grönemeyer ist einer der bekanntesten Ärzte Deutschlands und gilt als ausgewiesener Rückenexperte.

Osteoporose, Arthrose, Rheuma — viele Best Ager sind unsicher, was bei ihnen eigentlich vorliegt. Wie erkennt man den Unterschied?

Die Begriffe werden oft durcheinandergebracht, unterscheiden sich aber deutlich. Bei der Osteoporose werden die Knochen porös und im späteren Stadium brüchig, bei der Arthrose nutzt sich u.a. der Knorpel in den Gelenken ab und bei Rheuma (insbesondere bei rheumatoider Arthritis) entzünden sich die Gelenke und schwellen an. Bewegung hilft bei allen drei: Krafttraining stärkt bei Osteoporose die Knochen und kann deren Festigkeit erhöhen, sanftes Dehnen, Yoga oder Tai Chi halten bei Arthrose die Gelenke beweglich und bei Rheuma verhindern sie Versteifungen.

Warum dauert es oft Jahre, bis eine Diagnose gestellt wird und was können Betroffene selbst tun, um früher Klarheit zu bekommen?

Wichtig ist Vorsorge und bei ersten Beschwerden einen Arzt zu konsultieren. Früh hinschauen und nicht erst bei Schmerzen reagieren. Gerade mit einem ganzheitlichen Ansatz aus Ernährung, Bewegung und Stressabbau lässt sich in der Frühphase viel erreichen. Getreu meiner Devise: nicht warten, nicht schonen, ganzheitlich handeln.

Welche Behandlungswege empfehlen Sie heute Menschen ab 50 mit Gelenk- oder Rückenproblemen auch jenseits der klassischen Schmerztherapie?

Einen Masterplan oder „Geheim-Tipp“ habe ich nicht, denn keine Übung der Welt kann jeden fit für alle Fälle machen. Wichtig ist, dass man in Balance kommt zwischen den verschiedenen Muskelgruppen, zwischen Körper und Seele, zwischen Anspannung und Entspannung. Es beginnt schon am Morgen mit bewusstem Wachwerden. Nicht sofort mit dem Klingeln des Weckers aus dem Bett springen, sondern sich ein paar Minuten gönnen, um den Tag langsam zu begrüßen und sich des neuen Tages und seiner Chancen bewusst zu werden. Sanftes Strecken gehört genauso dazu wie in seinen Körper hineinzuhorchen und festzustellen, wie es einem emotional geht. Prinzipiell also den Tag achtsam angehen und mit positiver Grundeinstellung. Denn eine positive Haltung wirkt sich auf den ganzen Tag aus, auch wenn es ein anstrengender werden könnte.

Bewegung als Medizin. Was empfehlen Sie konkret für gesunde Knochen und Gelenke in der zweiten Lebensphase?

Sehr gut für Koordination, Flexibilität und Lösung von Blockaden sind Yoga, Pilates und Tai-Chi. Nicht zu vergessen das bereits erwähnte Krafttraining, gerade bei älteren Menschen sehr zu empfehlen. Nutzen Sie jede Gelegenheit, um auf einem Bein zu stehen – beim Telefonieren im Büro oder beim Zähneputzen. Das trainiert Ihre stabilisierende Mikro-Muskulatur, die auch für die Koordination zuständig ist – nicht nur im Rücken, sondern im ganzen Körper. Übrigens: Auch Treppensteigen (nach oben) hilft enorm. Es stärkt den unteren Rücken – gut für eine bessere Haltung und Stabilität.

Chronische Schmerzen verändern das Leben, aber müssen sie es bestimmen? Was geben Sie Ihren Patientinnen und Patienten mit auf den Weg?

Ganz wichtig: nicht zu lange warten. Wenn der Hausarzt nicht weiterhelfen kann, unbedingt einen Schmerztherapeuten aufsuchen.  In Sachen Schmerztherapie hat die Medizin enorme Fortschritte gemacht. Inzwischen gibt es deutschlandweit viele gute Schmerztherapeuten und Schmerzschwerpunktpraxen, die u.a. auch bei chronischen Schmerzen Hilfe bieten. Niemand muss heute mehr leiden.

Buchtipp:
„Meine Formel für einen
gesunden Schlaf“
Verlag Südwest,
160 Seiten, 18,00 €

Vita – Prof. Dr. med. Dietrich Grönemeyer

Prof. Dr. med. Dietrich Grönemeyer ist einer der bekanntesten Ärzte Deutschlands und emeritierter Lehrstuhlinhaber für Radiologie und Mikrotherapie der Universität Witten/Herdecke. Er lebt und arbeitet in Bochum/Wattenscheid.
Seit Jahrzehnten setzt er sich für Aufklärung und Vorsorge mit Blick auf ein langes und
wohlbefindliches Leben ein.
Er ist leidenschaftlicher Verfechter der Weltmedizin, einer Integration von Natur- und Schulmedizin inklusive der psychosomatisch-sozialen, der Hightech- und Umweltmedizin. 1997 gründete er das Grönemeyer Institut für Mikrotherapie in Bochum, später auch in
Berlin, Köln und weiteren Städten.
Grönemeyer ist nicht nur ein herausragender Arzt und Wissenschaftler, sondern auch Autor
zahlreicher Bestseller. Seine Bücher wurden in rund 20 Sprachen übersetzt.

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